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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-05-05 · Heft 19 (5.5.1868) · p. Seite 383

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 19 (5.5.1868)
Date
1868-05-05
Page
Seite 383 (sequence 17)
Language
German
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Mischer ngs 9 Uhr nferenz: vommer - r jüdischen ichen Ver- \, hebr. oder retbuch für LR. Landeten, mögen n Sprache. 'sitzender. euen Hy- Mendel and Ost-;eBIic^ der egen diese en schristinde. Klein Mühl- So lfsren an >er as 14. 18«9.) Agenfie an in, so ng. >er Allgemeine Zeitung des Zudenthums. Femlleton-Leilage M Nr. 19. Leipzig, den 5. Mai 1868. Aus den Papieren eines jüdischen Seelsorgers. Zweite Erzählung (Schluß.) 6. Der Vertheidiger war ein sehr beredter Mann, und benutzte den Umstand, daß ihm die Vertheidigung so leicht gemacht war, sehr geschickt, um einen tiefen Eindruck hervorzurufen. Er warf nur einen kurzen Blick auf das erste Klagemoment, um zu zeigen, daß man also schon einmal den Man der Gewalttätigkeiten. angeklagt habe und dies jetzt ganz fallen lassen müsse. Um so weniger dürfe man auf eine solche von Man auf den Förster schließen. Dann schilderte er mit Scharfsinn und dem vollen Gepräge der Wahrheit die Leidenschaft, welche Man beherrscht, die an sich rein und erlaubt, durch Hindernisse und Versagung zu einer Gewalt angewachsen, welche den Menschen in einen Zustand der Unzurechnungsfähigkeit versetze, die ihn für seine Handlungen kaum verantwortlich machen könne. Er führte aus dem Leben ergreifende Beispiele an, wie selbst die edelsten Naturen, haben sie sich einmal willenlos einer solchen Leidenschaft ergeben, zu den unwürdigsten Thaten verleitet worden sind. Mögen die sich glücklich preisen, rief er aus, welche das Leben gnädig verschont hat mit derartigen Stürmen, denen es gegeben hat, wonach sie begehrten, oder nach kurzem Kampfe, um was sie rangen, oder die durch günstige Umstände oder selbst die eigene Wachsamkeit die erwachende Leidenschaft rechtzeitig zu ersticken vermochten. Dann werden Sie mit milderem Blick auf einen unglücklichen Menschenbruder sehen, dem es nicht so gut geworden, und der, nachdem er den bittern und berauschenden Kelch der Leidenschaft, der schmerzlichsten Gefühle mit zerrissenem Herzen bis auf die Hefe getrunken, zu unseligen Thaten voll Jrrthums und Unrechts sich Hinheißen ließ! . . . Nachdem er den Eindruck dieser Worte einige Augenblicke hatte nachwirken lassen, trug er auf Freisprechung, respeetive durchaus mildernde Umstände an. Leicht wurde es ihm, das künstliche Gewebe zu zerbeißen^ welches der Staatsanwalt nach seinem Berufe und mit großem Geschick zu Stande gebracht, um Elkan's Schuld an dem Tode Polles zu erweisen, und triumphirend fügte er hinzu, daß er nicht begreifen könne, wie man zu behaupten vermöge, nur bei Man sei Motiv vorhanden gewesen, da die letzten Vorgänge erwiesen haben,^ wie leicht die Schmuggler zu den Waffen greifen und einen mörderischen Gebrauch davon machen. Er habe glücklicherweise nicht den Beruf, Anklagen zu erheben; aber so viel sei doch gewiß, daß Borcke im Besitze des Hirschfängers Poll's gewesen, daß Poll zur Grenzbewachung gegen die Schmuggler gehört, und daß Borcke eben jetzt wieder unter der Anklage als Schmuggler einen königlichen Beamten getödtet zu haben stehe. Die Freisprechung Elkan's von diesem Verbrechen sei daher eine reine Nothwendigkeit. Den Geschworenen wurde daher nur die eine Frage vorgelegt: Ist Man schuldig, mit Absicht und Vorbedacht den Förster Poll getödtet zu haben oder nicht? Die Geschworenen zogen sich in ihr Zimmer zurück, aber schon nach wenigen Minuten erschienen sie wieder. Ihr Verbiet lautete auf Nichtschuldig. Ein Gemurmel der Zustimmung ging durch den Saal. Nunmehr formulirte der Staatsanwalt seinen Strafantrag wegen gewaltsamer Beraubung an der persönlichen Freiheit und forderte ein sehr hohes Strafmaß. Der Gerichtshof zog sich zurück, und als er nach ziemlich langer Berathung wieder eintrat, verkündete er das Urtheil: eine dreijährige Zuchthausstrafe. Der Präsident befragte Man, ob er etwas dagegen zu bemerken habe? Man erhob sich und sprach mit etwas matter Stimme: „Das Urtheil des hohen Gerichtshofes erkenne ich als ein gerechtes, als ein gnädiges an. Ich danke ihm dafür und werde keine Berufung einlegen, vielmehr mich willig ihm unterziehen." Auch der Staatsanwalt erklärte sich mit dem Urtheil einverstanden. Als Man diese Worte gesprochen, sank er ohnmächtig auf die Bank zurück. Man beeilte sich, ihm beizustehen; nachdem man Lippen und Stirn mit frischem Wasser benetzt hatte, kam er wieder zu sich und ging wankenden Schrittes und mit gebeugtem Haupte, von den Gensdarmen unterstützt, aus dem Saale. Die Anwesenden schienen tief erschüttert, und in manchem Auge sah man eine Thräne glänzen. ■ _

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