Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 18 (28.4.1868)
- Date
- 1868-04-28
- Page
- Seite 357 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3226635-3226654--26027-3261549- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
357 Pest, 14 April. Der Cultusminister v. Eötvös hat daS von der Israeliten-Conferenz ausgearbeitete Wahlstatut für die ungarischen Jsraeliten-Gemeinden mit wenigen Modifikationen genehmigt, und dasselbe wird an einem der nächsten Tage im Amtsblatt putlicirt werden. Die Jntriguen der Gegner haben also nichts genützt, und das allgemeine Stimmrecht — freilich mit Ausschluß aller Cultusbeamten, die ihres Rechtes beraubt bleiben — wird seine Macht ausüben, aber seinen Werth zu erweisen haben. — Im Abendblatte des „Hon" vom 18/3 behauptet Herr Ignaz Friedliber aus Prag, die Israeliten hätten auf dem Gebiete der ungarischen Literatur noch keine nennenswerthen Produkte aufzuweisen. Dies sollte nun, nachdem die Gleichberechtigung der Israeliten durch ein Gesetz ausgesprochen ist, anders werden, und macht der Einsender den Vorschlag, die ungarischen israelitischen Schriftsteller sollen als ersten Schritt in dieser Beziehung ein von ihnen zu verfassendes „Gleichberechtigungs-Album" herausgeben. Holland. Mastricht, 15. April (Privatmitth). Der Ami 6u Limbourg berichtet: „Wir erfahren zu unserer lebhaften Befriedigung, daß unser Mitbürger, Herr S. Bloemeudal, Inspektor über Gewicht und Maaß, in dem Bezirke Mastricht, von S. M. dem König Großherzog zum Ritter des Ordens der Eichenkrone ernannt worden ist. Wir freuen uns um so mehr über diese Auszeichnung, da sie die wohlverdiente Belohnung für eine mehr als vierzigjährige Laufbahn ist, welche er in verschiedenen öffentlichen Funktionen in unserer Provinz vollbracht hat." Herr Bloemendal ist bereits im Besitze zweier Orden. Wie uns versichert wird, ist der jetzt verliehene der Eichenkrone die höchste Auszeichnung, die einem Beamten in Holland zu Theil werden kann. Seit mehr denn 25 Jahren bekleidet derselbe die stelle eines Präses der Synagogen-Gemeinden der Provinz Limburg und hat seitdem gleichzeitig die Cultus Angelegenheiten seiner Vaterstadt aufs gewissenhafteste besorgt. Die letztere Auszeichnung erregt die größte Befriedigung sowohl bei der jüdischen als christlichen Bevölkerung; erstere sieht mit Stolz auf den Förderer ihrer Interessen, letztere erblickt darin den gebührende Anerkennung einer 40jährigen amtlichen Wirksamkeit. Afrika. Gibraltar, im März. Das Gibraltar Chronicle meldet, nach Briefen aus Tetuan, von einem neuen und blutigen Attentat, das jetzt wieder gegen die Juden begangen worden. Eine Menge von ihnen, Männer und Frauen, wurden auf dem jüdischen Friedhofe mit Flintenschüssen angegriffen. Eine Mutter und ihr Kind wurden getödtet, und mehrere andere verwundet, von denen zwei seitdem erlegen sind. Man schreibt diesen mördeschen Anfall dem Mauren Hassa und seiner Bande zu, den Urhebern der Ermordung, die vor einiger Zeit a» dem Dolmetscher des österreichischen Consulats begangen worden: übrigens ist auf den Kopf dieses Hassa ein Preis gesetzt. —. Die Juden von Zelnik, einem Dorfe nahe bei Tripolis in der Barbarei, hatten, nachdem sie von der Behörde die Erlaubniß dazu erhalten, angefangen, ihr Bethaus wieder zu restauriren, welches fast ganz in- Ruinen zerfallen war. Einige fanatische Muselmänner bestimmten den Kadi und den Mufti, den Juden zu befehlen, mit den Arbeiten aufzuhören, was sie dann wirklich thun mußten. Mit diesem Erfolge noch nicht zufrieden, steckten die Judenfeinde, deren Wuth keine Grenzen kannte, das heilige Gebäude in Brand, welches dann auch, ebenso wie die Gesetzesrollen, eine Beute der Flammen wurde. Die Israeliten legten bei dem Pascha, dem Generalgouverneur von Tripolis, Klage ein, und dieser ließ ihnen von drei arabischen Stämmen die Summe von 70,000 Piastern (14,000 Frs.» auszahlen. Die schnelle und glückliche Lösung dieser Angelegenheit verdankt man hauptsächlich der energischen Intervention des französischen Consuls in Tripolis, welcher nachdrücklich zu .Gunsten unserer Glaubensgenossen protestirte. Asien. Smyrna, 30. März. Man schreibt den Arch. isr. von hier Folgendes: Ich habe Ihnen recht traurige Nachrichten aus Smyrna mitzutheilcn. Der Großrabbiner A. Ha'im Palacci ist gestorben, von der ganzen Gemeinde betrauert. 18*