Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 36 (1.9.1868)
- Date
- 1868-09-01
- Page
- Seite 727 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3226635-3226672--26412-3261952- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
prompt einen gern hohes >e ist, iht M ersich unter nden. lhe». te Lehrer us erster ine Frau egensicht, nd hilfirch Vorstellung, rlte ver- - zu fri- und na- Beiträge ng herhiesigen wollen. ehrer. >d gera- 'sbbiner? Capieitsstnn, mnächst ver. Angriffe m bald nbeantt, wel- Sällon. vir für >erwenhieron. Allgemeine Zeitung des Zudenthums. Feuületon-öeilnge jn Nr. 36. Leipzig, den 1. September. 1868. Die Bernstemküste. tFortsetzung.) 5. Während ver langen Abwesenheit Ines' war ihr Vater allmälig unruhig und immer unruhiger geworden. Die Dauer ihrer Spaziergänge dehnte sich sonst kaum über eine Stunde aus, und jetzt vergingen Stunden, und sie erschien nicht wieder. Mendes schickte die Zofe aus, um zu erfahren, wo Ines Besuch gemacht. Sie hatte es bald herausgebracht, aber nicht erfahren können, wohin sich Ines gewandt. Nun wurden Boten nach allen Seiten ausgcsandt, aber einer nach dem anderen kam ohne Nachricht wieder. Niemand hatte sie gesehen. Voll Angst und Verzweiflung eilte MendeS selbst fort; in der Ahnung, daß sich seine Tochter von dem Verlangen nach der See habe verlocken lasten, schlug er den Weg dahin ein, aber unglücklicher Weise die Landstraße, während Ines auf Neben- und Fußpfaden dahin geeilt war. Als er zu den Dünen kam, hatte die Fluch ihre Höhe erreicht, und er sah nichts weiter vor sich, als die Wogen des aufgeregten Meeres. Hier konnte kein lebendes Wesen sein und er kehrte um. Welche schreckliche Stunde, bis er sein HauS wieder erreicht hatte! War sie am Strande gewesen? Hatte sie den Tod in den Fluchen gefunden? Aber nein! Er hatte es ihr untersagt, ihren Weg dahin zu nehmen, und Ines war immer eine gehorsame Tochter gewesen! Vielleicht hat ein kleiner Unfall sie irgendwo festgehalten, und zu Hause erwartet ihn die Nachricht. So wogten Furcht und Beruhigung in seinem geängstigten Herzen, spannten alle seine Kräfte an, daß er wieder nach Hause eilte. Da fand er sie denn auch — aber wie! Die zurückgebliebenen Frauen erhoben ein fürchterliches Jammergeschrei, als sie Ines auf dem Karren ausgestreckt, bleich wie der Tod, in ungeordneten, zerriffenen Kleidern, triefend von Master, fast bewußtlos sahen. Sie hoben sie herab, brachten sie zu Bett und sandten nach dem Arzte. Der Karren rollte fort, Raphael sah sich nutzlos hier, und im Gefühle, daß er selbst der Pflege bedürfe, ging er nach seines Vaters Hause, die Menge, die sich neugierig um den Wagen gesammelt, verlief sich. Als Mendes wieder heimkehrte, fand er noch den Arzt um seine Tochter beschäftigt; man rieb ihren Körper mit erwärmten Tüchern, der Arzt flößte ihr von Zeit zu Zeit einige Tropfen einer Arzenei ein, und als MendeS jammernd herbeistürzte, beruhigte er ihn, die augenblickliche Gefahr-sei vorüber, nur könne er für das, was darauf folgen werde, nicht einstehen. „Was ist denn vorgefallen? Wo war meine Tochter? Was ist ihr geschehen?" Niemand konnte ihm Antwort geben, man berichtete ihm nur, wie Ines angekommen. Daß sie in der höchsten Gefahr, zu ertrinken,^gewesen und nur mit großer Mühe gerettet worden, ergab sich aus den Umständen, und für den Arzt war es genug, um sein Verfahren zu bestimmen. Nicht aber für das Herz des unglücklichen Vaters. Mit einem gewissen Ingrimm vernahm er, daß Raphael Hirsch den Wagen geleitet hatte. War es wieder der junge Mensch, der abermals sich in das Schicksal seiner Familie eingedrängt hatte? Hatte er vielleicht die Todesgefahr seiner Tochter verursacht? Stand er etwa gar mit Ines in einem Verhältniß? Diese Gedanken fuhren dem stolzen Tenor Isaak schnell durch den Sinn, und erregten ihn zu bitterm Zorn. Doch von ihm allein konnte er erfahren, was vorgefallen, und er sandte nach ihm. Aber der junge Mann vermochte jetzt dem Rufe nicht zu folgen. Mit hochschlagendem Herzen war er zu seiner Eltern Hause znrückgekehrt, das Bewußtsein, Ines gerettet zu haben, das Gefühl der Liebe, das in Helle Flammen in seiner Seele ausgebrochen, die Ueberzeugung, daß sie von dem geliebten Wesen erwidert werde, das Dankgefühl gegen Gott, daß er sie beide in fast wunderbarer Weise dem Tode entrissen, alle diese Empfindungen erhoben seine Seele zu einer ungeahnten Höhe und ließen ihn sein eignes körperliches Leid nicht fühlen. Sein Gang war leicht, sein Schritt sicher, sein Haupt erhoben, seine Augen leuchtend. Kaum aber war er zu Hause angelangt, und hatte seinem Vater einen kurzen Bericht über den Vorfall gegeben, als die Natur ihr Recht verlangte, eine außerordentliche Abspannung folgte und Raphael zusammenbrach. Er verfiel in einen Schlaf, der bis zum Mittag des folgenden Tages währte. Als er erwachte,