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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-11-03 · Heft 45 (3.11.1868) · p. Seite 907

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 45 (3.11.1868)
Date
1868-11-03
Page
Seite 907 (sequence 17)
Language
German
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Zeitung des Zudenthums. Fenilleton-Leilage )» Ar. 45. Leipzig, den 3. November 1868. Gespräche ans einem Familienkreise. i. Es war ein rauher Novemberabend, als ich in den Salon einer mir befreundeten Familie eintrat. Draußen stürmte ein kalter Nordostwind um die Ecken des Hauses, daß man sich den schützenden Mantel enger um die Schultern zog, und von Zeit zu Zeit schlug ein durchdringender Regenschauer auf die Straße und an die festgeschlossenen Fensterladen. Um so lieber trat man in vas behagliche geräumige Gemach ein, in welchem die Familie in traulicher Bereinigung um einen runden Tisch Platz genommen. In dem Ofen knisterte die Flamme und verbreitete eine behagliche Wärme. Das Zimmer war wohl erleuchtet und die Gewächse auf den Blumentischen durchdufteten den Raum in angenehmer Weise. Dabei ließ auf dem Tische der Theekessel sein bekanntes anziehendes Singen vernehmen und versprach eine willkommene Erfrischung. Es herrschte in diesem Salon kein Luxus, nicht einmal was man feine Eleganz nennt, aber Alles war bequem und behaglich geordnet, und zeugte von einem einfachen Geschmack, der um so mehr anspricht. Es war ein Eigenthümliches um diese Familie. Sie lebte auf keinem glänzenden gesellschaftlichen Fuße, eher zurückgezogen, aber jeder Gast war willkommen und jeder Freund wurde auf's Herzlichste behandelt; es herrschte in ihr ein feiner Takt, der doch von jedem pretiösen Tone oder anmaßlicher Etikette fern war. Man huldigte weder dem Esprit noch der Gelehrsamkeit, und doch interessirte man sich eifrig, aber in völliger Ungebundenheit für alle geistigen Fragen, für alle Erscheinungen aus dem Gebiete der Wissenschaft, Kunst und Literatur, ja verflieg sich bei Gelegenheit und absichtslos bis zu den höchsten Kreisen des menschlichen Denkens. Es ging dies vorzugsweise von der Dame des Hauses aus; nicht daß der Mann ohne Theilnahme, ohne Einsicht und Wissen gewesen wäre; aber er war ein überbürdeter Geschäftsmann und überließ seiner Gattin gern alle Leitung im Hause, die er da in so trefflichen Händen wußte. Ich trat an diesem Abend ein, und fand die Familie versammelt und einige Freunde gegenwärtig. Der Hausherr war auf einer Geschäftsreise abwesend. Ich wurde willkommen geheißen, erhielt meinen Platz und meine Tasse Thee. Darauf redete mich die Dame an: „Es ist recht schön von Ihnen, daß Sie gerade in diesem Augenblicke zu uns kommen. Wir sind, wir wissen nicht wie? in eine Streitfrage gerathen, deren Lösung wir von Ihnen erwarten. Sie sind ja Philosoph und Theolog und müssen es also von Grund aus verstehen. Sind Sie bei guter Laune, daß Sie uns nicht belächeln, wohl aber Rede stehen wollen?" Jetzt lächelte ich in der That und anwortete mit einer kleinen Verbeugung: Wer über die Schwelle dieses Hauses tritt, lächelt nur aus Freude und Annehmlichkeit und ist stolz darauf, wenn er auf eine Frage Bescheid zu geben weiß. Ich werde mein Bestes versuchen und gebe diese Versicherung selbst auf die Befürchtung hin, beschämt zu werden, da mein Bestes vielleicht etwas ganz Ungenügendes ist. — Dies antwortete ich und nun, geehrter Leser, wirst Du mir gestatten, die Redenden, um nicht Namen wiederholen zu müssen, mit Buchstaben zu bezeichnen. Sie antwortete mir: Lassen wir die Complimente. Ich warf nemlich, durch eine heutige Lektüre veranlaßt, die Frage auf, warum man die menschliche Seele unsterblich nenne, nicht aber ewig — da doch was nie stirbt, also nie endet, ewig ist? Und wie erklärte man dies? B. Ich meinte, daß ewig nur von Gott zu sagen sei, und darum von jedem anderen Wesen eine andere Bezeichnung gebraucht werden müsse. C. Dies konnte ich nicht gelten lassen, da wir in der h. Schrift ebenfalls dieselben Ausdrücke von Gott und vom Menschen ausgesagt finden. Es heißt: „Heilig sollt ihr sein, denn Ich der Ewige, euer Gott, bin heilig." Es heißt: „Werde vollkommen" und von Gott „vollkommen ist sein Thun." Ein gewissermaßen bloß äußerliches Ceremoniell kann es daher nicht sein, es muß tiefer liegen. D. Allerdings liegt es tiefer. Die menschliche Seele ist etwas Geschaffenes, muß also einen Anfang haben, während Gott der Schöpfer keinen Anfang hat. Was aber einen Anfang hat, kann nicht ewig genannt werden. A. Dies scheint mir immerhin noch keine völlige Lösung meiner Frage. Es enthält dies einen Zurückblick

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