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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-03-31 · Heft 14 (31.3.1868) · p. Seite 282

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 14 (31.3.1868)
Date
1868-03-31
Page
Seite 282 (sequence 20)
Language
German
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282 „Israelite.“ Er ist schön ausgestattet, sein Kleid empfiehlt sich und läßt viel erwarten. In der That sind auch manche interessante Aufsätze darin. Doch man wird wie mit kaltem Wasser übergossen, wenn dicht neben einer wissenschaftlichen Arbeit über die Apostel und ihr Verhältnis zum Judenthum, die albernen Aufsätze über die Vorlesung der Thora in ihren ersten Anfängen stehen, Aufsätze, bei deren Durchlesung man nicht weiß, soll man über sie lachen oder weinen. Das sonst so aufgeklärte Blatt scheut sich nicht, die Einrichtung der Thora-Vorlesung an Montagen und Donnerstagen auf Grund einer talmudischen Sage auf Moses und die Propheten zurückzuführen, und die Entstebung der Mischnah nach Babylonien zu verlegen, weil nach einer irgendwo versprengten Nachricht der König Jojachim nach seiner Verbannung nach Babylonien, d. h. im Gefängnisse nichts Eiligeres zu thun gehabt, als in Nehardea eine Talmudschule zu gründen. Zunz, Jost, Grätz u. A. werden mit kühner, echt amerikanischer Rücksichtslosigkeit behandelt, denn was wissen diese Herren von der jüdischen Geschichte und Literatur. Und all dieser Kram wird ausgepackt, bloß um zu beweisen, daß man zu Moses Zeiten nur Einen zur Thora rief, gerade wie's Herr Wise gewollt. Wenn Sie vielleicht Ihren Lesern zu Purim eine kleine Erheiterung bereiten wollen, so geben Sie ihnen diese famosen wissenschaftlichen Entdeckungen unseres Landes zum Besten. „Unser würdiger Freund von der Firma 6. & II. 441 Broadway New 2)ork," f° schreibt der Israelite mitten unter literarischen und Gemeindenachrichten, „Importeur und Händler von französischen, deutschen und italienischen Putzwaaren, ist eben von einer glücklichen dreimonatlichen Tour zurückgekehrt, auf der er — etwa Nachrichten über jüdisches Schulwesen gesammelt? bewahre, — auf der er sein Haus mit einer unübertrefflichen und brillanten Auswahl von Bändern, künstlichen Blumen rc. rc., versehen" u. s. w. Sie errathen: das ist eine Geschäftsannonce, zu der der Herr Redacteur seinen Namen leiht für gute JusertionskostenU Das ist zwar amerikanische Fashion, doch ist es darum noch nicht fashionable und keine anständige Zeitschrift hier würdigt sich für Geld soweit herab. Das hiesige jüdische Publikum stößt sich an diesem Mißbrauch nicht, es entschuldigt den für Putzwaaren begeisterten Redakteur eines jüdisch religiösen Blattes mit den Worten: es ist einmal sein business. Es ist auch sein business, das Publikum zu erheitern, und darum ist jetzt seit mehren Wochen im Israelite eine Rubrik: „Dumiukopfiana.“ In einem unserm jüdisch deutschen Jargon entsprechenden jüdischen Englisch macht Jtzig Dummkopf Propaganda für den Israelite zuerst, sodann auch für ein zu gründendes Waisenhaus. Ein gebildeter Mensch erröthet über dieses absichtlich entstellte Englisch, das den Juden lächerlich macht; aber das Publikum amüsirt sich und — der Zweck heiligt die Mittel: Jtzig Dummkopf verkündet das Lob des Herrn Wise und sagt, Alles was von diesem komme, sei entschieden gut. Es darf jedoch nicht unbemerkt bleiben, daß diese Artikel des Dummkopf von dem Redakteur selbst geschrieben sind, wenn nicht alle Anzeichen trügen. So macht man hier öffentliche Meinung. M— Leser. Notizen. Am 5. Februar hielt zu Baden in der Schweiz Dr. Kayserling zum Besten der Nothleidenden in Ostpreußen eine öffentliche Vorlesung „über die Bestrebungen der Gegenwart." Sie brachte dem Redner vielen Beifall, den Nothleidenden einen erklecklichen Ertrag, welchen der preußische Gesandte mit herzlichem Danke entgegennahm. Jüngst machte eine geistreiche Dame die Bemerkung, daß man nur die überall gewöhnlichen Vorgänge in den jüdischen Gemeinden zu beobachten habe, um die Wahrhaftigkeit der im Pentateuch erzählten Ereignisse mit dem Volke Israel in der Wüste vollständig zu erkennen, und daß alle Kritik gegen diese innere Wahrhaftigkeit zu bloßem Trugspiel werde. Der König Theodorus von Abyssinien rühmt sich der Abstammung vom Könige Salomon und der Königin von Saba, obgleich es bekannt genug ist, daß seine Mutter eine armselige Negerin gewesen. Er geräth in Wuth, wenn man diese Abkunft in Zweifel zieht, und die beiden englischen Missionäre mit ihren Begleitern haben sich ihre Mißhandlungen und grausame Einkerkerung, um derentwillen jetzt die Engländer die kostspielige und blutige Expedition nach Abyssinien unternommen haben, durch ihren Spott auf diese vermeintliche Abkunft des Königs zugezogen. Im Jahre 1861 hat eine Dame Rögine Rouget das israelitische Consistorium von Paris mit einem Legat von 120,000 Frcs. bedacht. Einige entfernte Verwandte hatten das Legat angefochten,' welches aber jetzt dem Consistorium von den Gerichten zugesprochen worden. Das Consistorium hat übrigens einigen armen Seitenverwandten der Verstorbenen lebenslängliche Unterstützungen ertheilt. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redakteur Dr. H. Lotze.

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