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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-09-01 · Heft 36 (1.9.1868) · p. Seite 730

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 36 (1.9.1868)
Date
1868-09-01
Page
Seite 730 (sequence 20)
Language
German
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730 gehst sonst unter, ich liebe Dich so sehr, ich will sterben für Dich!. . Mendes, als er diese Worte aus dem bleichen Munde seiner Tochter hörte, fühlte sich wie erstarrt. Er sprang auf, schlug die Hände über die Stirn und eilte aus dem Gemach. In seinem Zimmer rannte er auf und ab. „Sie liebt ihn, sie liebt ihn, die Unglückliche!" murmelte er vor sich hin und biß sich in die Lippen. Sein Stolz war tief getroffen und er schäumte wie ein angeschoffener Eber; seine Eifersucht auf die Liebe feiner Tochter glich einer gefangenen Löwin, die gegen die eisernen Stangen ihres Käfigs schlägt; seine Verachtung gegen jene niedrigen Leute bäumte sich auf wie ein Roß, das von einem unwürdigen Knechte gegeißelt wird, aber was sollte er thun? er mußte abwarten, vor Allem galt es, daß sein Kind wieder genese, daß es von den Pforten des Todes wieder zurückkehre, denen es schon ganz nahe war. Vielleicht daß mit der Gluth des Fiebers auch diese Gefühle verschwänden, und die Seele seines Kindes wieder Ruhe fände, die ihr früher so eigen gewesen. Er verwünschte jetzt doppelt den Tag, an dem er in dieses Städtchen eingezogen, und nahm sich vor, ihm sobald wie möglich den Rücken zu kehren. Wenigstens sollte seine Tochter es verlassen, sobald sie es vermöchte. Lieber wollte er sich von ihr trennen. Das Fieber wich endlich, aber eine unsägliche Schwäche bemächtigte sich der Kranken und forderte um so mehr die äußerste Ruhe und Pflege, denn gerade hier konnte, nach der Aussage des Arztes, der Grund zu einer tödtlichen Auszehrung gelegt werden. Raphael kam jeden Tag, sich nach dem Befinden der Kranken zu erkundigen. Mendes befahl, ihn abzuweisen und die Thür vor ihm zu schließen. Er sollte wissen, woran er mit ihm wäre. Es geschah, und Raphael wankte gebrochenen Herzens nach Hause. «Fortsetzung folgt.» Die spanische Inquisition. (Schluß.) Mit päpstlichen Jndulgenzen war Spanien weit über alle Länder gesegnet. Wie viel der Spanier auch sündigte, er hatte das beruhigende Bewußtsein, daß «er seinen allgemeinen Ablaß baar bezahlt in der Tasche mit sich herumtrug; da er stets mit dem Bekenntnisse des katholischen Glaubens auf den Lippen starb, so hatte er bei der unermeßlichen Menge der päpstlichen Gnade weder Hölle noch Fegefeuer zu fürchten; das letztere umsoweniger, als es die erste Sorge der überlebenden Verwandten war, den Namen des Todten in ihre Cruzada- Zettel eintragen zu lassen, und der Name des Papstes ihnen für die augenblickliche Entlassung desselben aus diesem Reinigungsorte bürgte. Da man des Guten nicht zu viel thun kann, kam man auf den Einfall, den Leichnam in einem Mönchshabit, in welchem päpstliche Jndulgenzen eingenäht waren, begraben zu lassen, so war er — undique Intus. Im Ganzen wurde die Inquisition seit dem Beginne des 17. Jahrhunderts weniger mörderisch, und die Zahl ihrer Opfer verminderte sich; zum Theile freilich deßhalb, weil die Bevölkerung in rascher Abnahme begriffen, die Juden und Moriscos ausgetrieben und die Bekenner protestantischer Meinungen selten geworden waren. Anhänger einer falschen und unsittlichen Mystik (Alumbrados>, religiöse Betrüger u. dgl. sielen von nun an am häufigsten in die Hände der Inquisition. Uebrigens sind Llorente's Berechnungen über die Zahl der Opfer in späterer Zeit theilweise zu niedrig gegriffen. Für die Zeit des zweiundzwanzigsten Groß-Jnquisitors, des Bischofs Diego de Arce Reynoso (1643—1665), nimmt er im Ganzen 9568 Berurtheilte an. Allein, die gleichzeitige, sehr genaue Biographie dieses Mannes, verfaßt von dem Secretär der Inquisition in Toledo, der. seine Angaben offenbar aus erster Quelle geschöpft hat, berichtet, daß in diesen zweiundzwanzig Jahren 16 Autos und 300 Autillos (Autos mit geringerer Feierlichkeit) gehalten und in diesen über 13,000 zu verschiedenen Strafen verurtheilt, nebstdem aber mehr als 12,000 jüdische Familien verbrannt worden seien. Bei dem großen Auto zu Madrid im Jahre 1680 handelte es sich um 119 Berurtheilte, von denen 19 persönlich, 34 im Bilde verbrannt worden sind. Ändeß hatte die Inquisition doch schon einen großen Vorzug in den Augen der Regierung eingebüßt; sie war nicht mehr so einträglich, denn einen wohlhabenden Mittelstand gab es nicht mehr, die reichen neuchristlichen Familien waren verschwunden oder verarmt, und so trugen die Confiscationen nach Abzug der Gehalte für das zahlreiche Personal und der anderen Kosten nicht mehr viel ein. Unter der Regierung des ersten Bourbons (1700—1746) fanden nicht weniger als 782 Autos und AutilloS statt, in denen 14,000 Personen mit schweren oder gelinden Strafen belegt wurden. Unter diesen mußten aber z. B. noch Witwen von 95 und Mädchen von 15 Jahren den Scheiterhaufen besteigen. Erst unter Ferdinand VI. und Karl HI. brach die Morgenröthe einer besseren Zeit an.*) Der Vers, unsers Artikels erzählt die Austreibung der Juden und Mauren aus Spanien, welche die Inquisition bewerkstelligte, und der letzter« Thätigkeit, die nun erst recht begann. Wir gehen darüber als bekannt hinweg. *i Bekanntlich wurde erst 1828 das letzte Autodafe an einem rationalistisch gesinnten Schulmeister abgehalten, wie der englische Gesandte in Madrid, Lord Georg Bentink berichtete. Red alt. d. A. Z. d. Jud. Verlag von Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redakteur Dr. H. Lvtze.

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