Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 11 (10.3.1868)
- Date
- 1868-03-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M 11. 38. Jahrgang. Allgemeine Zeitung -es Zudenthums. Ern unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philipps»« tu Bonn. Leipzig, den 10. März 1868. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal Dienstags, in 2 bis 2^ Bogen. Preis des Jahrgangs 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Vierteljährig l Thlr. Inserate werden mit 11/2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich das Königl. Sächs. Haupt-Zeitungs-Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel r Der Talmud in England. — Ungarischjüdische Notablenversannnlung. III. u. IV. Zeitungsnachrichtenr D eutschl and: Berlin, Aus der Prov. Posen, Aus Bayern. OestWreichischer Kaiserstaat: Wien. DonaufürstMMümer: Bukarest. Dänemark: Kopenhagen. CorrespondeUG r Monatsberichte aus Ungarn. VIII. Feuilleton-Beilage r Aus den Papieren eines jüdischen Seelsorgers. — Gallerte von Abgeordneten jüdischen Glaubens. Leitende Artikel. Bonn, 1. März. Der Talmud in England. In dem Oktoberhefte vorigen Jahres des Quarterly Review < London, 1867) ist eine längere Abhandlung betitelt the Talmud (S. 417—464), wie wir hören, von Vr. Deutsch abgefaßt, enthalten, welche in England ein überaus großes Aufsehen gemacht. Da die Redaction sich weigerte, diese Abhandlung in einer besonderen Ausgabe erscheinen zu laffen, mußte dieses Heft der Quarterly Review wiederholt aufgelegt werden, so daß die Anzahl der verkauften Exemplare eine ungewöhnliche Höhe erreichte. Dies macht es uns zur Pflicht, einen etwas längeren Bericht über diese Abhandlung zu geben, und wollen wir daher den Faden derselben verfolgen. In der Einleitung läßt sich der Verfasser des Breiteren darüber aus, daß der Talmud gegenwärtig zu den genanntesten, aber immer noch unbekanntesten Schriftwerken gehöre, daß wir auf seinen Namen in allen möglichen Büchern stoßen, daß auf allen wissenschaftlichen Gebieten Notizen aus ihm herangebracht werden, und daß dennoch eine allgemeine Unkenntniß über Ursprung, Abfaffer, Abfassungszeit, Charakter und Tendenzen desselben herrsche. Diejenigen, welche etwas aus ihm anführen, ziehen ihre Citate noch imtner aus veralteten und vorurtheilsvollen Werken. Und dennoch habe gegenwärtig der allgemeine Geist eine völlig veränderte Richtung genommen. Man studiere jetzt die Religionsbücher aller Völker, Zeiten und Sekten nicht mehr mit der Absicht, sie zu widerlegen, sondern ihren Geist kennen zu lernen, was sie an Wahrheit und Schönheit enthalten zu würdigen, zu nützen und zu genießen. Nur dem Talmud sei dies noch nicht zu gute gekommen. Er sei wissenschaftlich ganz vernachlässigt. Wir besitzen noch kein Werk, das als Führer zu und in ihm dienen könnte, ja wir hätten noch nicht einmal eine correkte Ausgabe, und die wenigen Versuche, ein solche zu schaffen, die von den früheren Verstümmelungen durch die Censoren frei sei, oder eine Uebersetzung herzustellen, seien noch immer gescheitert. An Manuscripten fehle es nicht, obgleich dies Rönan in seiner Unkenntniß der Sache behauptete. Der Vers, geht hierauf etwas ans die früheren Schicksale des Talmud unter den Päpsten und besonders auf den Streit zwischen Reuchlin und Pfefferkorn ein, ohne daß er, was er überhaupt nicht thut, auf die bedeutenden Arbeiten verweist, welche unsere Zeit über diesen Gegenstand hervorgebracht hat. Für das richtige Verständniß des Talmuds hält der Vers, vor Allem eine immerwährende Vergleichung mit den Gesetzbüchern der Griechen, Römer