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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-10-13 · Heft 42 (13.10.1868) · p. Seite 838

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 42 (13.10.1868)
Date
1868-10-13
Page
Seite 838 (sequence 8)
Language
German
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der Kr.-Z. — der jüdische Lehrer, christlichen Schülern gegenüber, nicht im Stande wäre, die Disciplin zu handhaben und aufrecht zu erhalten. Da möchte doch aber die besorgte Kr.-Z. einmal in Lissa Nachfragen, woselbst am Gymnasium Dr. Julius Töplitz bereits eine lange Reihe von Jahren amtlich sungirt und schon in verschiedenen Klassen der Ordinarius gewesen, — und sie wird, zu ihrem nicht geringen Erstaunen, zu hören bekommen, mit welch außerordentlicher Pünktlichkeit ihre „deutschen Jungen" dem „jüdischen" Lehrer gehorsamen, und wie gern und bereitwillig sie dessen Anordnungen rc. sich fügen. Ganz dasselbe kann sie, wenn's ihr beliebt, auch in Posen erfahren, allwo sogar — o Schrecken der Schrecken! — zwei Juden an der städtischen Realschule als Lehrer wirken. — Ob aber die K.-Z. durch derartige Erfahrungen eines Bessern belehrt werden dürfte — das ist natürlich eine andere Frage. — Indessen will sie nicht blos der „deutschen Jungen" wegen, sondern auch noch aus anderm Grunde keinen Juden an einem Gymnasium, einer Realschule rc. angestellt sehen, und dieser Grund heißt bei ihr: „Ratio nalitätsprincip." Sie fordert die Herren Stadträthe auf, zu erklären, „wie sie ihre Agitation für die Juden mit dem Rationalitätsprincip vereinigen wollen?" Sie wirft den Liberalen im Volke vor, bei jeder Gelegenheit stürmisch auf das „Rationalitätsprincip" zu pochen und gerade hier (in der Schulangelegenheit) dasselbe ganz und gar „umstoßen" zu wollen. Sie bemitleidet die Männer der Resolutionen und Adressen, so blind zu sein und nicht zu merken, „wie sie gerade mit ihrer Forderung von konfessionslosen Schulen in Widerspruch gerathen mit dem Rationalitäsprinci p, das sie ja doch auf ihre Fahne geschrieben haben." Und um alles dieses zu argumentiren, kann sie endlich nicht umhin, ausdrücklich zu sagen: „Keine Religion ist ja so sehr Zeichen der Nationalität, als die jüdische. Gerade dadurch, daß Einex die mosaische Religion beibehält — und sei er auch Reformjude — erklärt er, daß er an seiner Rationalität festhalten will. In wie starrer und feindseliger Weise aber die Juden, andern Nationen gegenüber, sich halten, ist ja bekannt." Kommt noch Etwas? — Nein! — Mit diesem letzten Satze ist der Köcher der Kr.-Z. erschöpft, ist ihr Arsenal völlig aufgeräumt. — Aber lächerlich bleibts doch, immer noch mit solch abgdroschenen Phrasen sich breit zu machen, und etwas schlimmer noch als lächerlich dünkt es uns, seinen Leser» und Abonnenten so oft mit solch aufgewärmtem Kohl, solch abgestandenen Saucen rc. aufzuwarten. — Die Lipp mann-Taus k'sche Synagoge in Berlin, welche die Wittwe des Componisten Meherbeer (eine Enkelin des Gründers: völlig restauriren lies: ist am 16. d. M., nach Beendigung des Reujahrs- Abend-Gottesdienstes, feierlich eingeweiht und hierbei von dem Schuldirigenteu Herrn A. Berliner die — sehr beifällig ausgenommene — Festrede gehalten worden. Dessau, im September. iPrivatmitth.) Bei einer nicht geringen Anzahl Ihrer Leser wird die Nachricht eine wehmüthige Theilnahme erwecken, daß die herzogliche Regierung beschlossen hat, mit dem 1. Januar die Franz schule aufzulösen. Im Jahre 1799, aus einer Freischule für die Armenkinder der jüdischen Gemeinde durch freiwillige Beiträge errichtet und erhalten, in eine Gemeindeschule verwandelt und unter dem Direktorat des vr. David Fränkel, durch ausgezeichnete Lehrer, wie Moses Philippson, I. Wolf, G. Salomon, I. Louis, Rektor Richter schnell zu großer Blüthe gebracht, hatte sie bis zum Jahre 1849 nicht blos die Generationen der hiesigen Gemeinde, sondern auch zahllose Schüler aus allen Gegenden des deutschen Vaterlandes und selbst fernen Ländern ausgebildet. Schon von ihrem Beginne an hatte sie eine Unterstützung aus Staatsmitteln gezogen — wohl das erste Beispiel dieser Art — durch Mittel aus der Gemeinde und Legate ein eigenes schönes Grundstück mit geräumigen Gebäuden erhalten. Im Jahre 1849 legte die Regierung ihre Hand auf dieselbe und wandelte sie in eine simultane Handelsschule um, unter einem christlichen Direktor und mit mehreren christlichen und jüdischen Lehrern — christliche Lehrer waren immer an ihr beschäftigt gewesen — mit jüdischen und christlichen Schülern, ivobei die ersteren die Mehrzahl bildeten. Es war dies allerdings mit Zustimmung des Gemeindevorstandes geschehen. Die Warnung, sich ja vorzusehen, und, indem man das Heft ganz aus den Händen gebe, sich eines Tages der Schule ganz beraubt zu sehen, war damals in diesem Blatte ausgesprochen, aber nicht beachtet worden. Der Ruf der Schule hatte bei dieser Umwandlung unter

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