Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 32 (4.8.1868)
- Date
- 1868-08-04
- Page
- Seite 649 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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649 feiner sonstigen Grandezza unruhig geworden; er bewegte sich hin und her, hob die Arme bald hoch, bald senkte er sie, sein Auge blitzte, seine Züge wurden beweglich. „Ei, das ist ja eine exorbitante Forderung! Das hieße ja, diese Familien auf meine Kosten ernähren, meinen Gewinn geradezu theilen oder ganz in Frage zu stellen, während ich das Risico habe. Herr Hirsch, ich hätte Sie für vernünftiger gehalten, und bitte, mich mit solchen Zumuthungen zu verschonen." „Ich hätte sehr thöricht gehandelt," lautete die Erwiderung, „wenn ich mit solchem Berlangen zu Ihnen gekommen wäre, ohne die triftigsten Gründe zu haben. Wisien Sie, Herr, was geschehen wird, wenn Sie auf meinen Plan nicht eingehen? Sie zwingen das ganze Land, Fischer, Bauern und Juden, Schmuggler, nichts als Schmuggler zu werden! Man läßt sich nicht mir nichts, dir nichts sein Brod vom Munde wegnehmen; man schlägt alle Wege eich um das karge Stück Brod nicht zu verlieren, und wenn Frau und Kinder hungern, hört die Moral unddie Ehre auf. Die Bauern und Fischer werden die kleinen und gewöhnlichen Stücke Bernstein zu den geringen Preisen, die ihnen gestellt sind, abliefern, und die größeren und besseren Stücke werden sie heimlich an die Händler verkaufen, die sie dann leicht ins Preußische schassen. Auf diese Weise werden Sie zu großem Schaden kommen, und die Negierung wird den erhofften Aufschwung durch ihre falsche Maßregel nach dem Preußischen answandern sehen. Was wird geschehen? Man wird das Land mit Gensdarmen und Zollwächtern überschütten, Sie, mein Herr, werden gezwungen sein, überall zu inquiriren, Haussuchungen zu ' veranlassen, zu constseiren, die Contrebaudiers ins Zuchthaus zu schicken und so den Fluch und den Haß der ganzen Bevölkerung auf sich zu laden — und zwar ohne zum Ziele zu gelangen; denn die Küste und die Grenze sind ausgedehnt und offen, und die menschliche List weiß überall Auswege zu sinden. Hat erst die Gefahr durch den -Gewinn Reiz bekommen und die Gewissenhaftigkeit des Volkes ist durch die Noth und die Nothwehr erschüttert, so greift die Verwilderung schnell wie eine Pest um sich — ich habe dieS schon in der Zeit der großen Hungersnoth vor zehn Jahren erfahren." Tenor MendcS war doch nachdenklich geworden. Aber er überwand seine Unruhe, seine kleine Gestalt richtete sich wieder auf, und mit stolzer Geberde antwortete er: „Ich danke Ihnen, Rabbi Hirsch, für Ihre Mittheilungen. Ich werde sie erwägen, glaube aber kaum, daß ich davon Gebrauch werde machen können. Sie sehen eö aus Ihrem Gesichtspunkte, ich aus dem weinigen an. Sie wollen mir Furcht einstößen zum Vortheil Ihrer Freunde; ich muß diese Furcht abweisen, in meinem und der Regierung Bortheil. Jedenfalls muß ich erst Erfahrung machen." „Dann wird eö zu spät sein; haben sich die Ge-, müher erst erbittert, so ist von keiner Seite der Ausgleich möglich. Wurde erst die verbotene Frucht genossen, so schmeckt sie zu süß, mn sie alsbald gegen andere y. verrauschen." Settor Mendes hörte nicht rnehr hierauf, tneuMe vielmehr eine Handbewegung, welche einer Entlastung ziemlich gleich kam. Der lauge Mann verbeugte sich und ging. Fortsetzung folgt.) Die spanische Inquisition. (Fortsetzung.) ' In dem durch sein Gnadenbilv berühmten Städtchen Guadalupe in Castilien, von etwa 3000 Einwohnern, wurden im Jahre 1-135, wie Paramo aus den Sriginal- Protocolleu mittheilt, sieben Autodafes gehalten, in welchen 53 Personen dem Scheiterhaufen übergeben, 16 Leichname ausgegraben und nebst 25 Figuren von Abwesenden verbrannt, 17 zu ewigem Kerker begnadigt wurden, unzählige Andere auf die Galeeren kamen oder Sanbenitos tragen mußten. In einem einzigen, 1501 zu Toledo gehaltenen Antovaft' starben 07 Frauen wegen angeblichen Judaisirens in den Flammen. Tie heilige Jungfrau zu Guadalupe mußte Wunder über Wunder wirken zum Beweise ihres Wohlgefallens an dem heiligen Gericht. Verschiedenemale wurden Versuche gemacht, nun durch Anbietungen großer Summen an den königlichen Fiscus eine Aenderuug der drückendsten, für die Opfer des Tribunales verderblichsten Gesetze und Procednren zu bewirken. Zweimal boten die Christen israelitischer und maurischer Abkunft Kaiser Karl V. ungeheure Geldsummen (800,000Goldgulden) an, wenn er nur anordnen wolle,,' daß die Namen der Zeugen der Angeklagten genannt 1 würden. Aber Alles war vergeblich. j Torguenu.da war es auch, der 1484 den jüngst! canonisirten Pedro Arbues neben dem Dominicaner i Jnglar als Inquisitoren für Saragossa bestellte. Tie! Arragonesen sträubten sich umsonst gegen die Einführung des Glaubensgerichtes, und Arbues siel bekanntlich als! ein Opfer seiner fanatischen Grausamkeit. Seine Mör-!' der waren keineswegs heimliche Anhänger des Juden-' thums, sondern wollten an dem Inquisitor ihre nächsten. Verwandten,'der Eilte seine zu schimpflichem Tode rer-? urthcilte Schwester, der Andere seinen in den Kerker ge-? worfenen Vater rächen. Das an Arbues verübte Attentat wirkte indessen in keiner Weise abschreckend aus die Inquisitoren, zahlreiche Opfer sielen dem Gemordeten; zur Sühne, und das Glaubenstribunal, zmnal da der Märtyrer Arbues bald seltsame Mirakel zu wirken be-: gann, wußte das Ereignis; recht zu seiner Befestigung, und weiteren Machtentfaltung zu verwerthen. j Die Päbste fuhren fort, dem Institute ihr Wohlge