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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-10-13 · Heft 42 (13.10.1868) · p. Seite 847

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 42 (13.10.1868)
Date
1868-10-13
Page
Seite 847 (sequence 17)
Language
German
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’*H512Sa5'!K'ESH5'25-fc I u»dl ttntal cit««g des Zu-kilthmnö. Feuillrton-Üeilage M Nr. 4Z. Leipzig, den 13. Oktober 1868. Vergleichende Studien über den Talmud. Lon David Oppenheim, Rabbiner in Gr.-Becskerek. XIV. Der Esel und das Schwein. Eine recht nette Doppelfabel führt der Midrasch, lEsther 3, 1 an, die bisher falsch aufgefaßt wurde und Idie nur durch die herbeigezogenen Parallelen klar und Ideutlich gemacht werden kann. Die beiden hier zusam- Imengeschmolzenen Apologen müssen vorerst gehörig ge- Itrennt und auf ihre Ursprünge zurückgesührt werden. lEs ist dies um so leichter, weil blos der Anfang und Idie Einleitung, die beiden Fabeln gemeinsam sind, bei der zweiten Fabel weggelassen und dieselbe unmittelbar |ber vorhergehenden angeschlossen wurde. „Ein Mann hatte eine Mauleselin, eine Eselin und ein Schwein. Das Schwein fütterte der Eigentümer I mit großer Sorgfalt und mit vollem Uebermaße, während er der Mauleselin und der Eselin knapp und spärlich das Futter zumaß. Da sprach die Mauleselin zur Eselin: „Wie thöricht ist doch unser Herr! Sieh, uns, die alle Hausarbeiten verrichten, giebt er ein abgezähltes Maß, während er das müßige Schwein mit Uebermaß auffüttert." Darauf entgegnete die Eselin ihrer Tochter: „Warte nur bis sein Ständlein kommt, dann wirst Du seinen Fall schon sehen! Denn man füttert das Schwein nicht zu seiner Ehre, sondern zu seinem Unglück!" Als die Calenden naheten, wurde das Schwein zu Ehren des Festes geschlachtet." — Soweit die erste Fabel, der sich daselbst ohne Einleitung die zweite anschließt, die wir hier mit Ergänzung des Eingangs folgen lassen. „Ein Mann hatte eine Mauleselin, eine Eselin und ein Schwein. Das mit Uebermaß aufgefütterte Schwein wurde an den Calenden geschlachtet. Als man darauf der Mauleselin'das übriggebliebene Gerstenfutter vorwarf, stieß sie es unwillig weg und wollte es nicht essen, weil sie das Schicksal des Schweines fürchtete.*) Da sagte die Eselin zu ihr: „Meine Tochter, nicht das nahrhafte, reichliche Futter ist die Ursache, daß das Schwein geschlachtet wurde, sondern der Müßiggang!" D. h. weil man von dem müßigen Schwein keinen bessern Gebrauch machen kann, als dasselbe zu schlachten. ona basan erd nana nbaan &tbs». Wir finden diese Fabel ebenfalls bei Phädrus V. 4, wo aber das Verhältniß verkehrt vargestellt wurde und wo die eigentliche witzige Pointe fehlt. Indem wir die Fabel des Phädrus mit der langen Moral folgen lassen, wird der geschätzte Leser selbst einsehen, daß im Midrasch sich die ursprünglichere und geistreichere Form erhalten hat. Esel und Schwein. „Dem Herkules brachte Einer einen Eber Zum Opfer, den für Rettung er gelobt. Den Gerstenrest warf er dem Esel vor. Doch er ließ Alles liegen und sprach also: „Gar gerne griffe ick nach Deinem Futter, Wär' nur der, den es nährte, nicht geschlachtet." Durch dies Geschichtlein abgeschreckt, vermied ich Zu jeder Zeit gefährlichen Gewinn. Du sprichst: „Das Geld, das man geraubt, das hat man." Wohl, zähl nur jene, die man griff und aufhing, Die Mehrzahl, sind'st Du sicher, ward gestraft. Frucht trägt ihr Frevel Wen'gen, Vielen Unheil. Die ganze Moral paßt zur Fabel gar nicht, da das Schwein kein Unrecht begangen. Hingegen ist die Antwort im Midrasch: Nicht das Futter, sondern der Müßiggang ist die Ursache des Unglückes, sehr trefflich und passend. Die Parallelen zum ersten Theile der Fabel hat Herr Dr. I. Landsberger, „Fabeln des Sophos" aus Babrios und aus indischen Fabelwerken ausführlich mitgetheilt, die wir füglich übergehen können. *) Herr Dr. I. Landsberger hat hier in seinen „Fabeln des Sophos" S. XXV, die uns jetzt erst zugegänglich geworden, die Stelle falsch gelesen und übersetzt. Herr Dr. Landsberger las hier: zna na©aa nn’fri mit Kas und übersetzt: biß sie daran, was keinen Sinn hat. Es heißt aber: nowtia nrPtn 1^2 mit Beth, vom Substantiv nw: verscheuchen und man muß übersetzen: verscheuchte sie es n. s. w. XV. Der Vogel im -Käsig. Als charakteristische Merkmale der Ursprünglichkeit und Priorität einer Fabel sind wohl vor Allem Scharfsinn und Kürze, Witz und Klarheit zu rechnen,-während die Nachbildung und Umarbeitung sich durch ihre Breite und Künstelei kenntlich macht. Kurz und bündig ist die

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