Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 27 (30.6.1868)
- Date
- 1868-06-30
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Allcm eint WMMNWN«?WWWW» M 27. Zeitung des Zudcnthums. 32, JahrgM unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner vr Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 30. Juni 1868. III *■■■!■-. . .— .! J .. >->-'««-..1.1,...----- ■ ■■■'■.. ■Ilili— ■■■■■!■ mnmmrn Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal Dienstags, in 2 bis Bogen. Preis des Jahrgangs 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Vierteljährig l Thlr. Inserate werden mit l*/2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition sür beide Letztere hat sich das Königl. Sachs. Haupt-Zeitungs-Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leiteüde Artikel: Ein Brief über die gegenwärtige Weltlage. — Nochmalige Verhandlungen im norddeutschen Reichstage. — Die Rabbinerversammlung. Zeitungsnachrichtenr Deutschland: Aus Ostpreußen. O e st e r r e i ch i s ch e r K a i s e r st a a t: Wien, Pest, Innsbruck, Stanislau. Frankreich: .Paris. Türkei: Constantiuopel. , Feuilleton-Beilage r Der Abend. — Heine von Adolph Strodtmannn. — „Esther". Leitende Artikel. Bonn, 21. Juni. Ein Brief über die gegenwärtige Weltlage. (Schluß.) Die deutsche wie die italienische Frage sind, wie sie sich jetzt gestaltet haben und gewissermaßen formulirt sind, von sehr jungem, an sich aber von sehr altem Datunr. In Deutschland bestand von dem Augenblicke an, wo Preußen eine hervorragende und politische Stellung eingenommen hatte, die Frage, wem die Führung und Obmacht in Deutschland zukünftig gehören solle, ob Oesterreich oder Preußen? Schon- Friedrich d. Gr. hatte durch den Fürstenbund gezeigt, daß er der deutschen Kaisergewalt gegenüber Preußens Präponderanz geltend zu machen nicht anstehe, und seit dem siebenjährigen Kriege konnte es nicht mehr zweifelhaft sein, daß es gelten werde, ob Preußen erniedrigt und beschränkt, oder Oesterreich aus Deutschland/herausgedrängt werde. Mit der Niederlegung der deutschen Kaiserkrone war die Gleichstellung aller deutschen Souveräne anerkannt; der deutsche Bundestag eignete Oesterreich nur eine Prästdialstellung inter pares zu, und vertagte theils die Entscheidung, theils häufte er nur den Zündstoff für den Kampf. Der Reformversuch des Kaisers Franz Joseph in Frankfurt a. M. zeigte klar, daß Oesterreich die Macht, Deutschland zu reorganisiren, und zwar im Sinne der deutschen Nationalversammlung von 1848 nicht mehr besitze. Das Schwert mußte entscheiden. Seitdem (1866) hat also die deutsche Frage ihre jetzige Gestalt angenommen: der norddeutsche Bund besteht, es frägt sich, ob er die vier Südstaaten zu absorbiren vermag, und welche seine Stellung zu Deutsch-Oesterreich sein werde. Aber, wie wir gesehen, die Lösung ist auf längere Zeit vertagt. Ebenso reicht die Frage um die Existenz des päpstlichen Throns bis tief in das Mittelalter hinein, wo theils von den deutschen Kaisern, theils von | den italienischen Republiken und Fürsten, theils von den Römern selbst die weltliche Herrschaft des Papstes so oft bestritten worden. Erst Napoleon l. annullirte sie und ließ sie in das Königreich Italien aufgehen, von welchem er freilich Neapel wieder trennte. Mit 1859 erstand sie von Neuem, und wird nicht eher verschwinden, als bis entweder Italien wieder aus seiner Einheit heraus in Stücken geschlagen oder der Kirchenstaat aus der Reihe der politischen Körper gestrichen sein wird. Wir haben gesehen, daß diese Entscheidung auf längere Zeit vertagt ist. , &