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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-06-23 · Heft 26 (23.6.1868) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 26 (23.6.1868)
Date
1868-06-23
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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32. I rgang. Allgemeine M 86. Zeitung -es Zudcnthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner vr Ludwig Philippfon in Bonn. Leipzig, den 23. Juni 1868. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal Dienstags, in 2 bis 2'A> Bogen. Preis des Jahrgangs 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Vierteliahrrg Inserate werden mit 1'/., Ngr. für die Pelitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen lungen an; der Haupt-Expedition sür beide Letztere hat sich das Königl. Sachs. Haupt-Zeitungs-Bureau hier unterzogen. t Thlr Bestel- Inhalt. Leitende Artikelr Ein Brief über die Weltlage. — Rumänien X. — Der öffentliche Gottesdienst VI. — Literarischer Wochenbericht: Bonn. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Bonn, Berlin, Aus der Provinz Posen, Nordenburg, Rosenberg. R u ßland: Bon der polnischen Grenze. Correspondenz r Bericht über die Conferenz des Vereines isr. Elementarlehrer, für Westphalen und Rheinprovinz zu Dortmund am 20. und 21. April. — Monatsberichte aus Ungarn IX. Feuilleton-Beilage r^Der Abend. — Heine von Adolph Strodtmannn. — Gedichte eines polnischen Juden. Leitende Artikel. Bonn, 14. Juni. Ein Lrief über die Weltlage. Sie wollen von mir die Frage beantwortet haben: ob die Friedensaussichten, ja die Friedenszuversicht, die sich jetzt über Europa ausgebreitet, der schwülen Ruhe gleichen, die dem Sturme vorangeht, oder ob sie uns die Sicherheit für einen dauernden Frieden und all die Segnungen bieten, welche in dem geistesbewegten und thatkräftigen Europa aus solch ungestörter Entwickelung hervorfließen müssen? Ich will Ihnen die Antwort nicht schuldig bleiben; ich will Ihnen meine Ansichten, so gut ich es vermag, ausführlich entwickeln; ich will es in diesen Blättern, denn die allgemeinen Jntereffen der Menschen sind ja auch die des Judenthums, und gerade aus der jüdischen Weltanschauung lasten sich die Verhältnisse im Großen und Ganzen klar und religiös überblicken. Ihre Frage befaßt zwei Momente: erstens, sind internationale Streitelemente vorhanden, welche zu einem Kampfe der Völker oder doch der Staaten mit den Waffen führen können? Zweitens, sind die Verhältnisse und Stimmungen geeignet, schnell zu diesem Kampfe zu treiben, oder ihn auf unbestimmbare Zeit hinanszuschieben? Es 'versteht sich, daß man diese Fragen eben nur aus allgemeinen Gesichtspunkten zu beantworten vermag; unvorherzusehende Ereignisse können immer einen Strich durch die Rechnung machen, obschon sie, um unter entgegenstehenden Verhältnissen und Stimmungen zu wirken, von außerordentlicher Energie und Tragweite sein müssen. Schwerlich gab es bis jetzt eine Zeit, in welcher die erste Frage nicht bejahend beantwortet werden mußte, und so sehen wir auch gegenwärtig drei Objecte vorhanden, welche einen großen Brand unter den europäischen Völkern zu entzünden im Stande wären: die Neugestaltung in Deutschland, die weltliche Herrschaft des Papstes und die orientalische Frage. Werfen wizunächst unseren Blick auf die erstere, so wäre zwar voraus, zusetzen, daß sie eine innere deutsche Angelegenheit seir um welche sich andere Staaten nicht zu kümmern hätten- Aber in Wirklichkeit ist sie dies nicht. Die Machtvert hältnisse der europäischen Staaten unter einander waren für diese stets ein höchstes Interesse, und cs kann daher die Bildung eines centralisirten Deutschlands, dessen ganze Macht in eine Hand vereinigt wäre, nicht gleichgültig

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