Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 29 (14.7.1868)
- Date
- 1868-07-14
- Page
- Seite 590 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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in die er dem Namen nach eintrat, von dem geringsten Nutzen war. (Schluß folgt.) Erve tapfere Familie. (Aus den Arch. isr.) Gestern Abend sieben Uhr, sagt die „Kürette «Iss Iribunsux" am 18. Juni, stürzte sich ein Fiacrekutscher in die Seine mitten in der Straße Harlay-du-Palais. Auf das Geschrei der Umstehenden stieg Herr Alp ho ns e Weill, der ein Ltabiissewent de bomllon in der rue Harlay-du-Palais hält und gerade vor seiner Thür stand, schnell herab, befreite sich von seinen Kleidern, stürzte sich in den Fluß und schwamm zu dem Ertrinkenden, der mit dem Tode kämpfte. Es gelang ihm mit Gefahr seines Lebens denselben mit der einen Hand zu ergreifen und ihn so schwimmend an das Ufer zu ziehen; der Hund des Herrn Weill, der seinem Herrn gefolgt war und sich ebenfalls ins Waffer geworfen hatte, schwamm zur Seite seines Herrn und trug in seiner Schnauze den Hut des Kutschers. Als Herr Weill sich dem Ufer nahet«, begann er von der Anstrengung.zu ermatten. Endlich aber gelang es ihm mit Hülfe eines Sergent de ville den Mann aus dem Wasser zu ziehen und ihn auf das Ufer zu legen. Dieser ist ein Mann von ungefähr sechszig Jahren; es scheint, daß er unter der Einwirkung einer plötzlichen Geistesverwirrung gehandelt habe, als er diesen Selbstmordversuch beging. Er ward nach dem Hospiz 8aint-Anne geschafft. Der Polizeicommifsär Bövillon hat Herrn Weill rufen lassen, und ihn auf's Lebhafteste wegen seines Muthes und seiner Aufopferung belobt. Herr Weill, ein alter Soldat aus Afrika, wo er einundzwanzig Jahre gedient hat, ist verheirakhet, Familienvater nnd achtundvierzig Jahre alt. Er war außerdem so glücklich, zwei seiner Kameraden aus dem Wasier zu retten, als diese, indem sie ihre Pferde zum Baden in die Seine trieben, in Gefahr waren zu ertrinken. Der Vater des Herrn Alp honst Weill, ein alter Militär von hundert und drei Jahren, ist in dem israelitischen Hospital zu Paris, und der Bruder ist Brigadier der 8ergents de ville und mit der Ehrenlegion decorirt. Man sieht, daß in dieser Familie der Muth erblich ist. Notiz. Der Correspondent der Times, welcher über das, den Mitgliedern des Zollparlaments von der Berliner Kaufmannschaft in der Börse gegebene Fest berichtete, machte folgende Bemerkung: „Charakteristisch für Berlin war es, daß unter den 140 Festgebern ungefähr 90 Juden waren. Der alte Glaube ist hier nicht nur ebenso industriell und pekuniär erfolgreich wie irgendwo, sondern hat auch durch Kultur und geistige Errungenschaften eine sociale Stellung geschaffen, welche ihm in manchen anderen Theilen der Welt noch untersagt ist. Daß der christliche Theil der Kaufmannschaft so zurückhielt, daran ist nur der Mangel an herzlicher Sympathie mit den neuen Institutionen schuld. Die Leute mögen diese für die besten erachten, die für die jetzige Zeit paffen, ja selbst ihre wirklichen Vorzüge auch anerkennen; aber doch sind sie nicht dazu angethan, zu dem deutschen Herzen zu sprechen. Es ist oft bemerkt worden, daß die Juden bei solcher Gelegenheit wie diese freigebig um der Stellung willen beitragen, während der Deutsche in der Regel zu undemonstrativ und vielleicht auch zu sparsam ist, um an öffentlichen Festen theilzunehmen und Geld dafür auszugeben, wenn er nicht durchaus dafür begeistert ist." Kuriosa. Die neuen konfessionellen Gesetze in Oesterreich bringen, wie man wohl voraussetzen konnte, eine Menge sonderbarer Kuriositäten auf dem religiösen Gebiete zu Tage. So erzählt die Vorstadt-Ztg. in Wien einen seltenen Fall von religiösem Uebertritt: Vor Kurzem ist hier ein junger Mann aus jüdischer Familie, Herr P., ein Schwager des Hofschauspielers S., zum Christenthume übergetreten, während dessen Großvater, ein Greis, der diesen Schritt schon längst gethan, sich fast gleichzeitig beim hiesigen Magistrat zum Rücktritt ins Judenthum angemeldet. Beide, Enkel und Großvater, haben sich zum Religionswechsel,aus Opportunitäts-Gründen, die in der Liebe ihren Ursprung haben, entschlossen: Ersterer, um ein Christenmädchen zu heirathen, Letzterer, um neben seiner jüdischen Frau begraben zu werden, die ihm in den Tod vorangegangen. sEin 9 4jähriger Ehecandidat.j In Szecseny heirathete einer der ältesten Einwohner der Stadt im Alter von 94 Jahren am 3. d. M. eine 70jährige Frau. Der alte Mann (er ist israelitischer Confession) hat nunmehr das vierte Weib, während auch sie sich bereits zum viertenmale verheirathet. Die Nachkommenschaft des Mannes ist schon jetzt eine ganz besonders respektable. Er hat nicht weniger als 96 Enkel, und die Familie, deren Stammvater er ist, besteht aus 125 Seelen. Verlag von Bamngärtner's Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redakteur Dr. H. Latze. ÜiiL