Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 20 (12.5.1868)
- Date
- 1868-05-12
- Page
- Seite 392 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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An den Herrn Bürgermeister von Letea. Nr. 101. 1868, 19. März. Der Herr Adjunct ist beauftragt worden, die Austreibung der Juden aus der Gemeinde ins Werk zu setzen. 39/39. Ebenso bezeichnend, wie diese beiden Erlasse für die Haltung der Bureaukratie, der Beamten-Crealuren Bratiano's in der Judenfrage, ist nachstehender am! 0. April Vormittags vom früheren Senator Craeti an den Minister Bratiauo abgeschickter Protest gegen die Vertreibung der jüdischen Wirthshauspächter auf einem der Güter des Ex-Senators bezeichnend für die Frivolität, mit welcher die „Intelligenz", die der Regierung Opposition macht und sich dabei auf den Rechtsboden steift, die Tagesfrage ausfaßt. Die Protest-Depesche lautet: Man hat sich den 26. März (a. St.i, das Osterfest der Juden, ausersehen, um ihre Vertreibung aus den Landgemeinden ins Werk zu setzen oder alle Arten von Bedrückungen gegen sie auszuüben. Der Schänkwirth, welcher seit 25 Jahren in Kalugara wohnhaft gewesen und der mit mir noch für drei Jahre in einem Vertragsverhältnisse steht, war und ist das Opfer dieser Plackereien. Ich spreche nicht zu Gunsten der mosaischen Religion, auch nicht zu Gunsten der Juden, die sogar aus dem Lande gejagt werden können; aber ich glaube, daß es besser gewesen wäre, die Abschaffung der bestehenden Gesetze und die Annahme des der Kammer vorgelegten liberalen, Humanitären Gesetzes (!), das Epoche machen und den Rumänen zur Ehre gereichen wird (!!), abzuwarten; und sicherlich werden alsdann die Interessen der Contrahenten kraft der gesetzlichen Gewalt zerstört werden. Bis dahin aber bitte ich Sie, Herr Minister, mir anzeigen zu wollen, welches Gesetz mir verbietet, meine Wirthshäuser nach Belieben und an wen mir gutdünkt (wäre es auch an einen Chinesen) zu verpachten; wer jene gesetzliche Autorität ist, sage ich, die meine Verträge mit den Israeliten für nichtig erklärt hat? Wenn diese Autorität so hoch erhaben ist, so möchte ich sie bitten, daß sie auch die Nichtigkeit aller meiner Schulden an die Juden decretire, denn sonst wäre das eine Anomalie. Ich berufe mich auf Ihre Gefühle, mein Herr, und verlange Ihre Hilfe, damit ich in meinen Rechten nicht durch ungesetzliche Maßregeln geschädigt werde, umsomehr, als diese jeder Billigkeit ermangeln. Gez.: D. Craeti, gewesener Senator. —. In der Sitzung des österr. Abgeordnetenhauses vom 28. April überreichte Kuranda fünf Petitionen galizischer israelitischer Gemeinden um Intervention betreffs der bedrohten Judenschaft in den Donaufürstenthümern. (Werden dem Petitions-Ausschüsse überwiesen.) —. In Paris geschehen fortwährend Kundgebungen zu Gunsten der rumänischen Juden. Wie De. Bernhard seine treffliche, in diesem Bl. bereits besprochene Broschüre herausgab, so veröffentlicht I’opiniou nationale vom 28, April ein Sendschreiben des Herrn Levy-Bing an die 31 rumänischen Deputirten, in denen er den Standpunkt des Judenthums den Motiven dieser Leute gegenüber energisch wahrt. Wird durch alle diese hochherzigen Äußerungen die Thatkraft der Schutzmächte.gegen diese Halbbarbaren nicht geweckt werden? Das Echo Danubien vom 25. April bringt faktische Beweise, wie diejenigen Israeliten, die sich über die ihnen geschehenen Ungerechtigkeiten beschwören, mißhandelt, in die Polizeistuben gebracht, geprügelt und gerauft werden. Der Zweck ist einleuchtend; man will sie zum Stillschweigen zwingen. Selbst der Redakteur des Echo danubien Herr Carmellin wurde bereits bedroht. Wenn der Fürst von Hohenzollern die „N. fr. Pr." liest, und die obigen Aktenstücke gewahrt, kann er noch bei dem Inhalte seines Briefes bleiben? Die neusten Berichte melden, daß die General-Consuln Frankreichs, Englands, Oesterreichs und Preußens in Bukarest an die rumänische Regierung die Forderung gestellt haben, daß allen in der Moldau aus ihrem Besitzthum verjagten Judenfamilien voller Schadenersatz geleistet, eine strenge Untersuchung der Vorgänge im Bakeuer Bezirk eingeleitet und der lügnerische Präfect Lecca abgesetzt werde. — Dies ist die erste erquickliche Nachricht aus einem Lande, das uns so vielen Kummer bereitet hat, und an dem wir so gern vorübergehen würden. Möge die durch diesen Schritt verpfändete Ehre der Großmächte baldigst eingelöst werden. Daß eine erfolgreiche Einwirkung nicht ganz leicht sein wird, ersieht man aus folgender Depesche. Die Wiener Abendpost vernimmt, daß der rumänische Minister der auswärtigen Angelegenheiten an die Vertreter sämmtlicher europäischer Mächte in Bukarest eine Note gerichtet habe, welche die Judenverfolgungen wiederholt in Abrede stellt und gleichzeitig einen tadelnden Hinweis auf die Thätigkeit des österreichischen General-Consuls in Jassy enthält. In Folge hiervon habe, fügt die Abendpost hinzu, der österreichische Generalconsul in Bukarest eme welch drück Gene bert der Untei