Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 40 (29.9.1868)
- Date
- 1868-09-29
- Page
- Seite 794 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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In vor. Nr. bemerkten wir, daß ein Fall in Prvßnitz (Mähren), wo ein Cohen eine geschiedene Frau durch Noth-Civilehe geheirathet, weil der Rabbiner das Paar nicht trauen wollte, viel Aufsehen gemacht. Herr Or. Schmied! schreibt deshalb an die Redaktion der N. fr- Pr. eine desfallsige Erklärung, aus der wir Folgendes hervorheben: Der hier geschlossenen Civil-Ehe wurd? von Seite des Gefertigten auch nicht im entferntesten ein Hinderniß oder eine Verzögerung bereitet. In der vom hier bestandenen k. k. Bezirksamte in dieser Angelegenheit mir abverlangten Aeußerung, zu welcher mir eine achttägige Frist gegeben worden, hatte ich umgehend mich dahin ausgesprochen, daß ich zu meinem Bedauern eine im Judenthume bestehende Satzung nicht umgehen könne; eine zusammentretende jüdische Synode dürfte auch vielleicht in diesem Punkte einen Ausgleich zwischen Lehre und Leben zu Stande bringen, dem einzelnen Rabbiner gehe jedoch die Befugniß ab, solchen Maßnahmen vorzugreifen. Doch erklärte ich mich bereit, die geschloffene Ehe nach §.23 des neuen Ehegesetzes sogleich in meine Traumartikel einzutragen, was nun auch sactisch geschehen ist." Also auch in Oesterreich, von wo sich kein einziger Rabbiner auf der Rabbiner-Versammlung hatte blicken lassen, fühlt man das Bedürfniß einer Synodal-Versammlung! Daß doch immer andere die Kastanien aus dem Feuer holen sollen, um sie dann gemüthlich zu verzehren. In Nr. 37. wurde unter den Anträgen an die Rabbiner-Versammlung auch der des Herrn vr. A.^ Caffel in Schwerin a. d. Warthe mitgetheilt, dahin zu wirken, daß die Wochenmärkte vom Sabbath auf einen Werkeltag verlegt werden. Wir erhalten nachträglich aus L abes in Pommern einen gleichen Antrag für die Rabbiner-Versammlung. Unserem Erachten nach würde es Befreundeten gelegentlich in Briefen erweckt wurde, ward auch Herr vr. Philippson in Kenntniß gesetzt, und er hat die Initiative ergriffen ff." Herr vr. Geiger ist hierbei ganz im Jrrthum. Wir wußten nichts von einer desfallsigen Anregung, nichts von Briefen, und wurden von Niemanden davon in Kenntniß gesetzt, die Initiative ging ganz allein von uns aus. Wir wollen Andere nicht dafür verantwortlich machen. — In den Areh. isr. werden die Beschlüsse der R.-B. mitgetheilt, aber der Uebersetzer hat das Deutsche ganz mißverstanden. der Sache eher schaden als nützen, wenn die Rabbi ner hierfür sich an die Staatsregierung, an den nor» deutschen Reichstag oder an das preußische Abgeordn» tenhaus wenden würden, denn man würde sofort ve» hierarchischen und klerikalen Bestrebungen sprechen, u»s je weniger man an den genannten Stellen überhäuf für jüdisch kultuelle Angelegenheiten geneigt ist, dem entschiedener würde man die Rabbinen abweisen. Viel mehr ist dies Sache der Gemeinde selbst. Möge» diese sich zu diesem Zwecke vereinigen und Collectivf schritte thun, und geschieht dies in Menge, mit Energi und Ausdauer, so könnte vielleicht das Ziel erreicht werden. Herr Oberrabbiner Kahn in Trier schreibt uns! unter dein 6. September: „Es ist gewiß von großem! Jntereffe in der „Allg. Z. des Jud." mitzutheilen, wie über die Rabbiner-Versammlung zu Cassel in den verschiedenen Gemeinden und Gegenden geurtheilt wird, weßhalb ich denn auch meine bisher gemachten Erfahrungen hier kurz mittheile, vielleicht daß die anderen Herrn College» das Gleiche thun. In mehreren Gemeinden Westphalens und Rheinlands, in welchen ich auf meines Rückreise von Cassel einige Tage verweilte, äußerte man sich günstig über den Hauptbeschluß dieser Versammlung eine Synode zu berufen, die von denselben auch beschickt werden wird. Auch mehrere briefliche Mittheilungen an mich athmen denselben Geist. Ihr vorzüglicher Bericht in Nr. 35 der Allg. Z. des Jud. wird gewiß den Beifall und die Theilnahme noch mehr steigern. Mit wahrer Sehnsucht wurde auch ein authentischer Bericht von Ihnen allgemein erwartet, da die meisten Berichte in den öffentl. Blättern viel Unwesentliches brachten und manche Entstellungen und Unwahrheiten mittheilten.*) Herr Rabbiner Rosenthal in Stuhm (Westpr.j schreibt uns: „Bor mehreren Monaten brachte die Z. d. I. unter den Anzeigen: „Israelitische Lieder von Julius Sturm, eingeführt von Franz Delitzsch" Verlag von G. Emil Barthel, Halle. Wer konnte nur im Entferntesten un- *) Der in meinem Namen in einer der Kasseler Zeitungen aufgeführte Antrag: Jede Gemeinde soll verpflichtet werden, einen Rabbiner anzunehmen — woran kein Wort wahr ist — soll auch in mehreren anderen Blättern und unter Anderen in dem „Frankfurter Journal" abgedruckt worden sein. Kahn.