Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 20 (12.5.1868)
- Date
- 1868-05-12
- Page
- Seite 396 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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3S6 grundgesetzen an dessen Stelle zu setzen: Die Anstellungen an der Handels-Akademie sind allen Befähigten ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses zugänglich. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Frankreich. Paris, im April. (Privatmitth.) Bekanntlich ist eine Reorganisation der hiesigen Sternwarte vorgenommen, und ein Aufsichtsrath von acht Mitgliedern erwählt worden, welchem der berühmte Direktor derselben, Leverrier, untergeordnet worden, weil gegen seine Verwaltung viele und begründete Klagen erhoben werden In diesen Aufsichtsrath wurde auch Herr Moritz Löwh, ein ausgezeichneter Astronom, ein österreichischer Israelit, gewählt, welcher wegen seines Glaubensbekenntnisses den Zutritt zur Wiener Sternwarte nicht erlangen konnte und deshalb vor Jahren nach Paris ging. Hoffen wir, daß auch in Oesterreich unter dem neuen Regime die Ansicht aufgegeben werde, daß nur der spezifische Christ den Himmel richtig Merviren könne, und daß Oesterreich entweder so wenige geistige Kräfte brauche, oder einen solchen Ueberfluß daran habe, daß es dieselben ruhig an das Ausland abgeben dürfe. Italien. Au- Oberitalien, 18. Februar. (Privatmitth.) Zu den Gemeinden Italiens, welche in jüngster Zeit zur Verschönerung oder Errichtung neuer Gotteshäuser bedeutende Summen geweihet haben, gesellt sich nun auch die von Alessandria (Piemont), wo seit mehrern Monaten auch bereits Hand ans Werk gelegt wurde. Immerhin ein Beweis von religiösem Leben und Theilnahme an den Interessen des Judenthums. In unfern Zeitschriften (Educatore IsraeJita und besonders Corriere Israelitico) ist in den Heften der letzten Monate eine lebhafte Debatte über die Convenienz einer Rabbiner-Versammlung zu lesen, woran vorzüglich Rabbiner Mortara für, Professor Della Torre dagegen, Theil nehmen. Es ist dieses freilich eine mehr theoretische Besprechung des Gegenstandes, welche bis nun, Dank sei es der Mäßigung der streitenden Parteien, kaum bis zur Gränze der Persönlichkeiten angelangt ist. Prof. Della Torre bestreitet die Competenz der Rabbiner, Reformen in Religions-Sachen vorzunehmcu; Rabbiner Mortara behauptet eine solche, in wie fern die Rabbiner von ihren Gemeinden delegirt sind, als deren berufensten Repräsentanten, und beweist die Reformfähigkeit sämmtlicher religiösen Institutionen aus seiner Theorie der mündlichen Gesetzeslehre. Wie man auch über diesen Gegenstand denken mag, so viel ist gewiß, daß eine Zusammenkunft von Rabbinern von mehr als Einer Gemeinde sehr gerne gesehen würde, und daß solche, wenn auch nicht geradezu dem ausgesprochenen Zwecke derselben förderlich, gewiß in mehr als Einer Beziehung wvhlthuend wirken würde. Wie viel hat nicht Deutschland seinen Rabbiner-Versammlungen zu verdanken, nicht etwa wegen der von denselben gefaßten Beschlüsse, sondern wegen des geförderten geistigen und wissenschaftlichen Strebens. Auf den: Gebiete des Geistes ist es nicht wohl anders zu erwarten. Herr Advocat Angelo Segre aus Casale, früher vom Staate besoldeter Armen-Advocat am Gerichtshöfe von Casale, dann von Ancona, ist letzthin zum Appellations-Rathe am Gerichtshöfe von Aquila (Süditalicn) erhoben worden. Schweden. Gothenburg, den 16. April. (Privatmitth.) Wir hatten in der vergangenen Woche den Schmerz einen Mann zu verlieren, der uns Allen nahe gestanden und allgemeiner Hochachtung und Liebe sich erfteut hat. Herr vr. Heinemann, der ftühere Rabbiner unserer Gemeinde, ist nach mchrwöchentlicher Krankheit am ersten Tage des Pesachfestes sanft und ruhig .entschlummert. Das traurige, wenn auch nicht ganz unerwartete Ereigniß hat auf uns alle erschütternd gewirkt, aber auch in weiteren Kreisen die innigste Theilnahme erregt. Die Gothenburger „Handelsoch Sjöfartstidning" berichtet darüber am 8. in folgender Weise: „Gestern Abend verschied Hierselbst der Rector des hiesigen Haudelsinstituts Dr. C. Heinemann, in einem Alter von 66 Jahren. vr.H., der in DeMschland geboren war, wurde vor 30 Jahren von der hiesigen israelstischen Gemeinde zu ihrem Rabbiner erwählt und wirtte in diesem Amte beinahe 25 (soll heißen: 20) Jahre. Gleichzeitig fungirte er (mehrere Jahre) als Oberlehrer der Gemeindeschule und (später) als Rector des Handelsinstituts, welche Stellung er noch bei seinem Tode inne hatte.