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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-07-21 · Heft 30 (21.7.1868) · p. Seite 605

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 30 (21.7.1868)
Date
1868-07-21
Page
Seite 605 (sequence 15)
Language
German
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M. herbeigeführt hatte, war die Ursache des uns betroffenen ' schwer zu ersetzenden Verlustes. Der Verstorbene, geboren zu Bacharach arm Rhein, hat, nachdem er verschiedene Stellen -in dem früheren Herzogthum Nassau als Lehrer und Cantor zur vollen Zufriedenheit der Betreffenden bekleidet, feit dem Jahre 1849 in gleicher Eigenschaft hier fungirt, und zwar zum Segen und Gedeihen sowohl des Gottesdienstes als der Religionsschule. Durch seine sonore, zum Vortragen von Gebeten vorzüglich geeignete Stimme, sowie durch seine würdevolle, der Heiligkeit des Ortes und der Handlung gemäße Haltung trug er das Wesentliche zur Erhebung der unter seiner eifervollen Mitwirkung ins Leben gerufenen, durch vielseitige Nachahmung anerkannten, weil den Anforderungen der Gegenwart entsprechenden Verbesserungen in der Liturgie und den Formen des Cultus bei, und pflanzte durch den Ernst seines Strebens und die Gediegenheit seines auf die ewigen Wahrheiten und beglückenden Lehren des Judenthums gerichteten Unterrichtes, Liebe und Verehrung gegen unsere göttliche Religion in die Herzen seiner Schüler. Aber nicht nur in dieser seiner Berufsthätigkeit, sondern auch im sonstigen Verkehr wirkte er anregend und fruchtbringend auf die Gemeindeglieder und war unermüdlich thätig, deren Interesse und Eifer für die neugestalteten religiösen Institutionen, namentlich für den durch den Wegzug vieler Familien oft geschwächten Synagogen-Chor rege zu erhalten. Auch eine Schulbibliothek entstand durch seine Bemühungen, welche den Kindern eine ausgewählte, religiös und sittlich bildende Lectüre in die Hand giebt und in dieser Hinsicht vom wohlthätigsten Einflüsse ist. Bei solcher, den inneren Geist wie das äußere Ansehen des Judenthums berücksichtigenden amtlichen Wirksamkeit, zu der noch die Geradheit, Biederkeit und Uneigennützigkeit des Charakters eine unbegrenzte Friedensliebe und eine innige Theilnahme an den Geschicken der einzelnen Familien, mit denen er in den freundschaftlichsten Beziehungen stand, hinzukam, war es natürlich, daß er sich nicht nur die Liebe und Anhänglichkeit der seinem Unterrichte anvertrauten Jugend, die Dankbarkeit zahlreicher Eltern, das Zutrauen des Rabbiners, die Anerkennung des jedesmaligen Gemeinde-Vorstandes, sowie die Achtung seiner Mitbürger erwarb, sondern sich auch des Wohlwollens Aller zu erfreuen hatte, die ihn näher kannten. Die Gemeinde hat ihm darum außer der hohen Achtung, die sie ihm zollte, mehrfach in äußeren Zeichen ihre Zufriedenheit und Dankbarkeit für sein edles Wirken zu erkennen gegeben und namentlich während seiner Krankheit kein Opfer gescheut — leider ohne den gewünschten Erfolg — sein theueres Leben sich und der Heranwachsenden Generation noch zu erhalten. Die Trauer und Bestürzung waren daher groß, als die bange Ahnung, welche während der letzten Tage jede Brust bewegte, durch die von Bonn aus hieher gelangte Kunde, daß Herr Sommer unter namenlosen Schmerzen verschie> den sei, ihre Begründung erhielt. Alle fühlten es, daß sie einen Freund verloren, der sein Amt noch lange hätte segenverbreitend fortführen können. Sofort gab sich der allgemeine Wunsch kund, den geliebten Lehrer nicht in entfernter Erde, sondern hier, woselbst er so nachhaltig gewirkt, seine letzte Ruhestätte finden zu lassen, und es wurde die Veranstaltung getroffen, die Leiche mit allen ihr gebührenden Ehren hierher zu geleiten. Nachdem viele Mitglieder der 12 p man nach Bonn gereiset waren und in Gemeinschaft mit der dortigen an der mrrü Theil zu nehmen, fuhren die Unterzeichneten der am 26. v. M. früh von Bonn abfahrenden Leiche bis Neuwied entgegen, welche bei ihrer Ankunft am hiesigen Bahnhofe von beinahe sämmtlichen Angehörigen der Gemeinde, der Schuljugend und einer großen Anzahl hiesiger nicht israelitischer Freunde und Bekannte des Verstorbenen iw Empfang genommen wurde. Es war ein großer Zug, der sich nun zum Grabe bewegte, woselbst unser Rabbiner, Herr Ben-Israel, seinem und der Gemeinde Schmerz über den großen Verlust Ausdruck verlieh und viele Thränen tiefer Trauer und ungeheuchelter Theilnahme flössen. Sowie am Grabe wurde auch am zweiten Tage des Schabuoth-Festes in der Synagoge das Andenken des Hingeschiedenen gefeiert, der es werth war, daß ein solches ihm bleibe, weit über das Grab hinaus, in welcher Hinsicht denn auch am 31. vorigen Monats in einer vereinigten Sitzung des Vorstandes und der Repräsentanten einstimmig der Beschluß gefaßt wurde, daß dem Verstorbenen aus Gemeindemitteln ein Denkstein gesetzt und alljährlich am obengenannten Tage beim öffentlichen Gottesdienste seiner im Gebete gedacht werde, entsprechend dem Bibelworte: nrnab nat Coblenz, den 12. Juli 1868. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde. L. M. Götz. W. Bevnheim. Rudolph Rubensohn. Zu verkaufen: Grätz, Geschichte d. Judenth. Bd. V (sehr selten) u. Bd. VI. schöne Halbfranzbände, zusammen für 2 V2 Thlr. bei 8. Cohen, Lehrer in Borken in Westphalen.

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