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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-05-26 · Heft 22 (26.5.1868) · p. Seite 438

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 22 (26.5.1868)
Date
1868-05-26
Page
Seite 438 (sequence 8)
Language
German
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4S8 Gemeinde ein Geschenk von 120 Thlr. gemacht, um den Weg nach unserem Friedhofe mit einer Baumallee zu schmücken. Man kann hieraus das gute Einvernehmen erkennen, in welchem die Confessionen hier miteinander leben. Aus dem Großherzogthum Baden, 5. April (Privatmitth.j Sie haben kürzlich die Ernennung einiger höheren Staatsdiener israelitischer Religion, auch die Biographie des allgemein hochgeschätzten Abg. Di'. Rudolph Kusel (nicht Kosel) mitgetheilt, gewiß zur Freude all Ihrer Leser. Es zeigen jene Ernennungen die hohe Erleuchtung unserer Regierung, bezw. den erhabenen Gerechtigkeitssinn unseres weisen Großherzogs; dann die Wahl Kusels zum Abgeordneten der Residenz, die vorurtheilsfreie Intelligenz der Hauptstadt. Vielleicht noch mehr Genugthuung bietend für die alte Zurücksetzung der Juden ist es, wenn selbst im Landvolke Beweise von Zutrauen und Achtung für würdige Israeliten zu Tage treten, und ich befinde mich in der angenehmen Lage, Ihnen zwei solche ganz neue Kundgebungen berichten zu können. Die erste betrifft die Wahl eines Bezirks- Rathes. Nach dem Badischen Verwaltungs-Gesetze vom Jahre 1863 wird alljährlich in jedem Amtsbezirk ein Bezirksrath gewählt, je nach der Ausdehnung des Bezirks, aus 6 bis 9 Mitgliedern bestehend. Dieser Bezirksrath ist dem Bez.-Beamten zur Mitwirkung bei der Entscheidung öffentlich rechtlicher Streitigkeiten und zur Unterstützung bei der sonstigen staatlichen Verwaltung beigegeben, und ist somit eine Stelle von bedeutendem Einflüsse. Die Ernennung geschieht in der Weise, daß in jeder Gemeinde ein Verzeichniß sämmtlicher Gemeindemitglieder, die das 25. Lebensjahr erreicht haben, aufgestellt, dann 14 Tage lang auf dem Rathhause aufgelegt wird, um etwaige Einsprachen abzugeben, hierauf geht es an den Kreisausschuß, welcher sich mit dem betr. Bez.-Beamten über die einzelnen Persönlichkeiten bespricht, und zuletzt seine Vorschläge an das Ministerium des Innern gelangen läßt, welches bte‘ endgiltige Ernennung ausspricht. Das ist gewiß ein langer Weg, auf welchem viele Anstände sich ergeben können, und es ist eben deshalb ein desto erfreulicheres Ereigniß, wenn eine so wichtige Ernennung auch auf Israeliten fällt, wie dies schon in Carlsruhe und Mannheim der Fall war, aber selbst auch im Bez.-Amte Radolfzell, wo schon früher der israelitische' Vorsteher Baruch Kaufmann in Gailingen und neuestens, am 1. Marz d. I., dessen Schwiegersohn, der dortige Rabbiner De. Sondheimer zum Bez.-Rathe ernannt worden ist, vielleicht der erste Geistliche (nicht bloß Rabbiner! im Lande, welcher mit dieser Würde betraut worden ist, die eines so großen Vertrauens bedarf. Der Ernannte muß nach Gesinnung und Wirffamkeit ein wahrer Mann des Volkes sein, denn nur in diesem Falle vermag er Gutes schaffen zu helfen. Man bedenke aber, das Bez.-Amt Radolfzell umfaßt 25 Gemeinden mit etwa 16,000 Einwohnern, aus diesen werden im Ganzen 7 Bez.-Räthe ernannt, und von diesen 7 ist Einer ein Rabbiner; das ist wahrlich ein Fortschritt, welcher den Ernannten wie die ernennenden Organe gleichmäßig sehr hoch ehrt. Der zweite Fall, welchen ich zu berichten habe, läßt sich kürzer beschreiben, ist aber Nichts desto weniger höchst erfreulich. Die kleine Landgemeinde Neufreistätt, Bez.-Amts Kork im Kreis Offenburg, hat kürzlich ihren israelitischen Mitbürger Moritz Rubin zum Mitgliede des Gemeinderathes erwählt, und zwar erhielt er die meisten Stimmen von Seiten der christlichen Wähler. Herr Rubin ist von Profession ein Seifensieder, ein zwar wohlhabender, aber keineswegs durch Reichthum und Ostentation hervorragender Mann, aber ein allgemein hochgeschätzter Biedermann und mit guter Schulbildung ausgestattet, er besitzt seit vielen Jahren das Zutrauen und die Achtung seiner Mitbürger, ohne Unterschied der Religion, was ihm jetzt dadurch bewiesen wurde, daß er zum Mitgliede derjenigen Behörde erwählt wurde, welche die wichtigsten materiellen und moralischen Interessen der Gemeinde zu verwalten hat. Der Gemeinderath von Neufreistätt besteht aber nur aus 3 Mitgliedern, und deren ist Einer ein Jsraelite, und von der zuständigen Staatsbehörde verpflichtet und bestätigt. Wahrlich solchen Bericht glaube ich würdig damit schließen zu dürfen, daß ich rufe: Hoch Baden, hoch sein Großherzog Friederich, hoch seine Regierung und sein Volk! Aus Ostpreußen, im Mai. (Privatmitth.j Schreiber dieses war wohl der Erste, der in diesem Blatte auf das große Elend aufmerksam machte, welches unter den Juden der Preußisch-Russischen Grenze obwalte, allein, während er die Hauptschuld, für die Verkommenheit dieser Leute in ihrer Unbildung suchte, die sie von allen Bestrebungen der Zeit fernhält, von den Anschauungen der Wirklichkest Nichts zu ihnen, gelangen

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