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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-08-11 · Heft 33 (11.8.1868) · p. Seite 670

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 33 (11.8.1868)
Date
1868-08-11
Page
Seite 670 (sequence 20)
Language
German
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> -» - _j.gr.n-f5-. i-*'■**?> *& 670 seinen Unwille». Ines hatte keine Ahnung von diesen Verhältnissen, die ihr Vater ihr sorgfältig verbarg; aber die Wolken auf seiner Stirn, den Trübsinn seiner Blicke, den Kummer in seinen Zügen konnte er trotz aller seiner Anstrengung ihr nicht verbergen. »Fortsetzung folgt.) Die spanische Inquisition. «Fortsetzung.» Daraufhin zog der Marques von Prieto, Neffe Gonzalo's, „des großen Capitano", an der Spitze einer bewaffneten Schaar in Cordova ein, das Volk schloß sich ihm an, die Kerker der Inquisition wurden erbrochen, die Gefangenen befreit und Lucero mußte flüchten und Deza resigniren. Nun drängte sich Timenez, nicht zufrieden, Staatsminister, Cardinal, Erzbischof und Primas zu sein, auch noch zu der Groß-Jnquisitor-Stelle. Es schien allzu bedenklich ein Attentat gegen das heilige Officium ohne die härteste Ahndung zu lasten, oder einen Jrrthmn desselben zuzugestehen. Ferdinand ließ deninach eine Anzahl von angesehenen Männern hinrichten und ihre Häuser niederreißen. Der Marques von Prieto, dem nur die Verwandtschaft mit Gonzalo das Leben rettete, wurde verbannt und mußte alle seine Schlöffer an den König abtreten. Der im ganzen Lande hochverehrte Erzbischof Talavera, den man, weil er von mütterlicher Seite jüdischer Abkunft und den Neubekehrten allzu gewogen sei, in die Procedur verwickelt hatte, starb, als eben ein zu seinen Gunsten lautendes Breve aus Rom gekommen war. Timenez aber bildete eine Junta aus angesehenen Männern unter dem Namen der „katholischen Congregation", welche die Zeugen ohne Tortur verhörte, wobei sich nun ergab, daß Alles erdichtet war, daß die angeblichen Synagogen gar nicht existirt hatten. So wurde denn verfügt, daß die gefällten Urtheile ausgestrichen werden sollten, zugleich aber auch erklärt: die Proceste seien richtig formirt gewesen; Lucero sei ein guter Richter und die Hingerichteten seien ganz ordnungsinäßig verbrannt worden, da in allen Punkten die Methode und Procedur des Inquisitions-Tribunals eingehalten worden wäre. Und so zog sich denn Lucero als ein um Spanien und die Kirche wohlverdienter Mann auf sein Canonicat in Sevilla zurück. Die Ehre der Inquisition war gerettet. Der Mann, welcher, Mönch, Feldherr und Staatsmann, nach Ferdinand's Tode 20 Monate lang Spanien mit unbeschränkter Machtfülle und großartiger Energie beherrschte, hatte bewiesen, wie gründlich er die Mysterien des geistlichen und weltlichen Absolutismus verstehe. Anderthalb Jahrhunderte lang, 1550—1770, stand die spanische Inquisition in ihrer vollen Blüthe und entwickelte nach allen Seiten hin und auf den verschiedensten Gebieten des menschlichen Lebens ihre Macht und ihren überwältigenden Einfluß, fortwährend getragen von der Gunst der Päpste. Auch als es keine Juden-Christen und reformatorisch Gesinnten mehr zu verbrennen galt, warf sie doch noch reichliche Einnahmen für die königliche Kaste ab. Nach dem Berichte des venetianischen Gesandten Girolamo Giustinian im Jahre 1641 hatten die Consiscationen unter den zwei letzten Groß-Jnquisitoren dem Könige noch 400,000 Ducaten eingetragen. Seit der Mitte des 16. Jahrhunderts hatte die Inquisition eine neue auserlesene Schaar von Bertheidigeru an den Jesuiten erhalten. Sie übertrafen darin noch die Dominicaner, obgleich sie nicht so thätigen Antheil an ihrem Geschäfte nahinen. Unermüdet waren sie im Preise des Instituts, seiner Bortrefflichkeit und Unentbehrlichkeit. Suarez, der gefeiertste spanische Theologe des Ordens empfahl, Solche, welche dogmatisirten, d. h. ihe Meinungen Anderen mittheilten, auch wenn sie widerrufen und Alles geleistet hätten, doch dem weltlichen Arme zur Verbrennung zu überliefern; denn dies erfordere „die Gunst des Glaubens". Die Behauptung Llorente's und Anderer, daß das spanische Volk das Joch des heiligen Officiums stets mit äußerstem Widerwillen ertragen habe, ist nicht richtig. Achthundert Jahre des Glaubenskampfes hatten einen fanatischen Zug in den Charakter der Nation gebracht und die Spanier mit grimmigem Haß gegen Juden und Moslims erfüllt; der Haß gegen fremden Glauben wurde ihnen identisch mit dem gegen fremde Nationalitäten. (Schluß folgt.) Kuriosum. Die „Neue fr. Pr." theilt mit der Aufschrift: „Coulante Juden" Folgendes mit: „Der „Volksfreund" erhält folgendes Telegratnm aus Przemysl, 20. Juli: Der apostolische Nuntius ist am 19. d. in Przemysl eingetroffen. Unter großem Volksandrange fand ein enthusiastischer Empfang mit Processionen, Fackelzug, Illumination, auch jüdischer Häuser, Böllerschüssen, Triumphpforten, Transparenten, Vivatrufen statt." Die „N. fr. Pr." scheint durch ihre Ueberschrift die Juden zu Przemysl der Schmeichelei und Servilität zeihen zu wollen, vergißt aber, daß die Juden in solchen Fällen vielmehr aus Furcht handeln, der „süße Pöbel" möchte ihnen sonst die Fenster einwerfen u. vgl. m., womit bekanntlich in Galizien nicht lange gezögert wird. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. D. Hirschfeld. Verantwortlicher Redakteur I>r. H. Lotze.

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