Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 37 (8.9.1868)
- Date
- 1868-09-08
- Page
- Seite 747 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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fc-Bücher wollene nd ver- Allgemeine dlung* chsstr. üher W. enen und m nweisung IVTHlr. tb gegen die Mitu haben: t t„ungr. 8. gr. }/8 33g.) c Uni- 3-) gehwer lirlichen Zerhältl. S. »ewahr-!. 8". r pär ge- und v ge- Le'h- Sibel t L e an- »rausel. iZeitung -es Zudcnthums. Feuilleton-Seilage Nr. 37. Leipzig, den 8. September. 1868. Die Bernsteinküste. (Fortsetzung.) 6. In ihrem einfach und geschmackvoll ausgerüsteten I Gemache saß Ines auf einem Lehnstuhle, noch von Polstern lund Kissen unterstützt. Ihr Aussehen war nicht mehr I krankhaft, aber bleich, und eingefallen waren ihre Wangen lund ihre zierliche Gestalt. Sie hatte sich so gesetzt, daß lihr Blick durch die Fenster nach der freilich wenig be- Ischrittenen Straße — es war die Hauptstraße des Städt- Ichens — fiel. Ihr gegenüber saß ihre Zofe, ihre treue I Pflegerin während ihrer langen Krankheit. Der Ausl druck in den Zügen Ines' war nicht ganz jener freundliche, dankerfüllte, welcher bei Genesenden im Wohlgefühl der nahenden Gesundheit und Kraft sich bemerklich zu machen pflegt. Sie sah sorglich, ja bekümmert aus, und j stützte eben ihr schmales Gesicht in die weiße Hand. Um ' so besorgter blickte die Zofe auf sie. Jetzt erhob Ines das Haupt, schaute das Mädchen | ihr gegenüber etwas scharf an, und sagte: „Silva, sage mir, hat denn der junge Raphael Hirsch sich gar nicht! nach meinem Befinden erkundigt?" Bei diesen Worten lief eine sanfte Röthe über das Antlitz des jungen Mädchens, während die Zofe offenbar erschreckt schien. Sie antwortete zögernd: „Das wird wohl der Fall gewesen sein." „Hast Du ihn nie gesehen, nie gesprochen?" „Nein, Ines. Sie wissen, daß ich stets an Ihrem Bette weilte und mich nur kurze Zeit von Ihnen entfernte." Ines schwieg eine Zeitlang; dann blickte sie Silva noch schärfer an und fuhr fort: „Du verbirgst mir Etwas. Ich kenne Dich zu genau, Silva, um Dir dies nicht vom Gesichte ablesen zu können. Silva, gieb mir die Hand, und wenn ich Dich dann bitte, Dich, die Pflegerin meiner, der Mutter entbehrenden Kindheit, die sorgsame Hüterin und Wärterin in Freud' und Leid, Dich, die treue Freundin, mir Alles zu sagen, was Du weißt, und Dir dabei in die lieben Augen schaue, dann kannst Dn mir nichts verhehlen " Silva, die des Mädchens Hand liebevoll ergriffen, kam in große Verwirrung. „Aber, Ines," rief sie aus, „regen Sie sich doch nicht auf; Sie wissen, wie sehr der Arzt davor gewarnt hat. Denken Sie doch an nichts weiter, als wie Sie sich stärken und Ihre schwankende Gesundheit wieder Herstellen!" „Ich soll mich nicht aufregen, und Deine Warnung kann mich nur um so mehr erregen. Und meinst Du, wenn mich ein Gedanke drückt, und ich ihn in meinem Geiste umherwälze, ohne zu sprechen und zu fragen, das regte mich weniger auf? Nein, ich fordere es von Dir, daß Du mir die Wahrheit sagst, und werde nicht eher beruhigt sein, als bis Du sie mir gesagt hast. Denke Dich doch, Silva, in meine Lage hinein: wenn Du in einer furchtbaren Gefabr gewesen, und ein Mensch hätte Dich mit der größten Selbstaufopferung gerettet, könntest Du gleichgültig sein, Monate lang von dem Manne nichts zu erfahren, der Dir als schützender Engel erschienen?" Silva sah ein, daß sie nicht länger answeichen könne; sie bedachte — denn sie kannte \a aus den Fieberphantasien des Mädchens deren Geheimniß so gut wie der Vater — daß Ines durch den Gedanken, daß Raphael Hirsch sich gar nicht um sie gekümmert habe, noch viel mehr leiden würde, und daß es am Ende das Beste sei, Ines würde so bald wie möglich von der Willensmeinung ihres Vaters unterrichtet, und sagte deshalb: „Nun, Ines, der junge Mann erkundigte sich anfangs täglich, aber Senor Mendes sah dies nicht gern, und ließ ihn abweisen." Diese Worte machten auf Ines eine erschütternde Wirkung; sie wurde noch bleicher als vorher, und ihre Arme sanken wie gelähmt zur Seite nieder; ihr Kopf fiel in die Kiffen zurück. Silva sah bekümmert diese Wirkung ihrer Mittheilung und richtete einige beruhigende und liebkosende Worte an Ines, die diese aber nicht zu hören schien. Warum hatte dies der Vater gethan? Hatte er die Gefühle ihres Herzens errathen und trat unbarmherzig zwischen sie und den Mann, dem sie die Rettung ihres Lebens schuldete? Und dennoch, mußte nicht etwas noch vorgefallen sein, das den Vater zu solchem Verfahren bewog? Denn daß dieser gar keine Dankbarkeit für den Retter seines einzigen Kindes empfunden haben solle, war doch nicht möglich. Ein bit--