Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 39 (22.9.1868)
- Date
- 1868-09-22
- Page
- Seite 772 (sequence 2)
- Language
- German
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Verbesserung des Gottesdienstes gar kein Schiboleth der Parteien zu sein braucht und sein sollte. Eine solche Bewegung ist, abgesehen von dem praktischen Erfolge, der sich jetzt noch nicht bemessen läßt, schon an und für sich von solcher Bedeutung, daß wir ihr unsere besondere Aufinerksamkeit zuwenden müssen. Es ergiebt sich daraus, daß das Streben unserer Zeit durchaus nicht ein blos negirendes, wie man es so häufig auf allen Gebieten, in welchen eine alte Partei ihre Machtvollkommenheit sich bewahren will, behauptet, sondern daß neben der Hinwegräumung alter Mißbräuche und Schäden die positive Befestigung und Stärkung ihr eigentlicher Inhalt ist. Das Exekntivcomits hat denn auch bereits einen „Aufruf und eine Denkschrift an die Israeliten in New-York" veröffentlicht, die uns vorliegt, und aus welcher wie hier einige Stellen hervorheben wollen.*) Der Aufruf beginnt mit echt amerikanischen Worten: „Seit jener „ewig denkwürdigen Unabhängigkeits-Erklärung beim Auszuge aus Egypten und der darauf folgenden Constitutions-Ertheilung auf dem Sinai" haben unsere Vorfahren durch Jahrtausende gekämpft und gelitten, haben Hab und Gut, Blut und Leben eingesetzt für die Wahrung ihres geheiligten Erbtheils — des Judenthums — in dem Vernichtungskriege, welchen Feinde ohne Zahl und aller Art gegen sie führten, um ihnen dasselbe zu entreißen!" Demgegenüber heißt es: „Aber seitdem wir keinen Feind mehr von außen zu fürchten brauchen, ist in unserem eigenen Lager ein neuer Feind entstanden, hat unvermerkt Bollwerk um Bollwerk untergraben und streckt bereits, zu riesigen Dimensionen angeschwollen, seine vernichtende Hand aus nach jener hehren Fahne mit der Inschrift rrivb wiip, um welche in Leiden und in Freuden unsere Väter sich zusammenfanden. Auf denn, Glaubensgenossen, auf! Erwachet aus dieser Sorglosigkeit! Erkennet den bösen Feind: den I n d i f f e r e n t i s m u s, inmitten unseres Lagers! Werdet euch seiner Gefährlichkeit bewußt und treffet Anstalten für seine schleunigste Beseitigung! Doch vor Allem, Brüder! —>: Rettung der bedrohten Fahne! — Rettung dem heiligen Sabbath!" — Zur Unterstützung führt er unter Anderen an: „Daß wir uns Juden nennen, macht uns noch nicht zu Sol¬ *) Sie ist zu erhalten von allen Präsidenten der Synagogen-Gemeinden in New-Aork und vom Vorsitzenden des Exekutivcomitös, Hrn. M. Ellinger, 83 Murray- Street, welcher auch der Verfasser ist. chen; daß wir unseren Kindern sagen, sie seien Js-I g r aeliten, lehrt sie noch nicht ihre Pflichten als Solche > lD kennen; Synagogen, großartige Tempel baue«, ist noch > lange nicht genügend für die Erhaltung, ist noch kein > w Beitrag für den unvergänglichen Fortbestand des Juden- > )r thums. Nein, nein! mehr, weit mehr ist erforderlich! I j Und geschieht dieses nicht, so werden die traurigen Fol- » gen gewichtiger sein als wir verantworten 'mögen oder » 0 können. Welche Antwort können wir dem Kinde geben, » § das, in der Schule belehrt, daß eines der ersten der I t Zehn-Gebote die Heiligung des Sabbaths als eines I Tages der Leibesruhe und der Seelenerhebung befiehlt, > , an uns die Frage richtet, warum wir denn dies Gebot I , so gänzlich unbeachtet lassen, warum wir denn nicht die- I sen Tag mit unserer Familie verleben, inmitten unserer I Kinder, denen doch die hehren, erhabenen Lehren unserer I Religion in erster Linie durch unser, der Väter, Bei- » spiel eingeimpft werden sollen?" — Ferner heißt es: I „Judenthum und Sabbath sind so innig mit einander > verflochten, daß Eines nicht verletzt werden kann ohne » des anderen Lebensblut mitzutreffen, Eines nicht existi- I ren kann ohne das Andere, Eines sinn- und zwecklos > ist ohne das Andere. Kein Sabbath heißt: kein > Besuch des Gotteshauses behufs andächtiger Gottesver- » ehrung und behufs Belehrung, Aufklärung und Erleuch- > tung in Religions-Angelegenheiten; kein Tag, an welchem I die Sorge und Plage für's Geschäft gänzlich unter- > bleibt und dafür das Geistes- und Gemüthsleben einen I höheren Aufschwung zu nehmen vermag; kein Tag, an > welchem wir uns mit Bewußtsein und Innigkeit unserer I Familie, unseren Freunden hingeben und der Familien- I vater die Erziehung seiner Kinder sorgsam überwacht. I Kurz, kein Sabbath heißt: kein Tag, welcher eure I Seele befreit von dem Staube, der die Woche über an » ihr haften blieb bei dem angestrengten Ringen mit der > als Gegner ihr gegenübertretenden Welt, kein Tag, der » ihr Licht, Frieden und Segen bringt." — Der I Ausruf beruft sich auf die Propheten Jesaias, Jeremias, I Ezechiel, auf Nehemias und A., und sagt: „Nie zuvor I hat unserer Religion so große Gefahr gedroht, wie jetzt, I da das Band, welches unsere Väter unter allen von > außen her auf sie einstürmenden Unwettern zusammen- I hielt, gelockert ist und gänzlich uns entfallen zu müssen » scheint; da der Tag, der uns in Freud' und in Leid » im Gotteshause zusammensühren sollte zu gemeinschaft- I licher Anbetung des Einigeinzigen und zur Unterweisung in I den Lehren unserer Religion, — da der Sabbath, R