Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 27 (30.6.1868)
- Date
- 1868-06-30
- Page
- Seite 541 (sequence 11)
- Language
- German
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lung ab, in welcher nach längerer Verhandlung, an welcher sich die Herren Frankl, Gemeinderach Pollak rc. betheiligten, zum Beschluß erhoben wurde: Der Staat solle für Erhaltung des Rabbinats-Se'minars als Staatsanstalt gleichwie für die anderen zur Heranbildung von Geistlichen und Seelsorgern bestimmten Anstalten aus Staatsmitteln Sorge tragen und die Oberaufsicht über dasselbe, wie er sie sich über alle Unterrichtsanstalten vorbehält, ausüben. Zur unmittelbaren Leitung sei jedoch ein jüdisches Curatorium zu berufen. — Indem der Vorstand diese Ueberzeugung ausspricht, findet er sich jedoch, in Anbetracht der Dringlichkeit des Gegenstandes und in Berücksichtigung der gegenwärtigen finanziellen Lage des Staates, zu der Aeußerung veranlaßt, daß i. eventuell die jüdischen Landesmasse-Fonds mit einer verhältnißmäßigen Quote und ohne Beeinträchtigung ihrer sonstigen Zwecke zur Gründung und Erhaltung des Rabbinats-Seminars herangezogen werden mögen, und daß 2. zu erwarten stehe, daß die jüdischen Gemeinden durch freiwillige Beiträge das Zustandekommen des erwähnten Institutes befördern werden. Pest, 14. Juni. In Eperies hat auch eim Geschichte h la Sarah Radamska gespielt, sie ist aber anders verlaufen als die im cisleithanischen Oesterreich. Zwei Judenmädchen, erzählt der „Pester Lloyd", begaben sich zum griechischen Bischof in Eperies, mit der Erklärung, sie seien gesonnen, sich taufen zu lassen und suchten zugleich, ihren Eltern gegenüber, um dessen Schutz an. Der Bischof gewährte ihnen denselben, indem er sie in einem in der Stadt befindlichen Nonnenkloster unterbrachte. Die Eltern der beiden Mädchen hatten dioS kaum erfahren, als sie sich anschickten, ihre respektiven Töchter im Kloster aufzusuchen und von ihrem Vorhaben abwendig zu machen. Der Zutritt wurde ihnen verwehrt und auch vom Bischof war keine Erlaubniß zu erhalten. Nun wurde der Minister Eötvös in Kenntniß gesetzt, der an den Bischof sofort die Aufforderung ergehen ließ, die beiden Mädchen ihren Eltern auszuliefern. Der Bischof folgte jedoch dieser Weisung nicht und gab die jungen Flüchtlinge selbst dann nicht heraus, als auch der Eperieser Magistrat — gleichfalls im Aufträge des Ministeriums — in der Angelegenheit intervenirte. Es bedurfte einer nochmaligen, Aufforderung des Herrn Cultusministers, bis der hochwürdige Herr sich fügte und die beiden soit disant Bräute des Himmels ihren Eltern überantwortete. Innsbruck, 8. Juni. Der erste Fall, daß in Tirol eine Aufnahme als Bürger ohne Rücksicht auf das Religionsbekenntniß erfolgte, wird in Botzen Statt gefunden haben, wo dem-israelitischen Bänquier Lehmann erklärt wurde: es stehe seiner Ansäffigmachung nichts entgegen, sobald er das österreichische Staatsbürgerrecht erlangt habe. Staniölau (Galizien), 4. Juni. Heute fand i» der großen Synagoge für Mühlfeld ein feierlicher Trauergottesdienst statt. Sämmtliche Kaufläden sind geschlossen. Frankreich. Paris, im Juni. Das Budget von 1869 erhebt die Kosten des israelitischen Cultus aus Staatsmitteln zur Höhe von 252,460 fr., wovon 25,006 auf Kosten israelitischer Cultusbaulichkeiten, 17,600 fr. auf Algerien kommen. 5500 fr. sind zur Erhöhung der Rabbinatsgehalte, welche unter 1200 fr. sind, gefordert, sowie 2700 fr. zur Erhöhung der Entschädigungskosten von neuen Consistorien um je 300 fr. Es werden vom Staate 67 Rabbinen und 63 Vorbeter unterhalten und 22,000 fr. für das israelitische Rabbinerseminar zu Paris ausgegeben. Türkei. Constantinopel, im Juni. Es ist jedenfalls von Interesse, die bedeutenden Fortschritte zu verfolgen, welche der gegenwärtige Sultan mit Wort und That betteibt. Dem Moniteur wird aus C o n st a n t i n o p e l Näheres über die Audienz der Vorsteher der nicht muselmanischen Culten, die dem Sultan ihren Dank für die ihnen gewährte Religionsfreiheit auszusprechen gekommen waren, berichtet. Der Sultan erwiderte auf die Ansprache des griechischen Patriarchen mit fester, lauter Stimme' Folgendes: Ich danke Ihnen für die Glückwünsche, welche Sie an mich richten; ich freue mich des Glückes meiner Unterthanen, welche ich als vollkommen einander gleich- 27*