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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-07-21 · Heft 30 (21.7.1868) · p. Seite 610

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 30 (21.7.1868)
Date
1868-07-21
Page
Seite 610 (sequence 20)
Language
German
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Königen von Juda ihren Thron, dem Volke seine selbstständige Existenz, seine Hauptstadt und seinen Tempel. Der Kampf der ägyptischen Ptolemäer mit den syrischen Seleuziden spielte hauptsächlich um den Besitz Palästinas und trieb zahllose Juden aus der kriegdurchwühlten Heimath, nachdem Alexander d. Gr. schon früher 100,000 Juden nach dem von ihm begründeten Alexandrien verpflanzt hatte. Sah doch unter diesen Ptolemäern Israel in Aegypten seine heiligen Schriften zum ersten Male in eine fremde Sprache, die griechische, übertragen, der Beginn einer langen Reihe von Übersetzungen in fast alle Sprachen des Menschengeschlechts. Sah selbst in diesem Aegypten — das einzige Beispiel — einen Tempel mit Hohenpriestern und Priestern neben dem Tempel zu Jerusalem entstehen, und gaben damals die Juden ein glänzendes Beispiel der Toleranz, indem sie jenen Tempel duldeten, und ihm zwar keine wirkliche Anerkennung, aber auch keine Verketzerung, keine Enthebung der priesterlichen Würde für die dort fungirenden Personen zuwandten. Die Fülle der Entdeckungen, die seit dem Einfalle der Franzosen in Aegypten unter dem General Bonaparte (1799) gemacht wurden und mit jedem Tage sich mehren, muß daher unser lebhaftestes Interesse erwecken. Eines geht aber bis zur Evidenz daraus hervor. Während jene Entdeckungen die Angaben der heiligen Schrift über Aegypten in allen Stücken bestätigen, zeigen sie die Unrichtigkeit einer Hypothese, die lange Zeit von den nichtjüdischen Gelehrten gehegt worden. Aus dem Umstande, daß Moses eine ägyptische Erziehung genossen und mit Israel aus Aegyten kam, setzte man voraus, daß in der mosaischen Gesetzgebung Vieles aus Aegypten entlehnt sei, und mit gewohntem Scharfsinn fand man denn auch eine Menge von Beweisen dafür und führte alles Mögliche auf Aegypten zurück. Aber bei genauerer und vorurteilsloser Prüfung ergiebt sich gerade das Gegentheil, als ob, wie wir uns schon einmal ausgedrückt haben, Moses in Aegypten gelernt habe, wie ein Staat nicht eingerichtet werden, ein Volk nicht leben sollte. Doch führen wir dies ein ander Mal weitläufiger aus. Einer der glücklicheren Forscher in ägyptischen Dingen unserer Tage ist Professor Heinrich Brugsch, wenn auch von Seiten der gelehrten Welt seinen Ergebnissen noch kein unbedingtes Vertrauen geschenkt wird. Vor Kurzem hielt derselbe einen Vortrag, der unter dem Titel „Die ägyptische Gräberwelt" soeben erschienen ist (Hinrichs, Leipzig 1868). (Fortsetzung folgt.) Correspondenz. * Laupheim, 30. Juni 1868. Gesangverein. Es dürste die Leser der Allgemeinen Zeitung des Zudenthums ohne Zweifel interessiren, zu vernehmen, daß der hiesige, aus lauter Israeliten bestehende Gesangverein beim gestrigen in Eßlingen abgehaltenen Liederfeste, bei welchem 125 Gesangvereine erschienen waren, im Wettgesang mit 36 Vereinen vom Preisgericht den zweiten Preis zuerkannt erhalten hat. Mit dem Preis «einer großen silbenen Medaille) war überdies noch eine Ehrengabe verbunden, bestehend in einem großen Pokal mit der Inschrift: „Den schwäbischen Sängern, vom Turnverein Eßlingen, 28. und 29. Juni 1868." Es ist das derselbe Verein, der vor circa einem Decenniuin beim Landesliederfest in Ravensburg den ersten Preis erhalten hat. Wenn man die vielen großstädtischen Gesangskräste, mit mächtigen musikalischen Mitteln ausgerüstet, ins Auge faßt, mit welchen die Concurrenz zu bestehen war, so wird man schon das Wagniß des Wettgesangs nicht unterschätzen dürfen, abgesehen von den vielen Schwierigkeiten, die das Preislied dargeboten hat. Um so anerkennenswerther ist das wackere Streben dieser Männer, um so freudenerregender der auszeichnende Erfolg. Nicht blos das Preisgericht, das ganze zuhörende Publikum, das mit Interesse dem Gesang folgte, war überrascht über die Präcision in der Ausführung. Andern Tags als die Mitglieder des Vereins von. der Sängerfahrt zurückkehrten, wurden sie auf dem Bahnhof mit Musik empfangen, und so zogen die preisgekrönten Sänger unter Musikbegleitung und Liedern, bis in die Mitte des mit vielen Landes- und deutschen Farben beflaggten Städtchens, wo sie von dem Herrn Rabbiner Waelder mit einer begeisterten Ansprache begrüßt wurden. Er sprach von den edlen Bestrebungen, die in der Mitte des Vereines zum Ausdruck kommen, und die dadurch auch der ganzen Gemeinde zu Güte kommen, da derselbe an Sabbath- und Festtagen durch hebräische und deutsche Gesänge zur Verschönerung des Gottesdienstes mitwirkt, und auch sonst bei feierlichen Gelegenheiten zur Hebung der Feier beiträgt. Der Preis sei stets ein Wahrheitszeichen, Edles Streben bleibt nicht unbelohnt; Nimmer soll der Mensch vom Guten weichen, Er erkennt's, der in der Höhe thront. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redakteur I>» H. Lvtze.

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