Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 31 (28.7.1868)
- Date
- 1868-07-28
- Page
- Seite 627 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Allgemeine Zeitung des Zudenthums. Femlleton-Leilage jit Ar. 31. Leipzig, den 28. Juli 1868. Der Abend. VHI. Sind nicht die Höh'n — was klagst Du! — noch beleuchtet, Wenn auch die Tiefen schon in Schatten ruhen? Denk, wie die Sonne Dir im Nacken brannte, Wie glühend sie Dir in die Flanken stach! Und reicht der Mantel bald Dir an die Schultern — Das Haupt, emporgerichtet, kränzt der Strahl Und legt die Rosen ans die weiße Stirn, Jndeß sich lichtblau wölbt der Himmel drüber. Und durch des Abends leichte Schatten schauen Die reichen Saaten auf den Fluren noch, Die goldnen Saaten, die der Schnitter schnitt, Und band in Garben, und die Garben stellte In Reihen auf, die mit dem frohen Auge Der Eigner schaut und langsam überzählt.... Steh'n wirklich Garben? Wurden sie gebunden? Der Schnitter schnitt sie? Sag, ist's wirklich so? . . . Atein Blick ward zaghaft, und ich furcht' zu irren, Wenn Garben ich auf meinen Fluren sehe... Aegyptischcs. (Fortsetzung und Schluß.) Aus dem sehr interessanten Büchlein des Prof« Heinrich Burgsch heben wir folgende Stelle heraus: „Himmel, Erde und Tiefe, das sind die drei großen Reiche des altägyptischen Kosmos. Auf dem gewaltigen Ocean, welcher das Himmelsgewölbe umfließt, fährt die Sonne in einem Aachen umher, der von den Planeten und Fixsternen gezogen wird. Auf ihm kreisen die großen Sternbilder in .ihren ^Schiffen, da ist das Reich der feeligen Götter/ welche über dem himmlischen Ocean in ewiger Ruhe unttzr den Sternen thronen. Der Eingang zu dem großen Strome ist im Osten, wo allmorgentlich der Sonnengott''als Kind geboren aus der Feuchtigkeit emporsteigt. Irdische Menschen bewohnen die Erdfläche, theilhabend an fccr «-rei großen kosmischen Reichen. Die Seele wird ihnen gegeben aus Himmelshöhe, von wannen das Licht herfließt, ihr Körper, die Materie, gebärt dem irdischen Schauplatze an; die Gestalt, die äußere Form, wodurch sich ein Mensch von dem andern für den Anblick unterscheidet, der Schemen der Tiefe an.*) Bei dem Tode des Menschen trennen sich Seele, Körper und Schemen von einander; die Seele, um nach ihrem Ausgangspunkte, dem Himmel, zurückzukehreu, denn sie ist ein Theil Gottes; der Körper, um der Erde übergeben zu werden, denn er ist aus Erde geformt nach dem Ebeubilde seines Schöpfers;**) der Schemen, um in die Tiefe hinabzusteigen, in das Reich der Schatten. Das Thor hierzu wurde im Westen liegend gedacht, am Berge der Abendröthe, da, wo die Sonne täglich zu Rüste geht, wo sie stirbt. Daher die gegenseitigen Wechsel-Beziehungen zwischen dem täglichen Laufe der Sonne und dem Menscheudasein, zwischen aufgehen und unter gehen, zwischen kommen und scheiden, zwischen geboren werden und sterben. Die Tiefe, die Region des nächtlichen Laufes der Sonne, birgt das eigentliche Reich der Todten. Hier herrscht Osiris der König und Todtenrickter, hier wird im unterirdischen Tribunal vor den zweiuudvierzig Beisitzern des Oberrichters Osiris das menschliche Herz mit dein Gewicht der Wahrheit auf der Wage abgewogen, hier sind die Pforten der Hölle, hier erwartet jeglichen der Lohn seiner Thaten. Es öffnen sich die Thore der Hölle dem Bösewicht und es harren seiner Strafen so mannichfaltig, so grauenhaft, als sie nur immer die Dante'sche Hölle zu bieten vermag.. Furchtbare Thiergestalten, schreckenerregende Dämonen bedrohen den Ankommenden, mächtige Schlangen und Drachen hindern seinen Weg, infernalische Pförtner in gräulichen Thier- *) Diese Theorie sehen wir in der Kabbala wieder auftauchen, wo die Gestalt des individuellen Menschenkörpers Itppss, d. h. die göttliche Idee, nach welcher dieser individuelle Menlchenkörper geformt ist, dasselbe bezeichnet, was hier Gebeinen genannt wird. Nedakt. **) Wenn diese Worte des Vers, einen wirklichen Grund und Anhalt in ägyptischen Ausdrücken haben sollten, was uns noch zweiselhast erscheint, da er keinen Beleg dafür anfiihrt, so bezeugten sie die grobe materielle Ausfassung der Aegvpter von dieser Gottebenbitdlichkeit, was freilich mit ihrer Vorstellung von der Gottheit in Idolen und Thieren nicht im Widerspruch steht.; Redakt- '