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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-09-29 · Heft 40 (29.9.1868) · p. Seite 792

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 40 (29.9.1868)
Date
1868-09-29
Page
Seite 792 (sequence 2)
Language
German
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bim zu rezitiren, und kennt z. B.-Hai Gaon noch im 11. Jahrhundert eine bestimmte Ordnung der Haftoroth aus den Chetubim für den Sabbathnachmittags-Gottesdienst. Es muß nun entschieden darauf gedrungen werden, daß dieser gottesdienstliche Brauch aufrecht erhalten werde. So wenig wie die Thorah dürfen die Propheten aus unserem Gottesdienste verdrängt werden. Sie und die Chetubim sind für unsere Religionslehre die wichtigsten und unentbehrlichsten Quellen; sie vorzugsweise die Verkünder der Mission Israels; aus ihnen weht der heiligende Geist in Fülle und Befruchtung heraus, und dringt um so mehr in Geist und Herz des Volkes, je unmittelbarer das Wort der Propheten an das Volk selbst gerichtet war. Zwei Momente aber sprechen dafür, daß die Haftoroth in der Landessprache vorgetragen werden sollten. Wenn die Thorah in klarer einfacher Sprache abgefaßt ist, wenn es vor allem darauf ankommt, die Thorah in ihrem Urwort in den Geistern des Volkes zu erhalten, wenn mit aller Macht dahin gestrebt werden muß, daß jeder Israelit wenigstens soviel Hebräisch erlerne, um die Thorah zu verstehen, und es darum höchst ungeeignet wäre die Thorah anders als in der Ursprache beim Gottesdienste vorzulesen: so gilt dies von den Prophetenstücken nicht. Sie sind, ausgenommen die historischen Stücke, rednerisch getragen und dichterisch geschmückt, vom höchsten Schwünge und darum in viel schwierigerer Sprache abgefaßt. Man kann daher in unserer Zeit nur bei einer geringen Zahl eine solche Kenntniß voraussetzen, daß die Vorlesung eines Prophetenstückes ihnen mehr als todter Buchstabe bleibt. Gerade die Haftorah ist bei der Masse in Mißkritik gekommen, und da sie noch dazu von dem ersten besten Mitgliede der Gemeinde vorgetragen wird, wird ihr von der Masse gar keine Aufmerksamkeit geschenkt. Wir gestehen offen, daß es uns oft wahrhaft empört hat, die erhabenen Aussprüche des Jesaias, Jeremias re. in einer Weise gelesen und angehört zu sehen, daß es einer Entwürdigung und Verhöhnung gleichkommt. Dies wurde wie mit einem Schlage umgewandelt, als wir mit der Bestimmung unserer ganzen Gemeinde die Haftorah deutsch vorzutragen begannen. Männer wie Frauen wurden aufmerksam, jedes Geräusch hörte auf, niemand entfernte sich, und die volle Wirkung des majestätisch tönenden Prophetenwortes, des mahnenden, strafenden, tröstenden und aufrichtenden, wurde sichtbar. Dies gab auch bereits frühzeitig sich durch das Verangen kund, die Prophetenstücke in der, Landessprache nach der Verlesung der Sidra dem Volke vortragen zu hören, und der Traktat Sophrim 18,4 spricht dies als dem Gesetze (fH) völlig gemäß aus.*) Das zweite Moment besteht darin, daß wir bei unserem Gottesdienst besonders darauf zu sehen haben, daß neben den feststehenden und sich Tag für Tag, Sabath für Sabbath wiederholenden Theilen auch ein Wechsel in anderen Theilen stattfinde, welcher dem jedesmaligen Gottesdienste den Reiz der Verschiedenheit und andere Nahrung der Andacht und der Belehrung gewähre, wobei denn selbstverständlich sanktionirte Stücke vorzuziehen sind. Dies bieten uns die Haftoroth. Hierzu kommt nun, daß für die zwei übrigen Jahre des dreijährigen Cyklus eine neue Auswahl zu treffen wäre. Vergleicht man die bisher üblichen Stücke, so erkennt man, daß bei einem kleinen Theile derselben der Inhalt, wie er zum Feste oder der Sidra paßte, bei anderen irgend ein, an die Sidra anklingender Aussprnch oder Ausdruck, bei den meisten gar kein sichtbarer Umstand die Wahl des Prophetenstückes bestimmte. Nun aber sieht man nicht ab, warum nicht auch Theile der Chetubim, Psalmen, Stücke aus dem grandiosen Hiob, aus Esra und Nehemia u. s. w. zu Haftoroth gewählt werden sollen, um auch diese Theile der heilig. Schrift von so außerordentlichem Werthe für den Gottesdienst nutzbar zu machen und dem Herzen und Verstänvniß des Volkes wieder näher zu bringen? Was könnte man hiergegen einwenden? In dem letzten Jahrhundert des Tempels und in den ersten Jahrhunderten nach dessen Fall ging man immer davon aus, vor Allem alle Theile der heil. Schrift der Kenntniß und dem Verständniß oes Volkes einzupflanzen. Man stellte bei der Vorlesung der Thorah einen Methurgeman, einen Uebersetzer an, der jeden Vers dem Volke verdolmetschte;'man gestattete die Haftoroth in oer Landessprache vorzutragen; man las an vielen Orten am Sabbath Nachmittag Haftoroth aus den Chetubim; man liest noch jetzt in Marokko einige Prophetenstücke in arabischer Sprache — sind uns dies nicht Vorbilder genug, um unter so veränderten Verhältnissen zu ihnen zurückzukehren zur Unterstützung der Religion und zum Heile unserer Glaubensgenossen? Soll man so sehr an den Buchstaben des einmal herrschenden Brauches sich klammern, und darüber *) “i'brt 'rp D’iBio heißt es: oa-irb sin zui >nD bD rnpavn n^ab DJ>b ynab b22 mim in«b

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