Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 18 (28.4.1868)
- Date
- 1868-04-28
- Page
- Seite 365 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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BR 305 Befoe hinfällig werden, wenn einer derselben sich als unrichtig erweist. Denn, daß ich einen heftigen Wortwechsel mit Poll am Tage vor seiner Tödtung gehabt, erhärtet cm sich nichts. Täglich fallen Zank und Drohungen zwischen Personen vor, ohne daß eine so gräßliche That darauf folgt. Aber rnan hat den Hirschfänger des Ermordeten in meinen! Besitze gefunden. Doch so schwer dies wiegt, beweist es an sich noch nichts; denn er könnte ja auf ganz anderen Wegen in meine Hände gekommen sein. Last zwei Jahre sind seit dem Tode Pollls verflossen, und in einen! solchen Zeiträume kann ein Gegenstand durch die Hände vieler Menschen wandern. Und dies ist es denn auch, was wirklich der Fall ist." Jetzt erhob Elkan seine Stimme höher, und sprach mit großen! Nachdruck: „Am Abend vor dem Ueberfalle | in Neudorf, und als ich von meinen Genossen zu die-! sem Zwecke mich trennte, erhielt ich diesen Hirschfänger von Borcke, dem Führer der Schmuggler ... Ich war nur im Besitze von zwei Revolvers, und da ich doch einer Handwaffe bedürfen konnte, bat ich Borcke um eine solche. Er sagte mir, daß er sie nicht bei der Hand, i aber eine Strecke weiter im Walde einen Hirschfänger; versteckt liegen habe. Diesen wollte er mir geben, und beim weiteren Borrücken in den Wald ihn deßhalb ho- \ len lassen. Eine Viertelstunde spater gab er einen! seil ner Leute den Befehl hierzu, und nach kurzer Zeit kehrte I der Mann mit diesem Hirschfänger zurück. Ich besah | ihn kann!, und schnallte mir ihn nur um die Hüfte. Aber wenn auch, ich kannte ihn nicht, ich wußte nicht, wem er gehört hatte, ich hatte ihn niemals in Händen gehabt, und mag ihn Poll hundert Male an der Seite gehabt haben, ich habe niemals darauf regardirt. kann hierfür einen zwiefachen Beweis führen. Der hohe Gerichtshof vernehme den sogenannten schwarzen Hans, der zu Borcke's Bande gehörte; das ist der Mann, der; den Hirschfänger aus dem Verstecke geholt; er vernehme noch diesen oder jenen anderen der gefangenen Schmuggler, sie müssen etwas darüber aussagen können. Mein anderer Grund aber ist der: kann Jemand glauben, daß ich mit dem Hirschfänger des ermordeten Vaters, wenn ich diesen irgend gekannt oder gewußt, von wem er herstamme, zu der Tochter jenes und seinen: Weibe gegangen wäre, den letzten Versuch zu machen, sie mir zu gewinnen? Hätte ich nicht voräussetzen müssen, daß sie diese unselige Waffe, die ich offen an meiner Seite trug, erkennen und mich für den Mörder halten mußten, wie dies denn auch wirklich geschehen ist? So aberwitzig konnte ich doch nicht sein, und man wird es nicht voraussetzen dürfen, da ich," wäre ich der Thäter gewesen, in so schlauer Weise alle Spuren des Verbrechens zu verwischen verstanden hätte. Dies ist mein Bekenntniß, und ich habe nichts mehr hinzuzufügen." Elkan sank auf seinen Sitz zurück. Er hatte zuletzt mit großer Erregung und Anstrengung gesprochen; der Schweiß stand ihm auf der Stirn, seine Lippen waren bleich und zitterten und seine Augen blickten glühend aus ihren tiefen Höhlen hervor. Lautlose Stille herrschte im Saale. Selbst der Präsident niuß'.e sich erst sammeln, bis er sich zu dem' Verlheidiger wandte mir. der Frage, ob er auf Grund dieser Geständnisse Anträge zu stellerr t abe. Der Verlheidiger trug darauf an, die von dern Angeklagten benannten Zeugen herbeifübren zu lassen und zu vernehmen. Der Präsident befahl, zuerst den Borcke, dann den schwarzen Hans und noch zwei Schmuggler aus dem Gefängniß zu holen. Diejenigen, welche sich unter einem blutiger Verbrechen Angeklagten einen wildanssehenden, dnrch sein Erscheinen schon Angst und Schrecken ein stoßenden Brenschen, welchem Frevel und Gewalt in Gesicht und Gestalt ausgeprägt sind, vorstetleu, sahen ihre Erwartungen, welche Elkan so sehr getäuscht harte, denn Anblick Borcke's völlig erfüllt und befriedigt. Das wilde Haar, der gewaltige, verworrene Bart, die stets bewegten, stechenden mit Blut unterlaufenen Augen, die Habichtsnase über den wulstigen Lippen, die große, nicht beleibte, aber muskulöse Gestalt machten einen Eindruck, der durch die langen Fischerstiefeln, die schmutzigen, granleinenen Beinkleider mit) den dicken Fries rock, dessen Farbe ziemlich unsicher war, genugsam erhöht ward, llmvillkührlich flogen die vergleichenden Blicke der Anwesenden zwischen Elkan und Borcke und gewannen sicherlich daraus ein günstigeres Unheil für den ersteren, als sie mitgebrach':. Ter Präsident befahl, nachdem die Personalien abgethan, einem Polizisten, Borcken den Hirschfänger zu zeigen. Dieser sollte nicht in die Hände dieses Mannes selbst kommen. „Borcke, kennen Sie diesen Hirschfänger?" fragte der Vorsitzende. Bei dem Anblick der Waffe, und als diese Frage so unerwartet an den Mann gerichtet ward, erschrak er sichtbar, und seine wilden Züge und Augen konnten die Angst nicht verbergen, die über ihn gekonnnen. Er nahm sich Zeit zn antworten, um nnterdeß wieder feiner Herr zu werden, indem er that, als ob er sich den Hirschfänger von oben bis unten ausähe. Dann schüttelte er den Kops, und sprach mit einer tiefen Stimme, der Ulan wohl anhörte, daß die geistigen Getränke dem Stinnnorgan laugst allen Metall. genommen: „Den kenne ich nicht; ich habe ihn nie gesehen, das heißt, er mag mir wohl einmal vor Gesicht gekommen sein, aber ich habe ihn nie beachtet. Ich erinnere mich seiner durchaus nicht." „Besinnt Euch, Elkan behauptet, der Hirschfänger gehöre Euch; er habe ihn von Euch erhalten am Abend, bevor Ihr gefangen wurdet. Besinnt Euch, ist dem so?" Borcke schleuderte einen wüthendeu Blick ans Elkan und rief mit polterndem Stimme: „Der kann viel sagen und lügen! Das ist ein Verräther, ein gemeiner DenuneianG dem es ans eine Lüge mehr nicht aufonnrati kann. Der Hirschfänger hat ihn in die Patsche gebracht, und nun will er sich mit ihm ansreden und nach dafür hineinbringen."