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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-08-11 · Heft 33 (11.8.1868) · p. Seite 667

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 33 (11.8.1868)
Date
1868-08-11
Page
Seite 667 (sequence 17)
Language
German
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«d (H. Frauen. ti ©eiten. D r. n Velini Prachtsgr. »alt, für l bürgen, or allen und sehr md Festbete und entlichen 'wenden, ssung u. zlich zu rken. ir Westgangen: M. $ 1^.; urghaus 15 Rosenrfteinjr. lO^?; L. Flecht- Rosen- 0 i/Jjfn * Wwe. ein jr. 1 Heinehoff7z ' 3; M. n. Die 2«; erkaufte lng Nr. ur die inten. lnd. nutz es entstellt Allgemeine Zeitung -cs Zu-cnthums. Femlleton-Sellage M Nr. 33. Leipzig, den 11. August 1888. Die Bemstemküste. «Fortsetzung.) 2. Bald war der Krieg auf der ganzen Schlachtlinie erklärt. Mehr als man es glaubt, sind auch die einzelnen Menschen die Kinder großer Geschicke. Was sie geworden, ist der Ausgang und Erfolg von Thatsachen, welche ganze Völker, ganze Welttheile betroffen. Im Schatten entlegener Dörfer, kleiner Landstädte mögen viele Geschlechter auf einander folgen, die nur hier und da vom Wellenschläge des großen Weltlebens berührt wurden, die geboren werden, leben und sterben, wie es ihre Väter gethan und deren Väter feit Jahrhunderten, seit dem letzten großen Weltereigniß, das über diese Gegend hinweggegangen, und das ist oft sehr lange her. Dann aber giebt es Myriaden von Individuen, deren Wesen und Charakter nicht erklärbar sind, ohne tief in die bewegteste Geschichte der Nationen zurückzugreifen, die, umgekehrt wie die Blüthenknospe die Anfänge der prächtigsten Blüthenentfaltung und Fruchtschöpfung umschließt, in ihre enge Begrenzung die Ausläufe und Endergebnisse weltdurchstürmender Begebenheiten zusammengeschachtelt enthalten. Es war dies namentlich für alle Glieder des jüdischen Stammes der Fall, und je weniger thätigen Antheil sie an dem Geschicke der Völker und Staaten hatten, desto mehr waren sie das Metall, auf welches die Hammerschläge der Weltgeschichte sielen und sie schmiedeten und formten. Hier in der kleinen Küstenstadt am Strande der Ostsee begegneten sich die Endspitzen zweier entgegengesetzten Strömungen aus einer und derselben Quelle. Von Westen her kamen sogenannte portugiesische Juden, von Osten her polnische und deutsche. Daß jene dahin kamen, rührte von dem Falle Granadas in der iberischen Halbinsel her, und daß auf dessen Trümmern der Wahnwitz und die Habgier spanischer Könige das schreckenvolle Tribunal der Inquisition aufgerichtet hatten; und daß sie bis dahin kommen konnten, aus den üppigen Gärten des maurischen Landes bis an die Sanddünen, welche die grünen Wogen des baltischen Meerebespülen, war doch nur dadurch möglich, daß in den furchtbaren Kampf deutscher Stämme aus der großen Kirchenspaltung heraus das nordische Volk der Schweden entscheidend eingetreten und nicht wieder von der deutschen Erde gewichen war. Im Gegentheil hatte die Unduldsamkeit, der Glaubensfanatismus des mittelalterlichen Deutschlands die ruhig ansässigen Juden durch Verfolgung und Verbannung an die Ufer der Weichsel in die weiten Gebiete der Polen gejagt; aber nach kurzer Ruhe drängte auch hier ausschließende Unterdrückung sie in das größte Elend, in eine namenlose Armuth hinein, und zwang den Strom, langsam wieder umzukehren und nach Westen zurückzufließen. Hierdurch war aber der Charakter beider Zweige desselben Stammes ganz verschieden gestaltet worden. Unter den edel gebildeten Mauren und den stolzen, ritterlichen Spaniern, in der wisienschaftlichen Bildung der Ersteren und in der Minne der Letzteren hatten auch die Söhne Abrahams diese Züge und Neigungen angenommen, und sie weder unter den kalten besonnenen Holländern , noch im Nordwesten Deutschlands aufgegeben. Was sie an äußeren Anhaltspunkten verloren hatten, ersetzten sie durch das Bewußtsein, das offene Bekenntniß ihres Glaubens mit den größten persönlichen Opfern der Welt abgerungen zu haben, und so standen sie mit kühn erhobener Stirn, sich auf sich selbst stützend, und ihre Ansprüche an Stellung und Rang niemals aufgebend, den äußeren Erscheinungen gegenüber, wobei sie es möglichst vermieden, nach anderen Ländern zu gehen, als wo bereits ein größeres Maß der bürgerlichen Freiheit errungen worden war. Anders der deutsche Jude. Er-mußte sich auö dem Elend heraufringen; er mußte mit Schlauheit und Zähigkeit, mit Schüchternheit und Biegsamkeit auf Erwerb und Gewinn denken, um sich aus seiner Noch zu retten und Etwas zu erreichen, was ihm einiges Ansehen verschaffen konnte. Die Achtung der Welt war ihm Nichts, von ihren Ehren und Würden hatte er keinen Begriff; daS Höchste, was er da erreichen konnte, war, daß er geduldet wurde und man ihm schmeichelte, wenn man seiner bedurfte. Aber in seiner Familie der Segen- und Freudenspender, innerhalb seiner Gemeinde ein angesehener, geehrter Mann zu sein, sei es durch sein talmudisches Wissen, seine strenge Frömmigkeit oder seinen Reich-

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