Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 43 (20.10.1868)
- Date
- 1868-10-20
- Page
- Seite 852 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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.4# 85-2 sich j'.iv V:: elften lnijcüilino;: Scor.cn, . : c iH\’vbvVi:ri bis j:ot in Madrid tMnlanten, am tco S. raeK'v, mavcit chic Temonftvaüen gegen . i Einfluß Ves ConcordaLes und gegen den „finnischen -/rannen." Au: Tage vorder hauen bei Pvün'ö Ein- .!ung die Oialiencv die Garibalvi-Hnmne, die Franzon die Riego-Hpmne gesungen. Die Iunra in Sevilla dar dein (5onsnl der Bereinigten Staaten die Erlaubnis; mm Bau einer protestantischen Kirche ertheilt und damit eine Demonstration gegen die Verfolgungen machen neo-len, die unter der Herrschaft der Camarilla über Andalusien gegen die Bibelleser verhängt wurden. Zm Jahre 18.VI hatten bekanntlich weder die Unioiüftcii den Muth, noch die Cortes den Willen, für die Gewissensfreiheit etwas zu Lhnn, und die römische Politik Jsabella's ün letzten Iahrzehend fußte auf diesem Umstande. Das spanische Volk war wieder ganz in den Händen des Elerus, wie das französische in der Zeit, wo die Maintenon Mitregentin Ludwigs XIV. war, in der Zeit, wo Karl X. in Frankreich regierte oder vielmehr regiert wurde; der Rückschlag blieb in Frankreich nicht aus, wie er in Spanien nicht ausbleiben sollte. Die neue Regierung wird gedrängt, schon vor den constituirenden Cortes die Verachtung des Concordates zu decretiren. Zn dieser Beziehung liegen uns heute mehrere Beschlüsse vor, wodurch Junten in den Provinzen die Ktosterfrage als Localsache betrachtet wissen wollen. Die einzelnen Junten, wie jene in Cadip und Sevilla, in Valladolid und Saragossa, in Barcelona und Reus, legten ^Hcmd aus die Klöster, und einige trieben die Mönche und Nonnen aus, andere, wie in Reus, logirten dieselben in Privathäusern und schlossen die Klöster; in Aranjuez, wo die madrider Central-Junta die Schließung ungeordnet hatte, erhob die Local-Junta dagegen Einsprache, „da die Junta von Aranjuez allein für alles verantwortlich sei, was die Localsachen anbetresfe, und sie für deren Leitung nur den coiiftttuirten Beamten der Nation verantwortlich sei." Die Austreibung der Jesuiten ist allgemein." Allerdings giebt die Verkündigung eines allgemeinen Grundsatzes und die Vertreibung der Mönche und Je- .suiten.noch keine Bürgschaft für die Verwirklichung der Glaubensfreiheit und noch weniger der Gleichberechtigung. ,Wir glauben vielmehr, daß eS bis dahin in Spanien noch einen weilen Weg giebt. Allein wir dürfen deshalb doch nicht die Hände in den Schooß legen. Unsere älteren Leser werden sich erinnern, daß im Jahre 1S54 eben'alls eine revolutionäre Bewegung in Spanien statt gesunden und constitnircude Cortes znsaiinnenbernfeu wurden. An der Spitze stand Espariero. Wir richteten damals an diesen wie an die Cortes ein in spanischer Sprache abgesagtes Memorandum, das in deutscher Übersetzung in Nr. 39!Jahrgang 185!) abgedruckt ist, und in welchem wir von den Cortes forderten: 1) die Freiheit der Cnlte in daS Grundgesetz Spaniens als eines der Hanptprincipien aufzunehmen; 2) das Edict vom 31. März 14 92, durch welches die katholischen Könige Ferdinand und Jsabella die Juden aus Spanien verbannten, aufzuheben. Wir unterstützten diese Petition durch alle dahin schlagende Gründe, deren jeden wir durch Citate ans spanischen Schriftstellern belegten, um sie ans diese Weise in völliger Unparteilichkeit zu erweisen. Diese Petition machte in Madrid großes Aufsehen und die bedeutendsten Journale machten sie zum Gegenstände ihrer Verhandlungen. So Ins Novedadas*) vom 20. October, die Esperanza fcotit 21. und 26. October, der Clamor Püblico vom 24. October. Sie erklärten sich sämmtlich dafür, verlangten die Annahme und verhießen sich viel Gnies davon. In der Sitzung vom 9. Tecember beschlossen die Cortes die Inbetrachtziehung unserer Petition und deren Überweisung an eine betreffende Conunission. Wir erhielten damals auch mehrfache Briefe von uns unbekannten Spaniern, welche sich feurig für unsere Petition auSsprachen. So unter dem 23. Dec. von Herrn Luis de Asoz y Rio mit einer Druckschrift: „Populäre Gebete für die spanische Nation," unter welchen es wörtlich hieß: „Wir bekennen, o Herr, vor dir die große Sünde unserer Nation, begangen an den Abkömmlingen deines alten Volkes Israel, welche unsere Väter so grausam mißhandelten, und schließlich sie ohne Unterschied aus dem Lande, das ihr Geburtsland war, verjagten. Verzeihe diese Grausamkeit, o Herr, weil wir sie. bereuen. Und wenn du, der du der Gott AbrahamS, wieder die Söhne AbrahamS nach Spanien führest, so wollen wir nicht vergessen, daß du zu ihnen sagtest: „Ich werde segnen, die dich segnen, und werde denen fluchen, die dir fluchen." — Der Clamor Püblico druckte auch unser Memoire in seinem ganzen Umfange ab. Die Commission der Cortes getränte sich aber nicht, *) Auch jetzt ist dieses Blatt das Hauptorgan liberaler Gesetzgebung, und das von ihm aufgestellte Programm (das Programm der iberischen Union, also nicht der fortgeschrittensten Partei) hat an seiner Spitze: „Freiheit der verschiedenen Cnlte."