Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 11 (10.3.1868)
- Date
- 1868-03-10
- Page
- Seite 214 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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214 Freude darüber aus, daß es ihm vergönnt sei, ihnen dieses freudige Erreigniß mitzutheilen; seine Freude, schloß er, sei um so größer, als dieselbe von der ganzen Bevölkerung der Stadt getheilt werde. (Stürmische Eljen-Rufe). Dieser Ansprache folgte eine deutsche und ungar. Festpredigt des Oberrabbiners Ku tn a. Am eclatantesten bekundete sich die sociale Verbrüderung zwischen der christlichen und jüdischen Bevölkerung in der Stadt Baja, und verdient die dortige Emancipationsfeier eine ausführliche Beschreibung. Da die Bevölkerung daselbst zumeist aus Magyaren besteht, so lud die dortige isr. Gemeinde den Oberrabbiner L ö w in Szegedin zur Abhaltung einer ungarischen Festrede ein. Wie mir von dort aus authentischer Quelle berichtet wurde, wehete, von der Stunde der Ankunft des berühmten Rabbiners bis zu dem Augenblicke der Abreise, am Stadthause und an andern öffentlichen Gebäuden die Nationalfahne. Einige Stunden nach seiner Ankunft lud ihn eine Deputation des neugebildeten Gleichheitsclubs — welcher bereits gegen 500 Mitglieder zählt, und das größte Contingent von Theilnehmern aus dem dortigen „Polgäri kör“ (Bürgerverein) erhielt, der bisher in mittelalterlicher Weise die Juden ausgeschlossen hatte — zu einem ihm zu Ehren veranstalteten Banket. Nach dieser Deputation kam die des Casino-Vereins, welche Löw das Diplom als Ehrenmitglied überreichte. Den zweiten Tag darauf, am 26. fand die gottesdienstliche Feierlichkeit statt, bei welcher die Comitats- und Stadtbehörde, der Adel, die Geistlichkeit, die Vereine und Zünfte rc. vertreten waren. Der große Tempel konnte kaum den 4. Theil der herbeige- . strömten Menge fassen; selbst aus der Umgegend waren Hunderte magyarischer Bauern herbeigeeilt, um den berühmten jüdischen Rabbi zu sehen und zu hören. Zuerst sprach der dortige Oberrabbiner Nascher (Vater des jungen Berliner Predigers); hierauf folgte die ungarische Festpredigt Löws, welche von überaus mächtiger Wirkung war. Zahlreiche Eljen's folgten ihm bis in seine Wohnung. Abends brachten ihm die Studirenden des Obergymnasiums im Verein mit der übrigen Jugend ohne Unterschied der Confession einen Fackelzug, bei welcher Gelegenheit Löw unter allgemeiner Begeisterung von den Pflichten der Jugend gegen das Vaterland sprach. Beim Banket im Gleichheitsclub wurde Löw mit einer Anrede des Stadtrichters Loß und lauten Eljens begrüßt, und der dortige orthodoxe Oberrabbiner nach einem von ihm gesagten Trinkspruche vom Stadtprobste mit den Worten: „Komme her Bruder, gib mir den Bruderkuß" umarmt. Kurz Löw wurden die größten Ehren erwiesen, und das Emancipationsfest so zu sagen von der ganzen Stadt gefeiert. S. Blum. (Fortsetzung folgt.) Anzeigen. Die Gemeinde Lv8edi LdbSvä dahier, sucht einen Chasan auf die Dauer von 2 Jahren mit dem Gehalte von 2000 Dollars. Derselbe muß einen tadellosen moralischen Charakter besitzen, tüchtig musikalisch gebildet, im Stande sein, das Chor zu unterrichten und zu leiten, sowie den Gottesdienst mit Orgelbegleitung und Chor vortragen zu können. Anmeldungen und Zeugnisse sind spätestens bis zum 28. April 1868 einzureichen bei Herrn S. Schuster, President, Nr. 69 Avenue v. New-Uork. Annonce Bei unserer Filial-Gemeinde in Pritzwalk ist die Lehrer- und Schächterstelle sogleich oder doch baldigst zu besetzen. Das Jahres-Einkommen beträgt 150 Thlr. und Schächtergebühren. Bewerber wollen sich baldigst unter Einreichung ihrer Atteste an den Vorstand der Synagogengemeinde in Wittstock wenden. Durch den Austritt unseres bisherigen Lehrers, des Herrn Eppstein, welcher 41/2 Jahre zu unserer vollen Zufriedenheit hier gewirkt hat, wird die hiesige Elementarlehrer- und Cantorstelle mit kommendem Juni vacant. Fixes Einkommen jährlich 300 Thlr., welches durch Privatunterricht, wozu ausreichend Zeit und Gelegenheit geboten ist, bedeutend erhöht werden kann. Gefällige Franco-Offerten beliebe man zu richten an D. I. Franken, Vorstand. Auch der Unterzeichnete Lehrer ist zu jeder gewünschten Auskunft erbötig. F. Mayer gen. Eppstein. Emmerich, 26. Februar 1868. Die hiesige Cantor- und Schächterstelle, mit der ein jährliches Einkommen, incl. 180 Thlr. Fixum, von mindestens 350 Thlr. verknüpft ist, wird zum 1. Juli d. I. vacant. Qualistcirte Bewerber, die sich vorzugsweise über einen strengreligiösen, moralischen Lebenswandel auszuweisen haben, wollen sich unter Anfügung ihrer Befähiguugszeugnisse schleunigst portofrei bei uns melden. Schwedt, im Februar 1868. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde.