Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 17 (21.4.1868)
- Date
- 1868-04-21
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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38. Jahrgang. Allgemeine -es Zudcnthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippfon in Bonn. Leipzig, den 21. April. 1868. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal Dienstags, in 2 bis 2'/a Bogen. Preis des Jahrgangs 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Vierteljährig 1 Thlr Inserate werden mit i*/2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Kaum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich das König!. Sachs. Haupt-Zeitungs-Bureau chrer unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Rumänien II. — Die Verhandlungen im österreichischen Reichstage. — Literarischer Wochenbericht: Lengnau. Zeitungsnachrichten r Deutschland: Mannheim, Breslau, Eisenach, Aus der Prov. Posen, Neustadt. Oösterreichischer Kaiserftaat: Wien, Pest. Holland: Aus Holland. Dänemark: Co.penhagen. Großbritanien: London. Rußland: Mitau. Amerika: New- Uork. Palästina: Berlin. Nachträge. Feuilleton-Beilage r Aus den Papieren eines jüdischen Seelsorgers. — Galterie von Abgeordneten jüdischen Glaubens. — Notiz. Leitende Artikel. Bonn, 12. April. Rumänien II. Unsere Leser theilen sicherlich das Interesse, welches wir dem Geschicke unserer Glaubensbrüder in den Donaufürstenthümern schenken. Handelt es sich doch nicht allein um das Schicksal einer bedeutenden Zahl Israeliten, sondern auch darum, in dem südöstlichen Theile Europa's die Herrschaft der Intoleranz, der Inhumanität und der Ungerechtigkeit zu bekämpfen. Dies hat stets ein allgemeines Jntereffe, denn so lange diese finsteren Mächte, sei es auch im entlegensten Winkel der Erde, ihre Zuflucht finden, ist die gesammte Civilisation bedroht. Wie es gekommen, daß in Rumänien die Judenverfolgung einen so fruchtbaren Boden gewonnen, haben wir genügend auseinandergesetzt. Gerade dies aber hat es uns von Beginn an zur Pflicht gemacht, jeden Schritt genau zu beobachten, weil es sich hier nicht um eine einfache Befriedigung des Fanatismus handelt, sondern um die verschiedenartigsten Motive in verwickeltster Weise. Wir haben uns nie einschläfern lasten und können daher auch jetzt noch um so weniger da Glauben schenken, wo offenbar nur eine scheinbare Abwiegelung beabsichtigt wird. Wir sammeln daher alle Facta, werden sie aber stets mit der Fackel der Kritik zu beleuchten suchen und diesen Gegenstand nicht eher fallen lasten, als bis eben nichts mehr zu melden sein wird, ein Zeitpunkt, den Niemand eifriger herbeiwünscht als wir. Ein Telegramm aus Bukarest vom 6. April meldet: „Auf die in der heutigen Kammersitzung eingebrachte Interpellation, warum in Jassy keine Nationalgarde bestehe, erwiderte Minister Bratiano, daß, so lange dort die Gehässigkeit gegen die Juden fortbesteht und der in der Kammer von gewiffer Seite' gegen die Juden eingebrachte Gesetzvorsthlag nicht zurückgezogen werde, er nicht gesonnen sei, diesen Umtrieben Waffen in die Hand zu geben." Ueber dieses Telegramm spricht sich die „Neue freie Preste" in einer Weise aus, die wir hier nicht unbeachtet lassen dürfen. Sie sagt: „Die Interpellation, welche in solch exemplarischer Weise beantwortet wurde, ging von denselben Leuten aus, die das Judenvertilgungsgesetz beantragt hatten, nämlich von den Ministeriellen, und sie hatte keinen anderen Zweck, als Herrn Bratiano Gelegenheit zu verschaffen, das Judenvertilgungsgesetz vor Europa zu desavouiren und die rumänische Regierung als von dem Wunsche beseelt hinzu stellen, daß der Antrag der Einunddreißig zurückgezogen werde. Da