Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 33 (11.8.1868)
- Date
- 1868-08-11
- Page
- Seite 658 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Warnte Stellen und nicht Titel sind, und daß, wenn kein. Ordinariat vacant und kein neues gegründet ist, auch kein Ordinarius zu ernennen ist. Geht man davon ab, geräth man auf das Gebiet der Willkür, welches vielleicht der einen oder anderen Persönlichkeit zum Vortheil, dem Ganzen aber stets zum Nachcheile ausschlägt. Dieser Auffassung habe ich als Professor wie als Abgeordneter öffentlich und privatim Geltung zu verschaffen gesucht, und Herr Dr. Meilitz kann danach im voraus in vielen Fällen wissen, wohin meine Voten gehen werden. Sollte er es jedoch vorziehen, seine „zuverlässige Quelle" weiter zu benutzen, so möchte ich ihn doch ersuchen, sich und dem Publikum darüber Gewißheit zu verschaffen, wie ich mich in denjenigen Fällen, wo es sich um Abstimmungen über die Anstellung von Juden gehandelt hat, verhalten habe. Vielleicht würden er und die „National-liberale Correspondenz" dann finden, daß es nicht nöthig war, in der vorliegenden Angelegenheit Spinoza und David Strauß, Lazarus und Lasker gegen mich in's Feld zu führen." Wir setzen voraus, daß, da die Sache bis dahin gediehen, Dr. Meilitz auch diese zweite Selbstrechtfertigung Virchow's beleuchten werde. Uns erscheint es, ohne auf genaue Sachkenntniß Anspruch machen zu können, eigenthümlich, daß das Directorat der Klinik keine ordentliche Professur sein sollte, wie dasselbe an allen übrigen Universitäten ist. Eigenthümlich ist es, wie Herr Prof. Virchow seine Grundsätze, an denen er so streng festhält, je nach den Umständen aufzustellen weiß. Statt des Grundsatzes, wo für bestimmte Stellen befähigte jüdische Candidaten vorhanden sind, diese ohne Berücksichtigung der Confession anzustellen, wie ihn alle Liberalen anerkennen, stellt Herr Virch. den Grundsatz auf, an solchen Stellen keine Juden anzustellen^ weil sie nicht sollen steigen können; und hinwiederum statt endlich, wenn ein Jude ordentlicher Professor werden soll, ihn darin zu fördern, stellt er den Grundsatz auf, einen Inden nicht steigen zu lassen, weil eine Stelle nicht vorhanden sei. Sehr bequem, wenn Stellen da sind, sie Juden zu verweigern, und wenn Juden gefördert werden sollen, ihnen die Stelle abzusprechen. Jedenfalls sind diese Excusen des Herrn Professors so gekünstelt und gemacht, daß der einfache Menschenverstand nichts weiter daran steht, als daß Herr V. theoretisch sehr aufgeklärt, practisch sehr vorurtheilsvoll ist, und einem, solchen Liberalen einen Reaktionär sehr vorzieht, der wenigstens spricht, wie» er handelt, und handelt, wie er-spricht. ■ I Aus dem Posenschen, im Juli. (Privaünitch.j > Wiederholte Bekanntmachungen der königl. Regierung» geben Zeugniß, daß der Mangel an Lehrern für die» christlichen Schulen sich immer fühlbarer macht. Man I hat die Unterstützungen für die Lehrerpräparayden > - vermehrt, die Lehrergehälter verbessert, die Land- und I > Schulräthe aufgefordert, in ihren Kreisen dahin zu > ' wirken, daß sich mehr junge Leute zum Lehrerfache I 1 bestimmen; und es hat dies noch wenig geholfen und > 5 das Bedürfniß an Lehrern wird von der Zahl der > 1 ausgebildeten Seminaristen noch lange nicht gedeckt. I ' Daß ein solcher Mangel an geprüften Lehrern auch » * für die jüdischen Schulen besteht, ist bekannt. Es blei- » 1 ben oft Stellen jahrelang unbesetzt, und nicht selten » [ müssen Vacanzen von christlichen Lehrern besetzt wer- I ' den. In welchen Widerspruch geräth hierbei nun das I ' bisherige System! Man will durchaus Confessions- > schulen; man will Simultanschulen nicht aufkommen » lassen — aber man verweigert der jüdischen Confessions- I ' schule jede Unterstützung, man läßt jüdische Präparan- » den und Lehrer leer ausgehen; man errichtet kein ein- > ziges jüdisches Lehrerseminar, und versagt zugleich den » Juden sogar das Hospitiren der christlichen Seminare! I Was der Grund für das letztere Verbot sei, ist nicht » gut abzusehen. Denn man kann sich doch nicht gut » einbilden, daß dieser Grund in der Furcht bestehe, I der Charakter dieser Seminare würde durch die An- I Wesenheit einiger jüdischer Zuhörer entchristianisirt!— > Die preußische Regierung verweist also die Juden ganz > allein auf ihre eigenen Kräfte. Nun aber hat sie zu- » gleich jeden Verband der jüdischen Gemeinden besei- » tigt, alle diese Gemeinden, selbst die kleinsten, isostrt > auf sich gestellt, und hierdurch infolge der langen Ge- > wöhnung ist der Gedanke freier Vereinbarung bei den » jüdischen Gemeinden, die noch dazu für ihre Erhal- > tung mit großen Lasten überbürdet sind, so fernste- I gend geworden, daß an ein gemeinsames Unternehmen » für Präparanden und Seminare garnicht zu denken > ist. Die Aussichten sind demnach sehr traurig, und > die Hoffnung, daß für die Zukunft diesen Uebelständen > in irgend einer Weise Abstellung kommen werde, fin- » det nirgends einen Anhaltepunkt. >