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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-06-02 · Heft 23 (2.6.1868) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 23 (2.6.1868)
Date
1868-06-02
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Acituna -es Äudcntbums. l l g e m 11 n e ayrgang. M 23 Ein unparteiisches Organ für alles Wische Interesse. Her aus gegeben von Rabbiner vr Ludwig Phklippson in Bonn. Leipzig, den 2. Juni 1868. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal Dienstags, in 2 bis 21/.2 Bogen. Preis des Jahrgangs 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Vierteljährig 1 Thlr. Inserate werden mit t ll2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs - Expeditionen nehmen Beftelllungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich das Königl. Sachs. Haupt-Zeitungs-Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Der öffentliche Gottesdienst. III. — Zwei Gegensätze. — Rumänien VIII. — Literarischer Wochenbericht: Berlin. Zeitungsnachrichten r Deutschland: Bonn, Posen, Aus der Provinz Posen, Oesterreichischer Kaiserstaat: Wien, Pest;Lernberg.. D onaufürstentbümer: Bukarest, Jassy. Rußland: Odessa. Italien: Ans Oberitalien. Feuilleton-Beilage r Bernhard Frankfurter. — Correspondenz. — Jüdische Auswanderungsgesellschaft in London. Leitende Artikel. Bonn, 24. Mai. Der öffentliche Gottesdienst, m. Beider Erörterung der gottesdienstlichen Frage ist es vor Allem nothwendig, sich klar zu machen, welche Anschauung über Zweck, Wirkung und Werth des öffentlichen Gottesdienstes in unserer Zeit die allgemein verbreitete ist. Denn man wird leicht einsehen, daß von dieser Anschauung die Gestaltung desselben nicht allein abhängig gemacht werden muß, sondern abhängig ist- Es ist einer jener Jrrthümer, welche von den Gegnern, und die Absicht ist unschwer erkennbar, aufgebracht, verbreitet und immer wiederholt wird, als ob das Drängen nach Umgestaltung überkommener Formen nichts als die Sucht zu zerstören, als ein aus bloßer Verneinung, ja Unglauben hervorgehender Trieb niederzureißen sei. Wer vorMheilsfrei prüft, wird gewahren, daß diesem Drängen nichts anderes zu Grunde liegt, als eine völlig veränderte Anschauung, die aber keineswegs allein im Widerspruch mit dein Ueberkommenen besteht, sondern einen völlig positiven Inhalt, vielleicht noch positiveren hat, als die frühere. Der bloße Widerspruch bringt lediglich den Verfall cherbei, die Umgestaltung geht von einer posiriven Anschauung aus, die anfangs noch nicht zu klarem Bewußtsein gekommen, aber mit der Zeit zu solchem sich abklärt. Die Anschauung, die allgemeine, thatsächliche Anschauung der letzten vorangegangenen Jahrhunderte über alle kultuellen Acte war: daß der Jude als solcher die strenge Verpflichtung habe, die sälnmtlichen vorgeschriebenen Gebete zu sprechen und die dabei vorgeschriebenen Gebräuche zu üben; jede Unterlaffung, selbst nur die Unterbrechung bestimmter Theile der Gebete war eine Uebertretung, eine Verletzung der Psticht, der Schuldigkeit. Es versteht sich, daß vorausgesetzt war, der Betende sei auch mit dem Geiste dabei, und richte seine Gedanken auf den Sinn der Worte, die er spricht; dennoch war dies wesentliche Vorschrift wiederum nur bei bestimmten Gebeten. Sicher ist es, daß wahrhaft fromme, kindlich fromme Gemüther eine heiße Andacht bei Ausübung aller dieser Vorschriften empfanden; ja noch mehr, daß selbst sehr oberflächliche Beter, und deren war die große Mehrzahl, dann und wann bei dem Sprechen der Gebete in eine andächtige Stimmung geriethen. Aber es ist doch nicht zu verkennen, daß diese Anschauung schon der bloßen Form einen großen Werth, ja den Hauptwerth beilegte, daß wenigstens mit der Zeit sein Produkt ein gedankenloses

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