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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-06-23 · Heft 26 (23.6.1868) · p. Seite 527

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 26 (23.6.1868)
Date
1868-06-23
Page
Seite 527 (sequence 17)
Language
German
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Allg c m c i ii t Zeitung -es Audcnthumö. FeuMon-Leilage zu tlr. L6. Leipzig, den 23. Juni 1868. Der Abend. IV. So hoch, wie dort die leichte Lerche steigt Und höher noch den Tanz der Töne führt; So hoch, wie dort der Wolken Flug sich hebt, Von West nach Ost bald rasch, bald träge zieht; Wie hoch die Sterne ihren Reigen gehen, Der eine fern vom andern strahlt und blitzt — So hoch und höher steigt die Liebe mir, Und unermüdet lüftet sie die Schwingen Und immer weiter zieht sie ihre Kreise . . . So tief im Abgrund ew'ge Wasser rauschen, So tief des Ozeanes Wellen decken Die Berg' und Thäler auf dem tiefsten Grund, So tief im Schoost des Erdballs Feuer wallen Und der Metalle Gluthengüffe kreisen — So tief und tiefer quillt die Liebe mir, Ein kühler Strom, ein Feuerqnell zugleich, Und steigt herauf aus ungeahnter Tiefe Und füllt das Herz und füllt die Seele aus . . . O Thor von Greis, hast Du es nicht erfahren? Vorüber wandelt all' die Menge Dir, Der eine tritt, der andre an Dich heran, So lang's ihm Freud, so lang' er Nutzen steht; Dann geht er fort, Du bist ihm nur ein Name, Nur kurze Zeit — der Name ist vergessen. O Thor von Greis, wie Du auch liebst und giebst, Sie fragen Dich: was schaffst Du Dir damit? Sie setzen sich — weißt Du es? — zu Gericht Und tragen weithin ihren Urtheilsspruch — Der Knabe sah's und könnt' es nicht verstehen, Der Jüngling sah's und ballte seine Faust, Der Mann erfuhr's und schüttelte das Haupt, Der Greis erschaut's, und — liebet immerfort. O List und Trug, o Haß und wilde Rache — Auf allen Wegen dieser Menschen steht Und droht und treibt und herrscht und wüthet ihr — O Thor von Greis, brach nicht der Liebe Schwinge, Versiegte doch der Liebe Quell Dir nicht? Dir wallt das Herz vor'm Menschenangesicht Noch freudig auf, und durch der Augen Strahl Blitzt Dir der Strom der unerschöpften Liebe — Kühl ist der Abend, schaurig weht der Wind, Doch fester hältst Du das Gewand der Liebe. Heine von Adolf Strodtmann. Vor Kurzem ist der erste Band einer ausführlichen Biographie H. Heine's von Adolf Strodtmann erschienen*), die auch in diesen Blättern besondere Beachtung verdient. Wir haben es oft persönlich erfahren, wie drückend für junge, aufstrebende Israeliten, in deren Brust ein heiliges Feuer für ihren Glauben und ihre Glaubensgenossenschaft brannte, es war, wenn sie zu bemerken Veranlassung hatten, daß so viele bedeutende Männer israelitischer Geburt zur christlichen Kirche übergetrete». Was für Ursachen walteten hierbei vor? Hatten dieselben die Religion Israels für einen Jrrthum, die Lehren des Christenthums als Wahrheit erkannt? Oder waren andere Motive dabei vorwaltend? Und welche? Es ist daher weder Einseitigkeit noch Gehässigkeit, wenn in dem Leben solcher, vom Judenthume Abgefallenen über diese Motive und Verhältnisse nachgeforscht wird. Es giebt einerseits da Beiträge zum Charakterbilde des Mannes, welche vielleicht wenig schmeichelhaft für ihn, aber der Wahrheit und Gerechtigkeit um so entsprechender sind; wichtige Beiträge ferner zum Verständniß der Zeit, zur Charakterisirung der Verhältnisse und der Tendenzen der Zeit, und endlich wird man sich über die Stellung der Religionen und Confessionen zu einander klarer. Der erste Band dieser Biographie Heine's erstreckt sich nun bis zu dem Abschluß der Universitätsjahre Heine's, das ist auch bis zu seiner Taufe, und giebt daher vielfache Veranlassung, über das Verhältniß Heine's zum Judenthume zu sprechen. Strodtmann thut dies mit großer Unparteilichkeit; ihm ist der Religionswechsel, wenn er nicht, wie dies überaus selten ist, aus einer innersten Ueberzeugung geschieht, eine Hand- *) H> Heine's Leben und Werke. Bon Adols Strodtmann. Erster Band. Berlin, Franz Duncker. 1867.

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