Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 21 (19.5.1868)
- Date
- 1868-05-19
- Page
- Seite 430 (sequence 24)
- Language
- German
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430 kriegs aber zog er sich, am 4. Februar 1861, vom Senate zurück, nachdem er in jener so berühmt gewordenen Abschiedsrede das Recht seines Staates, sich vom Bunde loszureißen, abgesehen von der Tendenz, mit einer Wärme und Beredtsamkeit und mit einem Scharfsinne vertheidigte, die einer besseren Sache würdig gewesen wären. Wir setzen die Schlußrede an das Ende dieser Skizze her, gestehen aber offen, daß wir nicht im Stande waren, die Kraft der Ausdrücke, die hohe Schönheit der Sprache, das wahrhaft Tragische in der ganzen Darstellung auch nur entfernt wiederzugeben. Ein damaliger Berichterstatter sagt: „Als Herr Benjamin geendet, sammelten sich die Senatoren, ohne Rücksicht der Partei, um ihn, ihm ein herzliches Lebewohl sagend. Die ganze Scene brachte den tiefsten Eindruck hervor." (Highly impressive.) Herr B. begab sich nun nach Hause und wurde kurz darauf von Jefferson Davis zum Staatssekretär (Secretary of State) der sogenannten conföderirten Staaten ernannt. Er begleitete im Mai des Jahres 1865, nach Beendigung des Bürgerkrieges, Davis auf seiner Flucht, entging aber, glücklicher als jener, noch rechtzeitig der Gefangennehmung, und flüchtete nach der Havanah, von wo aus er nach London ging, woselbst er, wie schon erwähnt, zu den hervorragendsten Advokaten zählt. -H. Hochheimer. Senator Lenjamin's Schlußworte, gesprochen im Senate am 4. Februar 1861. Und so sage ich denn Ihnen, Herr Präsident, und meinen Bruder-Senatoren (brothcr Senators; auf allen Seiten dieser Kammer ein ehrerbietiges Lebewohl! Mit vielen von denen, die durch ihre politische Gesinnung durch eine weite Kluft von mir getrennt sind, waren meine persönlichen Beziehungen herzlich, und haben mich mit einer Achtung und Hochschätzung erfüllt, die ich nicht so leicht vergessen werde; von denen aber rings um mich her, die den südlichen Staaten angehören, scheide ich, wie wir von Brüdern scheiden am Vorabende («n ilic eve) einer temporären Trennung: mit einem herzlichen Händedruck und einer lächelnden Versicherung einer baldigen Erneuerung süßer Gemeinschaft am Familienherde. Zu Euch aber, edle und hochherzige Freunde, die Ihr unter anderen Himmelsstrichen wohnet (who L>ow beneatli older skies), die Ihr Herzen besitzet, die sympathetisch mit den unseren schlagen, — zu Euch, die Ihr durch Beweggründe, welche selbstsüchtige Naturen am mächtigsten ergreifen, bestürmt und angegriffen worden seid und ihnen Trotz geboten habt,— zu Euch, die Ihr um unseretwillen Eure Brust entblößt und sie dem wilden Toben der Stürme preisgegeben und des Lebens glänzendste Preise als willige Opfer gebracht habt in Eurer Hingebung für constitutionelle Freiheit, — zu Euch, die.Ihr unsere Sache zu der Eitrigen gemacht, und von Denen ich, wie ich es fühle, zum Theil auf immer scheiden werde — was soll ich sagen? Für meine eigene Person, das weiß ich und fühl' ich, Hab' ich nichts (naught) za sagen, doch das will ich im Namen des Volkes sagen, für welches ich heute spreche: Ob glückliche oder widrige Schicksale Euch erwarten, ein unschätzbarer Schatz ist Euer: die Versicherung, daß ein ganzes Volk Eure Namen besitzt und sie in einem dankbaren und liebevollen Gedächtnisse bewahrt. Aber mit einer noch süßeren und rührendern Vergeltung soll Eure uneigennützige Hingebung belohnt werden. Wenn in späten Tagen die Begebenheiten (story) der Gegenwart werden geschrieben werden, wenn die Geschichte ihr unbiegsames Urtheil über die irregeleiteten (erring) Männer gefällt haben wird, die harmlose Brüder aus ihrer gemeinschaftlichen Heimath Hinausgetrieben haben, dann wird dieser Contrast Euren Namen frischen Glanz verleihen, und wenn Eure Kinder, oft wiederholt, die bekannte Erzählung hören werden, dann werden ihre Wangen glühen, ihre Augen leuchten, ihre Seelen selbst werden aufjauchzen (their very souls will stonr on tip— toe), wenn ihre Vorfahren (Sires) genannt werden, und sie werden sich rühmen abzustammen von Männern, deren Geist so edelmüthig und deren Patriotismus so hochherzig war, als er nur zu irgend einer Zeit den amerikanischen Senat erleuchtete und schmückte. — Gute Freunde, lebt wohl! Literarisches Kuriosum. Saphir'« Grabschrift.*) Auf dem protestantischen Friedhofe bei Wien ruht, nicht ferne von Hebbel, Saphir, der Mann, der einst die Geißel ves Spottes so unbarmherzig schwang. Doch verwundend war nur die Form, in die er seine Gedanken goß, edel und groß war sein Herz, und aus dem schneidigen Worte leuchtete versöhnend und gewinnend die lautere Absicht. Seine Grabschrift, die er sich bei Lebzeiten selbst verfaßt, lautet: Meine Seele, Herr! leg' ich in Deine Hand, Wenn Du mich einrusst in Dein Sternenland. Zu jeder Stund', zu jeder Zeit Bin ich auf Deinen Ruf bereit; Ich bin inir keiner Sünd' bewußt, Die in der Sterbestund beengt die Brust. Was ich im dunklen Lebensgang Geirrt, gefehlt mein Lebenslang, Vergebe mir in Gnad' und Huld, Denn Jrrthum war es, und nicht Schuld. *1 Aus A. Chr. Jesfm's „Frei Pädagogische Blätter". - Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redakteur Ur. H. Lotze.