Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 10 (3.3.1868)
- Date
- 1868-03-03
- Page
- Seite 196 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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196 Soeben erschien im Verlage von Baumgärtners Buchhandlung in Leipzig: Eine Milgabe für das ganze Leben an jüdische Confirmanden, Kar mizwah, und Confirmandinnen, so wie bei der Entlassung aus der Schule. Von vr. Ludwig Philippson, Herausgeber d. Allg. Zeitung des Judentums. Mit Stahlstich und Titelkupfer, in reich vergoldetem Einband. Preis 1 Thlr. 20 Sgr. Keinen bessern Führer können Eltern und Freunde ihren Kindern bei diesen wichtigen Veranlassungen mitgeben. Die religiösen Lehren, die Geschichte, das Sitten- und Ceremonialgefttz des Judenthums werden in anziehendster, überzeugendster Weise dargestellt, für alle Lagen und Verhältnisse des Lebens, in Beruf und geselligem Verkehr, in Familie und Oeffentlichkeit die weisesten Rathschläge und Mahnungen, aus der h. Schrift, einer reichen Erfahrung und einem frischen Geiste geschöpft, ertheilt. Es ist eine treffliche Gabe des verdienten Verfassers an seine Glaubensgenossen, an deren Jugend. Bekanntmachung. Aus der I. H. Breslau'schen Stiftung hat für das abgelaufene Jahr wieder eine Summe von beiläufig fl. 300 zur Verkeilung zu kommen. Nach letztwilliger Verfügung des Testator sollens hiervon „arme Knaben, ifraelitischen Glaubens, welche im „Königreich Bayern geboren sind und sich einem „Handwerke oder der Oeconomie widmen, in Er- „lernung derselben auf einer Handwerks-, polytech- „nischen oder landwirthschaftlichen Schule oder auch „bei einem Gewerbsmeister unterstützt werden. Desfallsige Bewerber wollen daher ihre mit legalen Belegen versehenen Gesuche bis längstens I. April d. I. hierorts zur Vorlage bringen. München, den 18. Februar 1868. Die Administration der. israelitischen Cultusgemeinde. Aufruf: Der unaussprechliche Nothstand, welcher unsere Gegenden jenseits der russischen. Grenze heimsucht, ist noch immer im Steigen begriffen. Die Mittel der Privatwohlthätigkeit aus der nächsten Umgebung sind durch die Fürsorge für Preußen erschöpft. Das völlige Darniederliegen von Handel und Wandel und die unerhörte Theuerung aller Lebensmittel, Lasten ganz besonders drückend auf unseren russischen Glaubensgenossen. Sie, die auch sonst in Armuth ihr Leben nur so von Tag zu Tag spärlich fristen, entbehren jetzt das Allernöthigste. Die große Noth hat ganz besonders darin ihren Grund, daß während jene Gegend sonst Getreide und andere Lebensmittel nach Preußen erportirte, diese jetzt genöthigt ist ihren Bedarf von Preußen zu den hiesigen, theueren Preisen zu kaufen. Bei der allgemeinen Verdienstlosigkeit ist dieses Vielen gar nicht einmal möglich, und bei solchen ist der Jammer ensehlich groß. Die andern Brüder hungern und frieren und d/r Mangel am Nöthigsten ruft bei ihnen häufige und bösartige Krankheiten hervor. Wohl erkennen wir mit Dank, daß in Preußen die Wcchlthätigkeits-Anstalten ohne Unterschied des Glaubens ihre Hilfe gewähren; wir halten es aber für nothwendig, daß auch jenseits der Grenze eine geordnete Abhilfe dieser unbeschreiblichen Noth eintreten muß, woran es bisher Leider gänzlich fehlt. Wir bauen auf Gottes allmächtigen Beistand, der die Herzen unterer Mitbrüder unserem Vorhaben geneigt machen wird. Deshalb haben wir uns hier zu einem Comit6 vereinigt, und bitten insbesondere alle unsere Glaubensgenossen, denen ihre Lage es gestattet, dem Zuge ihres Herzens zu folgen und reichliche Beiträge an unfern Schatzmeister, Herrn Elias Levinsohn lFirm. Levinsohn und Steinchen) einzusenden. Der Verein wird durch seine Vorsteher die Verheilung geordnet bewirken und seiner Zeit über die Verwendung und den Erfolg in diesem Blatte genauen Bericht erstatten. Doppelt gibt, wer bald gibt — und Gott wird helfen! Der Vorstand des Vereins zur Linderung des Nothstandes der Israeliten an der russischen Grenze. Memel, den 19. Februar. Moritz Becker (in Firma: Stantien & Becker) Julius Hirsch (in Firma I. Hirsch & Co.) Elias Levinsohn lin Firma Levinsohn & Steinchen) S. A. Wohlgemuth, Rabbiner, Elias Behr, S. B. Bernstein, Leyser Levy, Nubin Schieß, Dr.Rülf, Prediger der Synagogen-Gemeinde. Die verehrlichen Rabbinen, Cultus- und Gemeinde-Vorstände werden ersucht, in ihren Kreisen zu diesem Zwecke Sammlungen zu veranstalten. Memel, d. 17. Febr. 1868. Direct bei dem Unterzeichneten sind bisher für die Nothleidenden am hiesigen Orte folgende Gaben eingegangen: Joel Wolf Meyer aus Berlin zu Brod 100 ^; M. Weil, Vorst, d.ift. Gem. zu Malchin 14 14 I. M. LS. aus Berlin 10; Distr.-Rab. Bamberger aus Kiffingen 14«M Slß N. N. a. Rothenburg 10 \ Ungen. a. Baden f. jüd. Arme 1 Von den 3 isr.Familien zuPlaue7^.(fürjüd.Arrne);E.H. Bing in Hannover (für isr. Nothleidende aus Rußland) 3 M. Goldschmidt aus Sprendlingen 1 Vom Jugend-Verein in Gr. Glogau einen Theil des Betrags, welcher für die Festesfeier seines 60jähr. Bestehens ausgeworfen und aus Rücksicht des Nothstandes in Ostpreußen, und zwar tendenzgemäß zur Unterstützung jüd. Nothleidenden dorthin gesandt worden war, und zwar sind an den Unterzeichneten gelangt 33 5; Von den Vorst, der ist. Gem. zu Gr. Beken für Israeliten 5^1 Von der isr. Gem. zu Würzburg für den Verein 50 M. E. L. aus W. 1; Ungen. Wangerin 2 — Noch viel namhaftere Summen sind von israel. Gemeinden sowie Einzelnen der Vereinscaffe direct überschickt worden. Wir bitten auf das dringendste um weitere Unterstützung. Die Noth ist im fortwährenden Wachsen begriffen und für die Suppenküche allein müssen täglich 60 Thlr. verausgabt werden. Zugleich wollte ich meinen jüd. Glaubensbrüdern die bescheidene Bitte aussprechen, immer einen kleinen Theil ihrer Gaben für jüd. Nothleidende zu reserviren; der Verein erkennt mit Bedauern, daß seine Anstalten dem Israeliten nicht in gleichem Maaße zu Gute kommen, da dieselben an den allwöchentlich zur Verkeilung gelangenden 22,000 Portionen Suppen gar nicht participiren können. Des allgütigen Gottes Segen und der Nothleidenden wärmster Dank den edlen Bruderherzen .für die gespendeten und noch zu spendenden Gaben. Dr. Rülf, Prediger der Synagogen-Gcmeinde. Schriftführer des Vereins zur Abwehr des Nothstandes in Memel. Verlag von Baumgärtnec's Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirschfeld Verantwortlicher Redakteur »r. H. Lutz,. Hierzu Feuilleton-Beilage Nr. 10.