Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 43 (20.10.1868)
- Date
- 1868-10-20
- Page
- Seite 870 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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870 1 ircif ibn in 3oben die Nachricht von der uou. Er ging nach Paris und nahm daselbst j-;:.:;rn buuvr.twi blujcnUnilt. i^ou da stammen die „Pariser ^viejv“, die den bleibendsten Theil seiner Schriften auömaeben. “Jim 12. Februar 1 S37 rer starb cv; am i;>. mnrde cv ans P»'mo la Chaise beerdigt, und der bekannte diepnbb-daner Raspail hielt ihm die Grabrede. Am d-ioreu'.ber 1S 12 ward das einfache Moumneul errichtet: eine abgebrochene Pyramide von polirlem Granit: oben in einer Vertiefung Börne'ö Büste, von David mosellirt, iu Erz gegossen. Ein Relief zeigt Frankreich und Den!schlauch wie sie sich die Hände reichen. (Schluß folgt.) Kleine Mitthtilrliigcir. [Gin gescheiterter B e ke h r ung § vers u ch.f In einer Florentiner Eorrespoudeuz des Schwab. Merkur lesen wir: 2oährend seinerzeit die Bekehrungsgeschichte des Jndenknaben Mortara alle Blätter füllte, wäre ein zu Mantua kürzlich stattgehabter Belehrnugsrersnch nahezu nnbcnicvu vorübergegangen. Es lag dort schon lange ein alter Jude krank und blödsinnig darnieder. Die Geistlichen glaubten unter der Verbreitung des Gerüchtes, der Alte wolle vor feinem Tode zum Christeuthum übertreten, dem Himmel eine Seele und für sich wohl.das hübsche Vermögen des Eonvertiten retten zu können. Dem widersetzte sich aber begreiflicherweise die Familie desselben und recurrirte an den Präfecten. Dieser ernannte, um sich von dem festen Willen des Alten, seine Religion zu ändern, zu überzeugen, eine Commission, bestehend aus einem Vertreter der Präfectur, einem Mitgliede des israelitischen Verwaltungsrathes und eines vom Bischöfe bezeichnten katholischen Geistlichen. Der israelitische Berwcrltungsrath, welcher den geistigen Zustand des Kranken gut kannte, verlangte statt einer Gewissens- Untersuchungs-Eommission einen aus Aerzten zusammengesetzten Ausschuß, um den Geisteszustand desselben zu prüfen. Es wurden demgemäß drei Aerzte ernannt, welche nach einer mit dem 80jährigen Kranken vorgenommenen Untersuchung sich einstimmig dahin aussprachen, daß der Kranke nicht bei vollem Verstände sei und an dem Greisenblödsiun (demenza senile) leide. Man hätte rum glauben sollen, mau werde den Alten in Ruhe lassen, allein die Geistlichkeit recurrirte an das Ministerium und dieses befahl, den fast in den letzten Zügen liegenden Soliani, so hieß der Kranke, einer nochmaligen Ausforschung zu unterziehen, ob er wirklich katholisch werden wolle. Schon hofften die Geistlichen und jubUhtM die Paolotti, aber eS war anders beschlossen. Ale : den Alten fragte, antwortete er: „Laßt mich in - . ich will in der Religion meiner Väter sterben", i; . somit war die Freude verdorben. - Der Fürst-Primas von Ungarn macht eine Amtsreise. Die R. fr. Pr. schreibt darüber: „In ^zered belheiligle sich die israelitische Gemeinde, der Rabbiner an der Spitze, au seinem feierlichen Empfange. Cr dankte den Repräsentanten des Judeuthums herzlich und betonw, daß „nur dnrch die Eintracht aller Confessioneu und Nationen unser schönes Vaterland glücklich und groß sein werde". Ter von den Einwohnern veranstaltete Fackelzug ging auf Anregung des Stuhlrichters — es geschehe n Zeichen und Wunder! — vor dem Hause des Rabbiners vorüber, dem der Mann des Prügelstocks seinen Dank für die Mitwirkung beim Empfange aussprach. Der Stuhlrichter schloß mit einem Hoch auf die Verbrüderung der Religionen. Ein beherzigenswerthes Beispiel der Toleranz." Kuriosa. fEin salomonisches Nrtheil.f In dem Städtchen B. in Mähren hatten die Juden am 30. Sept., wie alljährlich am Nüsttage des Laubhüttenfestes, die üblichen mit Tannenreisig gedeckten Bretterhütten in den Höfen, Gärten, oder wo solche nicht vorhanden, vor den Häusern errichtet, um darin während des siebentägigen Festes ihre Mahlzeiten zu genießen. Ein Jude glaubte mm die Zeit gekommen, seinen lang verhaltenen Groll gegen seinen Nachbar befriedigen;u können, und erstattete btt dem Bezirksgericht daselbst die Anzeige, „daß Herr Max K. durch die vor dem Hause errichtete Hütte die Passage störe, und möge ihm die Räumung derselben sofort aufgetragen werden". Von Seiten der Behörde, die mit den Gebräuchen der Juden wohl vertraut ist und die Motive der Klage kannte, ersivß schon am nächsten Tage das Urtheil, „wonach die Klage des Herrn Simon H vollkommen begründet gefunden wird, und habe der Geklagte binnen acht Tagen den Platz zu räumen!" Wie bekannt, dauert das Hüttenfest nur sieben, mit dem Schlußseste neun Tage. Das Urtheil wurde am zweiten Tage dem Beklagten zugestellt. In einem Badeorte der Provinz Pommern kündigte eine höhere Militärperson, die eine getaufte Jüdin juv Frau hatte und mit der ganzen Familie sich un Bade befand, auf einen bestimmten Tag eine Reunion für Christen an. Am Tage, auf welchen diese angekündigt war, waren an dem Gebäude, in welchem sie stcütsinden sollte, die Worte zu lesen: „Heute ist hier Inden und getauften Juden der Eintritt verboten." Dadurch war jene Militärperson gezwungen, sich mit seiner Frau an der Neunion nicht zu betheiligen und wohlweislich und selbstverständlich erschienen von mm an keine solchen Ankündigungen mehr. .r. Verlag von Baumgärtncr's Duchhandlnng in Leipzig. — Druck von I. D. Hirschfeld. Verantwortlicher Redakteur Dar. H. Lotzr.