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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-08-18 · Heft 34 (18.8.1868) · p. Seite 679

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 34 (18.8.1868)
Date
1868-08-18
Page
Seite 679 (sequence 9)
Language
German
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679 bigkeit des daselbst verewigten Brodyer Bürgers Herrn Zucker gegründete Spital zu äußern, wo weder die ärztliche, liebevolle Behandlung der Kranken, noch die Reinlichkeit und zweckmäßige Einrichtung und Verwaltung des Hauses irgend etwas zu wünschen übrig lassen. Bei dem opferwilligen regen Gemeinsinn der Czernowitzer Glaubensgenossen ist die Erwartung nicht allzugewagt, daß dem Bedürfnisse eines geregelten Gottesdienstes in einem würdigen Tempel, zu dessen Herstellung bereits nicht geringe Fonds gesammelt sind, in nächster Zukunft werde Rechnung getragen werden. Mögen die verehrlichen Herren Gemeindevorsteher, ihr würdiger Rabbiner, der Direktor und die Lehrer der Schule und andere Gemeindemitglieder diese meine aufrichtigen Worte als herzlichen Dank für die höflichen Aufmerksamkeiten hinnehmen, die sie mir während meines nur allzukurzen Aufenthaltes in ihrer freundlichen Mitte angedeihen ließen. Mit einem Gefühle freudiger Erregung wende ich mich nun nach Brodh, meiner Vaterstadt. Jene Gemeinde zählt viele bedeutende Wohlthätigkeits- und Unterrichtsanstalten, worunter das vor 40 Jahren gegründete Jüdel NathansohN'sche Spital und die israel. Hauptschule, sowie das Real-Gymnasium besondere Erwähnung verdienen. Die oberste Leitung des Hospitals versieht seit einer langen Reihe von Jahren Herr Meyer Kallir, ein Mann in vorgerücktem Alter, der aber noch recht rüstig und für das Gemeinwesen überaus thätig ist. Die israel. Hauptschule besitzt ihr eigenes recht nettes und geräumiges Gebäude, besteht aus zwei Hauptabtheilungen, deren eine für die Knaben, die andere für die Mädchen eingerichtet ist. Jede Abtheilung enthält vier Klassen, jede Klasse hat ihre besondern Lehrer und Lehrerinnen; das Ganze steht unter der Leitung des wackern Direktors Herrn Di-. Hirzel aus Nikolsburg. Die obere Aufsicht ist einem Comits anvertraut, worunter die Herren Nathan Kallir, Sohn des früher genannten Herrn Meyer Kallir, und der beliebte Novellen-Schriftsteller über galizischjüdische Zustände Herr L. Härzberg-Fränkel besonders zu nennen sind. In Brody ist es schon seit einem halben Jahrhunderte licht. Viele Bildung verbreiteten daselbst die Realschule, die vielen an derselben unterrichteten jungen Leute, welche ihr Wissen unter den vielen Lernbegierigen in Privatlectionen verbreiteten; Brodh zählt unter seinen Söhnen einen Hirsch Chajes, einen Erter, einen O. Schorr, und die berühmten Rapoport, Krochmal und Samson Bloch verdienten in Brodh ihre ersten Sporen. Um so unbegreiflicher ist es bei der großen Anzahl hochgebildeter und edler Gemeindeglieder, daß die öffentlichen gottesdienstlichen Institutionen daselbst noch gar so brach darniederliegen. Noch hat Brody keinen zeitgemäßen Tempel; von Ordnung, Anstand und zweckmäßigen Einrichtungen beim Gottesdienst keine Spur. Unmöglich daß das Bedürsniß hiezu nicht gefühlt werde! Also woran die Schuld? Eine leise Andeutung für die Beantwortung dieser Frage liegt vielleicht in dem Beispiele des nahen Lemberg. Daselbst ist auf Anregung des verewigten Polizei-Assessors Zipper im Anfänge der Vierziger Jahre, und durch die unermüdlichen Anstrengungen desselben ein schöner Tempel errichtet worden, dessen innere Einrichtungen unverkennbar denen des mustergiltigen Wiener Stadttempels nachstreben. Nun nach so vielen Jahren ist dieser Tempel an gewöhnlichen Sabbathen fast leer, und nur in der Predigtstunde etwas mehr besucht. Und doch hat Lemberg ungemein viel gebildete, in der Schule und im Leben erzogene feine Weltmänner! Es darf jedoch nicht unerwähnt bleiben, daß bei der Predigt, der ich am Sabbath Chukkath beiwohnte, ich Gelegenheit hatte zu bemerken, daß eine ziemliche Anzahl jüdisch-polnisch gekleideter Juden, die ihrem Aeußern nach zur niedrigern Volksklasse gehörten, dem Vortrage des braven Predigers Herrn Di-. Löwenstein über das Priesterthum in Israel mit Wohlgefallen und Beifall lauschten; ein Zeichen, daß der Tempel und seine Einrichtungen doch auch in Galizien eine Zukunft haben. — Hier ist der Ort zu bemerken, daß die für galizische Juden besonders beliebte Eintheilung in verschiedene schroff einander gegenüber stehende religiöse Parteien nicht so zu denken ist, daß daselbst nichts als Dunkelmänner und Aufgeklärte; Fortschrittsmänner und Conservative; Rabbiniten und Chassidäer existirten, und diese sich feindlich gegenüber stehen. Nichts ist unrichtiger, als eine solche Vorstellung. In Galizien giebt es sehr viele, die es mit dem Einen halten, und mit dem Andern nicht verderben; welche es fühlen, daß der Fortschritt eben so wie der Conservatismus im geistigen Leben berechtigt ist; welche die Aufklärung bloß deßhalb mit schelen Augen ansehen, weil ihre Fahnenträger durch religiöse Indifferenz, oder selbst durch Irreligiosität der guten Sache in ihren Augen 34

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