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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-07-07 · Heft 28 (7.7.1868) · p. Seite 570

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 28 (7.7.1868)
Date
1868-07-07
Page
Seite 570 (sequence 20)
Language
German
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ganz schweigen sollte. . Außerdem weiß ich, daß Sie das Alle mit der gleichgiltigsten Ruhe lesen, aber lesen sollen Sie's. Dringen Sie doch bei den Mitarbeitern der Zeitschrift aus Kultur des Styls. Ohne diese kann die andere Kultur nicht gefördert werden." Jedermann weiß, von welch' entscheidendem Werthe dies bei allen Bestrebungen ist, die auf die Menge gerichtet sind und von ihr Unterstützung verlangen. Aber wie an dieser Mangelhaftigkeit der Form litten auch die Führer des Vereins an der Mangelhaftigkeit des Inhalts und der Begeisterung. Bendavid war steifer Kantianer, und konnte darum auch ein aufrichtiger und treuer Anhänger des Judenthums sein. Gans, Moser und Wohlwill waren Hegelianer, und vermochten. daher die positive Religion nur forinal aufzufassen. Dem Hegelianer war Alles vernünftig, was ist, er suchte das Vorhandene dialektisch zu schematisiren, und selbst das Unvernünftige, weil es einmal ist, wenn es nicht anders ging, durch allegorische Spitzfindigkeit dem System anzuknüpfen. Es ist hier nicht der Ort, dies näher auszuführen, aber man braucht nur die Berichte des Präsidenten des Vereins, Eduard Gans, zu lesen, um es jetzt geradezu lächerlich zu finden, daß mit diesen hohlen Phrasen dem Judenthume und den Juden etwas abzugewinnen geglaubt wurde. So sagt Gans in einem Berichte: „Treten wir dem Begriffe des heutigen Europa näher, so ist er der der Vielheit, deren Einheit allein im Ganzen ist, das jüdische Leben aber ist die noch garnicht zur Vielheit gekommene Einheit. Das jüdische Volk besaß die fruchtbare Bildsamkeit, mit der es eine neue Welt aus sich heraus geboren, ohne selbst dieser Welt theilhafteg zu werden." Als das, was mit den Juden in Europa geschehen solle, bezeichnet er: „Nur die störende und blos auf sich reflectirende Selbstständigkeit soll vernichtet werden," nicht die dem Ganzen untergeordnete; der Totalität dienend, soll es sein Substantielles nicht zu verlieren brauchen." Daran hat man genug, um zu wissen, daß die Juden hiermit nichts anzufangen vermochten. Diese Leerheit an jüdischem Inhalt zeigte sich denn auch faktisch, denn dieser Präsident des Vereins verließ kurz nach der Auflösung desselben das Judenthum, und Moser und Wohlwill, die früher eine solche Handlung mindestens als einen „Freundschaftsbruch" angesehen hätten, verübelten es ihm gar nicht. Und nun fragen wir, was Männer solcher Färbung wohl dem Judenthume und den Juden zu geben hatten? Anders Heine, der noch später in seinen Denkworten auf Ludwig Markus sagte: „Dieser hochbegabte Mann kann am wenigsten in Bezug auf bescheidene Selbstaufopferung, auf anonymes Märtyrerthum gerühmt werden. Ja, wenn auch seine Seele sich rasch und weit erschloß für alle Heilsfragen der Menschheit, so ließ er doch selbst im Rausche der Begeisterung niemals die Personalinteresten außer Acht . . . Mit Bekümmerniß muß ich erwähnen, daß Gans in Bezug auf den erwähnten Verein für Kultur und Wissenschaft des Judenthums nichts weniger als tugendhaft handelte, und sich die unverzeihlichste Felonie zu Schulden kommen ließ. Sein Abfall war um so widerwärtiger, da er die Rolle eines Agitators gespielt und bestimmte Präsidialpflichten übernommen hatte. Es ist hergebrachte Pflicht, daß der Kapitän einer der Letzten sei, der das Schiss verläßt, wenn dasselbe scheitert — Gans aber rettete sich selbst zuerst." Gans wollte eine Profesiur erlangen, und als er sah, daß ihm dies als Juden nicht möglich sei, wurde er Christ. Von Wohlwill ist es bekannt,, daß er später mehrere Male versuchte, „eine freie religiöse Gemeinde" zu bilden. Doch wir wollen auch hierfür ei» Urtheil bei den Führern selbst suchen. Moses Moser schreibt: „Mag man es nicht als eine Inkonsequenz betrachten, daß der Verein sich auflöst. Was wir in Wahrheit gewollt haben, wollen wir auch jetzt noch, und könnten wir wollen, wenn wir Alle getauft wären." M diesen letzten Worten ist das Urtheil vollständig gesprochen, und wenn die Juden aus den Händen, die ihnen nichts zu bieten hatten, nichts nahmen, sind sie gerechtfertigt, auch wenn nicht im folgenden Jahrzehend schon andere Erscheinungen erwiesen hätten, daß die Juden geneigt waren, weithin auf sich wirken zu lasten, wenn es in richtiger Weise geschah. (Schluß folgt.) Notizen. Nach dem Jew. Mess, ist vor Kurzem ein sehr verdienter jüdischer Officier in der Armee der Vereinigten Staaten durch einen Unglücksfall gestorben. Derselbe hieß Justinian Allmann. Er trat als Freiwilliger 1860 ein und zeichnete sich durch Unerschrockenheit und Tapferkeit so aus, daß er auf den Schlachtfeldern selbst bis zuin Major avancirte. Ein Boot, in welchem er und sein Bruder saßen, schlug um, uud so fand er, 26 Jahre alt, seinen Tod in den Wellen. Sein Leichnain wurde ausgefunden und mit allen militärischen Ehren auf dem jüdischen Friedhof bestattet. Vor Kurzem weihete der Bezirksrabbiner 0r. Hochstädter von Ems eine Synagoge in Limburg ein, welche zuerst dem katholischen, später bis zur Erbauung einer neuen Kirche dem evangelischen Gottesdienste gewidmet war. Die Gelegenheit bot einen reichlichen Stoff für die Predigt, und der Redner wußte ihn wacker zu benutzen. Verlag von Baumgartners Bnchlmndlung in Leipzig. — Druck.von I. B.. Hirschfeld. Verantwortlicher Redakteur Nr. H. Lvtze.

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