Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 41 (6.10.1868)
- Date
- 1868-10-06
- Page
- Seite 818 (sequence 8)
- Language
- German
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m Vergehens in einer Besserungsanstalt gewesen, sich' daselbst gut betragen und ein Handwerk erlernt hatte, Geselle geworden. Da er sehr arm war, so hatte der dortige Prediger, Herr Herderhusen, durch zwei Kirchenvorsteher eine Haussammlung veranstaltet, von deren Ertrage dem mittellosen Gesellen ein Anzug angeschafft werden sollte. Der eine der Kirchenvorsteher geht auch zu zwei in Stotel wohnenden, in allgemeiner Achtung stehenden Juden und beide geben bereitwillig ihr Scherflein. Tags darauf schickt der Pastor seinen Sohn zu ihnen mit einem Zettel, auf welchem er ihnen anzeigt, daß gestern bei der Sammlung ein Versehen vorgekommen, und sendet ihnen ihr Geld zurück. Die sämmtliche Einwohnerschaft Stotels ist empört über dieses zelptische Benehmen des Geistlichen, und wenn derselbe schon ohnehin höchst mißliebig gewesen ist, so hat dieses sein rücksichtsloses Verfahren die üble Stimmung in der Gemeinde gegen ihn nur noch vermehrt. Wann werden diese Herren endlich aufhören, durch ihr maßloses, von blindem Hasse gegen Andersgläubige eingegebenes Betragen Aergerniß zu geben? Schweiz. Aus dem Aargau, 13. Septemb. (Privatmitth.) Auf ein Gesuch des Herrn Rabb. vr. Kahserling hat das Militärdepartement der schweizerischen Eidgenossenschaft die Militärbehörden von Aargau, Zürich u. s. w. eingeladen, die Wchrmänner israel. Confession, welche sich an den beiden Festtagen, Neujahr und Versöhnungstag im Militärdienst befinden, für diese Festtage zu dispensiren und ihnen dadurch den Besuch des öffentlichen Gottesdienstes zu ermöglichen. Basel, 13. September. (Privatmitth.) Basel, die Stadt so vieler mittelalterlichen Gräuel gegen die Juden und wiederholter Austreibungen derselben, aber auch manches verdienstvollen Schriftwerkes auf unserem Gebiete, hat jetzt den Sieg der Glaubensfreiheit besiegelt, indem in seinem Weichbilde eine Synagoge erbaut und öffentlich eingeweiht worden, und zwar unter allgemeiner Theilnahme der Bevölkerung. Davon zeugt auch die Berichterstattung aus christlicher Feder in Nr. 216 des „Tagblattes der Stadt Basel,^ und deshalb können wohl einige Stellen ans diesem einen Anspruch auf einen Raum m d. Bl. machen» Es heißt dort: „Die neue Synagoge an der Leimen-» straße ist ein zwar nur mäßig großes, aber in seiner» Ausführung vollkommen gelungenes Gebäude, dessen! zierliche Kuppel weithin gesehen und nicht nur der! nächsten Umgebung, sondern der ganzen Stadt zur! Zierde gereicht. Im Innern ist die Synagoge hell,! freundlich, geschmackvoll und ohne Ueberlckdung geziert,! die Estrade, auf welcher sich die Stühle und der Pult! der Rabbiner befinden und in deren Hintergründe! die heilige Lade angebracht ist, reich geschmückt. Das! Gebäude wurde ohne irgend welche Mithülfe des Staates oder der Stadt, lediglich auf Zu- und Vorschüsse der Mitglieder der israelitischen Gemeinde ausgeführt. Die Einweihung dieses israelitischen Gotteshauses fand letzten Mittwoch Nachmittag statt. Neben den hiesigen Israeliten hatten sich zahlreiche Glaubensgenossen aus der Umgegend, eine Abordnung der Regierung, des Stadtrathes, einige proteftanttsche Geistliehe, die Consuln von Nordamerika und Frankreich und noch viele andere Gäste eingefunden." Die Einweihung wurde vollzogen durch die HH. Rabbiner Nordmann aus Haegenheim bei Bktsel und vr. Kays erling aus Lengnau. Der Ersten sprach über den Kampf, den Israel glücklich überwunden, über die großen Lehren des Judenthums, und daß jetzt der jüdische Stamm im Glücke dieselbe Ueberzeugungstreue zn beweffen habe, wie in der Zeit des Unglücks. Der Berichterstatter nennt die Predigt „sehr ansprechend und die volle Aufmerksamkeit der Zuhörer findend." Er berichtet ferner: „Es folgte der Festchor aus de« 118. Psalm, noch eine ganz ausgezeichnete Composition von Halevy und darauf eine zweite Predigt und Einsegnung der Synagoge durch Herrn Rabbiner vr. Kahserling aus Lengnau, eine Rede voll Schwung und rhetorischem Reichthum, bei welcher namentlich das Eingangsgebet (Preis Gottes) und dann das Schlußgebet (der Segen) wunderbar schön und ergreifend waren." Den Inhalt dieser Predigt bildete der Gedanke, daß Bruderliebe und Duldsamkeit der Kern des Judenchums seien, und daß es der weltgeschichtliche Beruf Israels sei, durch Lehre, Kampf und Thal dieselben zur Herrschaft zu bringen.