Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 41 (6.10.1868)
- Date
- 1868-10-06
- Page
- Seite 822 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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822 gerichtet, daß fortan die Rabbiner durch die Wahl der Gemeinde creirt werden sollen. Jerusalem, 10. September. Gestern Nachmittag wurde in der großen Sephardischen Synagoge eine Todtcnfeier auf die Frau Elise Herz, geb. Edle von Lämel abgehalteu. Der Chacham Baschi und sämmtliche Rabbiner nebst zahlreichen Mitgliedern aller Gemeinden, sowie der k. k. österreichische Consul mit Beamten und Gefolge waren zugegen. Die Verstorbene hat bekanntlich durch L. A. Frankl eine Kinderschule mit einem Capital von 50,000 fl. gestiftet. Amerika. Baltimore, 18. August. <Privatmitth.) Von der großen und verheerenden Ueberschwemmung, die am 24. v. Monats den mittleren Theil der hiesigen Stadt hcimgesucht, werden Sie schon berichtet haben. Dieser Stadtthcil wird größtentheils von unfern Glaubensbrüdern bewohnt, und zwar von den ärmeren Klassen derselben. 60—70 von ihnen wurden brod- und obdachlos, 2 verloren ihr Leben in den Fluthcn. Aber „die vielen Wasser vermochten die Liebe nicht zu verlöschen im Gegentheil, jetzt erst zeigte sich das jüdische Herz in seiner wahrhaft erhebenden Größe. Kaum war das Wasser so weit verlaufen, daß man ohne Lebensgefahr den Schauplatz besuchen konnte, der vor einigen Stunden noch das Bild des lebendigsten Treibens darbot, und wo Einem jetzt der Schrecken und die Verheerung in ihrer fürchterlichsten Gestalt ins Antlitz starrte —- kaum war das Wasser so weit abgelaufen — da hätten Sie sehen socken, ivie man sich ordentlich drängte und stieß, den Unglücklichen zu Hülse zu kommen; gastfreundlich öffneten sich alle Häuser, um ihnen, denen bald im eigentlichen Sinne „ihre Häuser zu ihren Gräbern" geworden waren, ein w brach zu gewähren. Augenblicklich wurde eine Versammlung der hiesigen Israeliten berufen, die in wenigen Stunden 6000 Dollars für die Ueberschwemmten niederlegte. Aber obgleich cs meist Israeliten waren, die ain härtesten heimgesucht wurden, so vergaß inan denitoch auch den christlichen Bruder nicht. Der hiesige jüdische Hülfsvercin bewilligte 1500 Doll, für dieselben, außerdeni wurden von Einzelnen große Summen denselben zngcwiesen. Aber auch von auswärts laufen täglich Beiträge von jüdischen Gemeinden, Gesellschaften, Vereinen u. s. w. ein, ohne daß von hieraus ein Hülferuf nach Außen ergangen wäre. Boston und New-Uork haben bereits bedeutende Summen geschickt, in Cincinnati hat Herr Dr. Wise i» seinen beiden Blättern eine sehr dringende Aufforde rung zur Hülfe ergehen lassen, in Philadelphia sammelt Herr Di-. Jastrow, an anderen Ovten andere. Der Schaden an öffentlichem und Privat-Eigenthuiil kann nur nach Millionen berechnet werden. Correspondenz. Die Falascha's. Paris, im September. Die Leser d. Bl. erinnern sich, daß ein Herr Joseph Halevi dem englischen Heere nach Abyssinien folgte, jenes später verließ und so weit er es-wermochte, einen Theil jenes Landes durchwanderte, um den Stamm der Falascha's näher kennen zu lernen, welchen man für einen Zweig des jüdischen Volkes seit längerer Zeit gehalten, ohne bis jetzt zu einiger Gewißheit hierüber gekommen zu sein. Die Alliance isr. univ., der board of deputies in London und einige Privatleute gaben die Mittel dazu her. Herr Halevi ist zurückgekehrt, brachte einen jungen Falascha mit, der aber nur seine Muttersprache spricht, und hat jetzt einen Bericht abgestattet. Den wirklichen Erweis will er in einer wissenschaftlichen Arbeit bringen, die wir abwarten müssen, um den mit allzu großer Sicherheit vorgetragenen Ansichten des Hru. Halevi volles Vertrauen schenken, eine Ueberzeugung darauf stützen zu können. Auch gestehen wir offen, daß er in dem uns vorliegenden Berichte zu viele schöne Phrasen verwendet, um nicht seine volle Glaubhaftigkeit dadurch etwas geschwächt zu haben. Wir hoffen, daß er die angeregten Zweifel wird zerstreuen können, und übertragen hier die Hauptstellen seines Berichts über jenen merkwürdigen Volksstamm, dessen Sitten und gegenwärtige Lage. Eine beträchtliche Bevölkerung, mit mehr oder minder schwarzer Haut, aber ohne deshalb den Negertypns zu besitzen, zerstreut über das weite Hochland, das sich von dem südlichen Ufer des Tacazze bis zu den Ufern des Blauen Stromes ausdehnt, rühmt sich, demselben