Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 32 (4.8.1868)
- Date
- 1868-08-04
- Page
- Seite 648 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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648 Tcr 3vve^^ev hielt du, und erwartete He ^(iitu'Dvt. )üy.:\\ $\\ ilbevl:;\e:;: ent'!ich sprack er: „Ick bin : ihr abgeneigt; es u\ive .ruh mir oft 'hiermit gedient, •ee.'/uui) "ich "uwmi die Feste de§ Herbstes hier . .vbe verbringen können; w. ck st eben falls meine Diener, n.;d erwarte ich von di b - noch einige. Auch erkläre u? raid> bereit, eine aneu . Dne tAänmlickkeit als Synagoge berznstellen und ane ubmnneken, unt> Alles her beivr.uf’viffeit, was dazu iü;:t ig ist. Aber eine Bedingung muß ich stellen, das ist, die neue Gemeinde .must unseren, den portugiesischen Minhag (Ritus) annehmen, weil ich sonst gar keinen Gebrauch von der Lache machen könnte." „Sie werden, Lenor, ans diese Bedingung nicht bestehen," erwiderte mit sanftem und einschmeichelndem Tone der Andere, dem bei den ersten Lätzen des Herrn Mendes die Freude schon auf das Antlitz gestiegen war. „Wir sind die Bielen, und in der Schrift heißt es, acJirvi raMiim Irh.iitans, nach der Mehrheit sollst Du dich richten . . „Halt," siel ihm der Andere ein, „Sie vergessen, daß es wiederholt heißt Io thauoh misdipnf, „beuge das Recht nicht," und niiM-lijMt ist gerade der Minhag, wie ich Ihnen aus der Schrift beweisen kann." „Lasten Lie dies," antwortete lächelnd der Andere, „ich glaube es wohl; wir sind ungelehrte Leute, und haben keine Gelegenheit, auS dem Quell des Lebens neuen Trunk zu schöpfen; wir müssen uns begnügen mit dein, was wir haben. Und darum würden wir uns nach Ihren Gebräuchen gar nicht zu richten verstehen. Wir könnten Ihre Aussprache nicht lernen, wenn wir auch wollten, in Ihrem Siddur uns nicht zurechtsiuden; viele Gebete stehen darin, die wir nicht kennen, und unsere liebsten und besten finden wir nicht darin." „Aber unsere Aussprache ist die richtige und eure die verdorbene, unsere Gebete sind schön und erhaben, die euren oft sonderbar und abergläubisch. Man ist nie zu alt, das Bessere zu lernen und anzunehmen. Hirsch schüttelte den Kops. „Denken Sie sich^ doch, mein Herr, wie es uns ergehen würde, wenn wir in die Synagoge kämen, und der Gottesdienst würde nach Ihrem Minhag vollzogen. Wir verständen kein Wort von dem, was vorgetragen wird, wir wüßten nicht, wo Anfang und wo Ende, wir könnten nicht einfallen und nichts sagen, wir müßten allesammt Sie machen lassen was Sie wollen und still stehen und für uns beten, wie wir es bis jetzt gethan. Und nun die Schmach, die wir unseren Vätern anthäten in einem Lande, wo cS doch nur Gemeinden nach unserem Minhag giebt, diesen zu verlassen und einen andern als bessern anznnehmen. Wir sind doch die, welche hier seit alter Zeit wohnen, und Sie sind der Ankömmling." „Alles, was Sie da sagen, mit Ausnahme der letzten Worte, paßt ebenso auf mich. Wir können daher diesen Gegenstand verlassen. Besprechen Sie sich darüber mit Ihren Freunden. Ich werde von meiner Bedingung nicht abgehen. Sobald Sie sich einzuwitligen entschlossen haben werden, können Sie wieder zu mir kommen/sJhm, was haben Sie noch?" „Ich halte es für nothwendig," fuhr Hirsch fort, „im Borans Ihnen bemerklich zu machen, daß, wenn ich bei der ersten Angelegenheit allerdings Mitbetheiligter war, dies bei dem, was ich Ihnen nun zu sagen habe, durchaus nicht der Fall ist. Ich bin Waarenhändler, und mit dem Vertriebe als solcher ebenso wie mein Sohn ausschließlich beschäftigt. 'Ich habe mich am Bernsteinhandel niemals betheiligt, und trete also nur für die hiesigen Glaubensgenossen, wie ich glaube, zu deren wie zu- Ihrem Frommen ein." „Ah so!" fiel Mendes mit verächtlichem Tone und einer abwehrenden Geberde ein. „Schenken Sie mir Ihre Aufmerksamkeit," fuhr der Andere ruhig fort, „es könnte später zu spät sein. Sie wissen, bis jetzt wurde hier in Schwedisch-Pommern wie an der ganzen preußischen Küste der Vernsteinhandel so betrieben, daß Händler die Dörfer durchwanderten, von den Fischern alle Stücke, die diese gefunden, aufkauften und sie der Regierung nach bestimmten Taxen und Preisen wiederverkauften. Der Handel war ganz frei, nur daß zuletzt aller Bernstein in die Hände der Regierung geliefert werden mußte. Die Regierung in Stockholnt hat es jetzt anders beschlossen. Ihre Gründe habe ich nicht zu beurtheilen. Sie hat Ihnen den ganzen Ertrag der Berusteinsischerei gegen ein jährliches Pauschquantum verpachtet, hat darum allen Zwischenhandel unter den strengsten Strafen verboten und den Fischern auferlegt, alle Stücke an Sie abzuliefern. Hierdurch ist eine große Anzahl Familien mit einem Male brodlos geworden und sehen sich am Rande der drückendsten Roth und deö Elends, nicht blos in diesem Städtchen, sondern in allen Flecken und Dörfern der ganzen Küste." „Das mag sein. Aber was kann ich dazu thun? Hätte ich die Pacht nicht übernommen, hätte es ein Anderer gethan. Der Gedanke ist nicht von mir ausgegangen, und muß wohl im Vortheile der Regierung und der Fischer liegen. Und sind Sie, Herr Hirsch, wirklich j ganz unbetheiligt daran? Haben Sie keinen Schwager oder Schwiegersohn dabei?" „Dies thäte zur Sache nichts; aber.eS ist nicht der Fall. Ick habe nur einen Sohn, der noch unverheirathet ist und sonst keine Verwandte in diesem Landstrich. Doch die Hauptsache ist, Ihnen das Loos dieser unglücklichem I Familien ans Herz zu legen. Wie einmal die Sache | liegt, schlage ich Ihnen vor, die bisherigen Zwischen-! Händler weiter zu gebrauchen, sie als Ihre Sendboten! nach den Dörfern zu schicken und gegen eine mäßige! Provision den'Bernstein" von Ihnen in Empfang zm> nehmen. Das neue Gesetz verbietet den freien Zmischem l Handel, nimmt aber Ihnen nicht die Erlaubnis;, sich P| viele Agenten anzustellen, wie Sie wollen." » Der kleine Mann war bei dieser Anslassung troh»