Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 28 (7.7.1868)
- Date
- 1868-07-07
- Page
- Seite 560 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3226635-3226664--26237-3261769- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
men (14 Senatoren stimmten nicht mit) ein Mißtrauensvotum gegen das Ministerium Bratiano; das letztere gab seine Demission, Fürst Karl nahm sie an und berief zwei Männer zur Bildung eines neuen Ministeriums, welche von jeher Freunde der gesetzlichen Freiheit, Dertheidiger des Rechtes und der Duldsamkeit waren. Unterdeß machten sich die Anhänger jener „Rothen" in der Deputirtenkammer aus, und votirten mit 69 gegen 20 (15 Deputirte stimmten nicht mit) ein Vertrauensvotum für das Ministerium Bratiano. Alsbald zog dieses seine Demission zurück, und alsbald willigte Fürst Karl ein, die Bratianos beizubehalten, und löste den Senat auf. Es wirft dies auf alle Theile, ganz besonders aber auch auf den Fürsten Karl ein Helles Licht. Der Minister des Aeußern Golesco hat eine Circularnote ergehen lassen, in welcher er die Judenverfolgungen zwar eingesteht, sie aber aus nationalökonomischen Gründen zu beschönigen sucht. Es gelingt ihm dies schlecht, denn Knall und Fall rechtlich abgeschlossene Verträge brechen, über Nacht von Haus und Hof vertreiben, des Eigenthums berauben, mißhandeln u. s. w. — sämmtlich constatirte Thatsachen — ist niemals nationalökonomiscb. Den weitschweifigen Tenor dieses Schriftstückes hier wieder zu geben, ist wegen seines nichtssagenden Inhalts nicht nothwendig. Die in Jas sh ansässigen Juden österreichischer Nationalität haben dem k. k. General-Consul v. Wolfarth heute eine Dankadresse für sein mannhaftes und durchgreifendes Auftreten in der Bakeuer Verfolgungs- Angelegenheit überreicht. Bekanntlich war es in erster Linie Wolfarth's Verdienst, daß durch den Collectivbericht der hiesigen Consuln authentische und unanfechtbare Aufklärungen über die Judenverfolgung gegeben und dadurch die europäischen Cabinette für die Sache des Rechtes und der Humanität engagirt wurden. Wolfarth hatte in dieser Angelegenheit eine sehr schwierige Aufgabe zu lösen; einerseits mußte er gegen den — Optimismus seines unmittelbaren Vorgesetzten, Freiherrn v. Eder, welcher die Dementis des Präfecten Lecca als bare Münze gelten ließ, ankämpfen, und andererseits die Bedenken des russischen und des preußischen Consuls gegen einen der rumänischen Regierung so unbequemen Collectivschritt überwinden. Beides ist ihm erfolgreich gelungen. Die Adresse, welche die Unterschriften der angesehensten Bank- und Großhandlungshäuser des hiesigen Platzes aufweist, lautet: Euer Hochwohlgeboren, hochgeehrter Herr! Während in unserem Vaterlande, Dank der Durchführung des liberalen Staatsgrundgesetzes, die letzte Schranke der confessionellen Freiheit weggexäumt wurde, während auch in anderen Theilen Europas selbst, wo die großen Principien der Humanität und Gerechtigkeit noch nicht vollständig zur Geltung gelangt sind, doch von keiner Judenfrage im Sinne des Fanatismus und der Intoleranz mehr die Rede ist, bereitete sich in dem sonst so toleranten Rumänien eine Reaction nicht nur gegen die liberalen Strömungen, die den gerechten Stolz unseres Jahrhunderts bilden, sondern auch gegen jedes verbürgte und verbriefte Recht in einem Grade vor, welcher die innersten Grundfesten unseres Bestandes als Glaubensgenossenschaft tief zu erschüttern dachte. Es wurde in Wort und Schrift, ja in den Räumen einer legislatorischen Körperschaft Haß und Fanatismus gegen ruhige friedliche Bürger gepredigt, und diese Schmähschriften und Brandreden bezweckten, dieselben ohne Ausnahme außerhalb des Gesetzes zu nennen, sie so jeder Willkür preiszugeben und ihrer materiellen und moralischen Existenz in letzter Lösung den Todesstoß zu versetzen. In dieser schwerbedrängten Zeit, als das Aechzen der Verfolgten von der wuchtigen Stimme der Verfolger übertönt zu werden drohte, da waren es Euer Hochwohlgeboren, eingedenk Ihrer Pflicht als Vertreter eines glorreichen, großen und freien Staates und beseelt vom Gefühle echter Humanität und wahrer Menschenliebe, der zuerst herbeieilte, die Schwachen zu beschützen und das Gewebe der Lüge und Heuchelei zu zerreißen. Sie haben sich, hochgeehrter Herr, dieser würdigen Mission mit ebensoviel Tact als Energie entledigt, auf Ihre Veranlassung und durch Ihre Initiative haben, trotz aller beharrlichen Dementis der einheimischen officiellen Organe, die hiesigen Vertreter der garantirenden Mächte sich zusammengethan und die schauderhaften Greuelscenen, deren Existenz hartnäckig in Abrede gestellt wurde, als Thatsache constatirt. Wol ist bis jetzt die Reihe unserer Leiden nicht geschlossen und wol sind die Acte der entfesselten Leidenschaften noch immer nicht von der Tagesordnung geschwunden, allein die wachende Aufmerksamkeit der Großstaaten einerseits, -des regierenden Landesfürsten andererseits, enthält eine hinreichende Gewähr für unsere Hoffnung und Beruhigung. Und eben diese wachende Aufmerksamkeit ist das Endergebniß Ihrer rast-