Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 42 (13.10.1868)
- Date
- 1868-10-13
- Page
- Seite 842 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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842 habe ich einige Personen bemerkt, welche das Haar nach der Sitte der Amharas flechten. Ihre Nahrung besteht zum größten Theile in Kuchen von Thief, einer Art kleiner Körner, welche dem Mohne gleichen, der Teig wird bald gegohren (Endschera), bald im ungesäuerten Zustande angewendet (Kitha). Man kennt auch den Durrha (Machilla). Der Waizen, den einige Provinzen hervorbringen, ist für die Armen zu theuer. Das Dapußa-Brot ist am unangenehmsten für den Gaumen. Man ißt nur sehr selten Fleisch; der abstoßende Gebrauch, rohes Fleisch zu essen, welcher bei den Amharas so gewöhnlich ist, konnte bei den Falaschas, die das Blut verabscheuen, nicht Platz greifen. Die gepfefferte Sauee (Wat) ist sehr beliebt. Außer Wasser trinkt man oft, besonders an Festtagen, Meth (Thedy) uud eine Art berauschenden Bieres (Thella). Wegen der Bürgerkriege, welche das Land verwüsten, giebt es wenig Milch und noch weniger Butter. Käse bereitet man nicht in Abyssinien. Die Falascha bauen ihre Häuser immer dicht an einem fließenden Gewässer, um ihre zahlreichen Waschungen leichter vollziehen zu können. Ihre Möbel sind sehr einfach: eine Matte oder ein Fell dient ihnen als Tisch, Stuhl und Bett; man findet bisweilen das Alga oder Angareb des Sudan, eine Art Bett, das aus verflochtenen Seilen wie an einem Netz aufgehängt wird. Flaschenkürbisse von verschiedenem Umfange dienen als Flaschen, Becher und Schüssel. Am Eingang des Hauses befinden sich stets zwei Steine, um das Korn, den Kaffee und besonders den unentbehrlichen rothen Pfeffer zu mahlen. Eine Cisterne um Wasser und Bier, welches gährt, aufzubewahren, einige Utensilien aus terra cotta zur Zubereitung des Brodes und der Speisen, fehlen niemals in einem gut eingerichteten Haushalte. Die Gruppirung der Häuser ist bei den Falascha's durchaus nicht gleichgültig. Das Haus des Familienvaters ist immer in der Nachbarschaft desjenigen seiner Verwandten. Zur Seite richtet man eine kleine Hütte auf, wo diejenigen ausgenommen werden, deren Unreinheit durch ein kaltes Bad gegen Sonnenuntergang aufgehoben wird. In einer gewissen Entfernung, und manchmal sogar außerhalb der Hecke, welche gewöhnlich die Gruppe umgiebt, bemerkt man die Hütte, welche für diejenigen reservirt ist, welche durch die größte Unreinheit befleckt sind, wie die Frauen während ihrer Regel, diejenigen, welche einen Leichnam berührt, rc. Die Aussätzigen sind noch vollständiger abgesondert: sie sind oft verdammt, im Schatten eines Cactus oder eines Baobab die schönsten Jahre ihres Lebens zu verbringen. Was das Übel noch vermehrt, ist, daß aus Mangel auch der geringsten medicinischen Kenntniß man oft Menschen zur Verbannung verdammt, welche kein Krankheilssymptom haben. In der Ecke eines Falascha-Dorfes erhebt sich das Gotteshaus, Mesguid, „der Ort der Anbetung" genannt, dessen Bestimmung mehr der des alten Tempels, als unseren neueren Synagogen gleicht. Das Allerheiligste wird nur am Versöhnungstage vom hohen Priester betreten. Der andere Theil ist den Priestern während des Gebetes geöffnet. Das Volk stellt sich in den Hof; aber die beiden Geschlechter sind getrennt. Diese strenge Organisation, insbesondere was die Vorrechte des hohen Priesters betrifft, ist fast ganz außer Gebrauch gekommen, und die 9?afiräex gehen ebenso gut in den Tempel wie die Priester. In einer Ecke des Hofes befindet sich der Altar, der aus rohen Steinen aufgerichtet ist; dort werden die üblichen Opfer gebracht, welche mehr den Character erinnender Ceremonien als einer vorgeschriebenen Pflicht tragen. Deshalb sucht man nie, sie mit den mosaischen Vorschriften in Einklang zu bringen. Weder am Samstag, noch am Jom Kippur werden Opfer gebracht. Von allen Opfern ist dasjenige, welches man um der Ruhe eines Verstorbenen willen bringt, das am meisten gebräuchliche bei den Falascha's, wie auch bei den anderen Völkern Abyssiniens. Um den Tempel herum liegen zerstreut die Häuser der Priester, welche das Heiligthum zu bewachen haben. Sie beobachten eine strenge Reinheit, sie bestellen ihre Felder, sie bereiten sich selbst ihre Nahrung und halten sich von dem weltlichen Getümmel fern. Das Volk bringt ihnen einen Theil der Erndte und auch andere Geschenke, besonders au dem Tage vor den großen Festen. Die Priester beschäftigen sich hauptsächlich mit der Erziehung der Kinder, welche sie in der Bibel und den traditionellen Gebräuchen unterrichten. Ebenso verhält es sich mit den Asceten oder Nasiräern, welche sich durch ein Gelöbniß der Enthaltsamkeit und des Cölibats dem Nachdenken widmen. Das Studium der biblischen Geschichte wird dort ziemlich gepflegt. Leider gehört die Kunst des Schreibens nur selten zu dem Lehrplan. Mitten aus diesem heiligen Umkreis steigen die Gebete der Gläubigen zum Himmel. Von Mitternacht an hört man den klaren, melancholischen Ton der Sänger, welchem das monotone Recitativ der Zuhörer antwortet. Das Lob des Ewigen, das Heil Israels, die Liebe zu