Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 30 (21.7.1868)
- Date
- 1868-07-21
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Zeitung des Zudentbums. Ein ' Ä unparteiisches Organ für alles jüdische Mtereffe. Heransgegeben von RaÄiner vr Ludwig Philippson in Bonn. 38. Jahrgang. l l g k A t S N t Ö5R- M. 30. Leipzig, den 21. Juli 1868. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal Dienstag«, in 2 bis 2>/r Bogen. Preis des Jahrgang« « Thlr. Halb,ahrig 2 Thlr. Biertehahrig l Thlr. Inserate werden mit V/o Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zettunys - Expeditionen nehmen Bestel lungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich das König!. Sachs. Haupt-Zeitungs-Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Die Ausklärung und der Glaube an das Wunderbare III. — Die päpstliche Bulle. — Die Rabbinerversammlung. Zeitungsnachrichtenr Deutschland: Vom Main, Hamburg. OeKerreichischer Kaiserstaat: Wien, Pest. Feuilleton-Beilage: Der Abend. — Heine von Adolph Strodtmrnn. — Aegyptisches. — Correspondenz. Leitende Ar t i k e l. Bonn, 12. Juli. Die Aufklärung und der Glaube an das Wunderbare III. Das zweite ausführliche Kapitel seines Werkes widmet Lecky einem nicht minder bedeutsamen Gegenstände, er überschreibt es: „Die Wunder der Kirche." Diese begrenzen sich allerdings ans die katholische Ktrche, und die Reformation des 16. Jahrhunderts trat verneinend gegen dieselben auf, aber, wie wir sehen werden, nicht sowohl aus einer Aufklärung der Ansichten, als vielmehr durch die Conseqeuenz ihres Systems. Hingegen ist u n s dieses Kapitel wichtiger noch als das vorhergehende, weil die Juden von dem Hexenglauben nur in seltenen Fällen zu leiden hatten. Man sprach zwar oft aus, daß die jüdischen Aerzte durch die Künste und Hülfe des Satans kurirten, und wollte ihnen dadurch die Praxis bei den Christen behindern. Allein dieselbe Beschuldigung traf Alle, welche die Medizin regelmäßig und wissenschaftlich studiert hatten, und Päpste und Fürsten verwandten jüdische Aerzte in ihrem Dienste unv schwächten so durch ihr Beispiel die offiziellen Beschuldigungen ab. Im Ganzen sind die Fälle, in welchen Juden der Hexerei beschuldigt wurden, nur selten. Dahingegen sind es „kirchliche Wunder", die bei den meisten Judenverfolgungen eine große Rolle spielen, und durch welche man den Pöbel gegen sie fanatisirte und die scheußlichsten Greuel rechtfertigte. Ueberall kommen die durchstochenen Hostien, aus denen Blut gequollen, zum Vorschein; überall werden wunderbare Erscheinungen erzählt, welche von den Juden verübte Entweihung kirchlicher Gegenstände aufdeckten, und so hat der kirchliche Wunderglaube die Seiten der Geschichte der Juden mit blutigen Charakteren beschrieben. Die Wunder, welche unsere heilige Schrift erzählt, gehen, mit geringer späterer Ausnahme, vor den Augen des Volkes vor sich, und haben den ausgesprochenen Zweck, den verkündeten Lehren und Gesetzen bei dem noch rohen und ungebildeten Volke, das diese Wahrheiten noch nicht zu fasten vermochte und jeder Zeit deshalb in's Heidenthum zurückzufallen geneigt war, festen Glauben zu verschaffen. Sie hören daher mit dem Zeitpunkte, wo der Kampf zwischen der Gotteslehre und dem Heidenthume entschieden war, gänzlick auf, nämlich mit der Rückkehr der Juden aus dem babylonischen Exil. Bei den Propheten^ die uns Schriften hinterlaffen haben, kommt nur Weniges vor, das an dieses Gebiet streift