Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 40 (29.9.1868)
- Date
- 1868-09-29
- Page
- Seite 810 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Haus und folgten nach einiger Zeit ihrem Sohne nach Altona. Die schwedische Regierung willigte in das Verlangen des Tenors. Dieser wußte wohl, daß er doch keinen Ersatz erhalten und einen Prozeß gegen die Regierung und die Stadt zu erheben haben würde, dessen Ausgang sehr zweifelhaft, und der ihm vielleicht nach damaliger Art der Rechtspflege sein übriges Vermögen gekostet hätte. Weniger erfüllte die schwedische Regierung ihm sein Gesuch um die Begnadigung der Bauern und Fischer. Die Rädelsführer, insonders Müller-Hans und seine Brüder, waren am andern Morgen bereits aus der Gegend verschwunden und hatten wahrscheinlich Dienste auf einem Schiffe genommen, das sie zu einem fernen Erdtheil brachte. Desto mehr wüthetxn die Strafgerichte unter deren Helfershelfern, und noch nach langer Zeit wußten die Bewohner der Bernsteinküste von den trübseligen Ereignissen zu erzählen, welche auf den Einzug des Senor Mendes in das Städtchen gefolgt waren. Kleine Mittheilungen. Der zu Heilbronn erscheinende „Volksfreund" berichtet von dort: Die Einweihung des israelitischen Friedhofes wurde am Montag den 31. v. M. gelegentlich einer gleichzeitigen ersten Beerdigung auf demselben nach einem ausgegebenen Programm in sehr würdiger Weise gefeiert. Es betheiligten sich daran außer der zahlreichen israelitischen Gemeinde alle ortsanwesenden christlichen Geistlichen beider Confessionen, die königl. Bezirksbeamten, der Ortsvorstand mit den Mitgliedern der beiden bürgerlichen Collegien, die Werkmeister mit sämmtlichen Bauhandwerkern und sehr viele weiteren Einwohner der Stadt, deren Zahl noch größer gewesen wäre, wenn nicht aus Rücksicht auf die Leichenbestattung die öffentliche und persönliche Einladung dazu aus Mangel an Gelegenheit und Zeit hätte unterbleiben müffen. Dennoch bildete sich ein unabsehbar langer und wohlgeordneter Zug von Theilnehmern, wie er hier selten gesehen worden ist. Auch außerhalb der Umzäunung war eine große Menge von Zuschauern, die nicht eintreten konnten, weil sie in der Zeit sich nicht festlich anziehen können, als sie Kenntniß von der Feier erhalten hatten. Die Feierlichkeit, welche einschließlich des halbstündigen Weges vom Trauerhause bis vor das Thor des Begräbnißplatzes, kaum zwei Stunden dauerte, machte einen sehr guten, erhebenden Eindruck. Allgemeinen Beifall fand der Friedhof selbst in seiner herrlichen Lage und wahrhaft romantischen Umgebung. Die freundliche eiserne Umzäunung, die wohlausgestattete und sinnig situirte Kapelle mit Leichen- und Requisitengelassen und die zweckmäßigen Weganlagen geben diesem geweihten Orte, zumal, wenn noch die im Oktober d. I. zu vollendende Bepflanzung des Hauptwegs und des Rundgangcs geschehen und der kahle Ackerboden mit Gras überkleidet sein wird, ein so freundliches Mssehen, daß er den Zierden unserer Stadt sich würdig anreihen darf. Herr Amtsbaumeister Maule übergab dem Rabbinen, Herrn Dr. Engelbert, die Schlüssel zur Pforte, ein Meisterwerk des Schloffers Stotz, welche unter Recitativn paffender Bibelverse erschloffen wurde. Unter Vorgang des Sargs, welcher auf der ersten Estrade vor der Kapelle niedergestellt wurde, während die functionirenden Beamten auf der zweiten standen, recitirte zuerst der Lehrer und Vorsänger, Herr Löwen stein, mit der Gemeinde etliche Psalmen in hebräischer Sprache, worauf der Herr Rabbiner die Einweihungspredigt hielt, die den Ernst des Tages und die Bedeutung der Feier in gelungener Weise zum Vortrage brachte und ihres guten Eindrucks auf die Zuhörer wohl nicht verfehlt haben wird. Die inhaltreichen hebräischen und deutschen Gebete, die der Herr Vorsänger dann sprach und seine Schlußworte, in denen, an die verschiedenen hebräischen und deutschen Namen des Begräbnißplatzes anknüpfend, die symbolische Bedeutung der Grabstätte und deren Ausschmückung in sinniger Weise erläutert wurde, trugen zur Vollendung der erhebenden Feier bei, bei deren Schluß die Westsonne noch ihre letzten Strahlen verklärend über die willig ausharrende Menge des Volkes verbreitete. Nachdem dann die rituelle Beerdigung der Leiche der verstorbenen Ehefrau des Weinhändlers Jakob Rosenthal, die auf ihrem kurzen Krankenbette noch gewünscht hatte, auf dem neuen Friedhofe einst neben den Ihrigen zu ruhen, vorgenommen und die erschütternde Grabrede über den schweren Todesfall gehalten war, verließ vie Fest- und Trauerversammlung den Gottesacker, der nun dem öffentlichen Schutze übergeben und seiner heiligen Bestimmung geweihet ist. Der Ertrag des Opfers beim mittäglichen Bußgottesdienste und bei der Feier selbst wurde im Auftrag des israelitischen Kirchenvorsteheramts von einer besondern Armencommission theils durch diese, und theils durch das gemeinschaftliche Amt an hiesige Armen ohne Unterschied des Glaubens und an israelitische Bedürftige dieses Rabbinatsbezirks sofort und am folgenden Tage vertheilt. Die Fälle des Uebertritts zum Judenthume mehren sich in Oesterreich von Tag zu Tage. Der Actuar beim Bezirksgerichte Dolina, Herr Müller, ein ehemaliger Officier, ist, wie aus Stryj geschrieben wird, zum Judenthume übergetreten; die Ceremonie fand im Beisein der israelitischen Honoratioren der genannten Stadt in Monasterce, einem in der Nähe derselben gelegenen Dorfe, im Hause eines Gutsbesitzers statt. Verlag v»n Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. — Druck von Z. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redakteur H. Lotze.