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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-03-03 · Heft 10 (3.3.1868) · p. Seite 190

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 10 (3.3.1868)
Date
1868-03-03
Page
Seite 190 (sequence 10)
Language
German
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190 1. Fcbr. Im Begriffe gegenwärtigen Brief zu expediren, kömmt uns die „N. fr. Pr." vom 28. Jan. zur Hand, wo sich im Jnserajentheile unmittelbar nach einer Annonce: „Aeußerliche Krankheiten" zwei Actenstücke abgedruckt befinden, u. z. das Eine von zwei Mitgliedern des Tarnower Cultus-Gemeindevorstandes unterzeichnet; dies erklärt „die Geschichte mit dem Bannflüche" als „eine unbegründete Erfindung"; das Andere trägt die Unterschrift des Esras Heller, welcher u. A. erklärt „er habe die Ueberzeugung erlangt, daß der Herr Rabb. I. Rappaport an dem gegen ihn erschienenen Bannflüche durchaus keinen Antheil und auch keine Kenntniß davon hatte." — Wir in der Ferne, die wir alle Ursache haben der Vorsehung zu danken, daß wir so glücklich sind außerhalb der Schußlinie dieses — wie es scheint — mehr eitlen und herrschsüchtigen als fanatischen Rabbiners zu wohnen, können und wollen uns zwar kein Urtheil über diese höchst bedauerliche Affaire anmaßen, möchten aber jedoch um keinen Preis für die volle Wahrhaftigkeit dieser geschraubten „Dementis" eiustehen. Denn es muß jedem Unparteiischen auffallen, daß nur zwei Vorsteher unterschrieben, da es doch notorisch in Tarnow drei Vorsteher gibt. Ferner drängt sich die Frage auf: Wie kommt es, daß ein vom 17. Januar datirtes Actenstück aus Tarnow von solcher Wichtigkeit, in dem betreffenden Wiener Journale erst in die Nr. vom 28. Jan. und zwar unmittelbar hinter der Annonce „Aeußerliche Krankheiten" gedruckt erscheint? Wollten die zwei Tarnower Vorsteher oder die Red. damit etwa andeuten, daß die jedenfalls faulen Zustände der Tarnower Jsraelitengemcinde mit den „äußerlichen Krankheiten" in irgend einem Causalnecus stehen? Die schwerstwiegende Auffallenheit aber ist die: Wenn diese zwei Herren Vorsteher ihrer Sache so gewiß waren und es ihnen Ernst war den unbescholtenen Namen ihres Rabbiners gegen ungerechtfertigte Angriffe zu vertheidigen; warum traten sie nicht preßgcrichtlich gegen die Urheber jener böswilligen Verleumdung auf? Das wäre der einzige und richtige Weg gewesen, den sic einschlagen mußten; dies zu thun haben sie aber unterlassen! — Was das zweite „Esras Heller" Unterzeichnete Schriftstück betrifft, so muß es jedem Unbefangenen bei oberflächlicher Durchlesung desselben einleuchten, daß es bei Abfassung desselben nicht mit rechten Dingen zugegangen. Dieser Esr. H., die alleinige Ursache der ganzen skandalösen Geschichte, will überzeugt sein: „daß der Rabb. an dem gegen ihn erschienenen Bannflüche keinen Antheil hatte;" wußte er aber, oder wußten es diejenigen, die ihm diese Worte in die Feder dictirten, nicht: daß der Rabb. gesetzlich verpflichtet ist bei dergleichen gesetzwidrigen Vorkommnissen sogleich bei der polit. Behörde davon Anzeige zu machen? da dies der Rabb. aber nicht gethan, er sich eo ipso als miteinverstanden stillschweigend erklärte? Aber unser Heller begnügt sich mit diesem nicht, er geht noch weiter, er will sogar die Ueberzeugung erlangt haben: „daß der Rabb. keine Kenntniß davon hatte"; heißt das nicht zu viel Gutes thun? Ist dieser Heller etwa ein Hellseher, daß er auch Herz und Nieren des Rabb. prüfte und seine Gedanken kennt? Nein, wer zuviel beweisen will, beweiset Nichts*). Di-. M. Spr. . Amerika. New-Aork, im Feb. (Privatmitth.) Sonnabend, d. l. Febr., verstarb im 62. Lebensjahre der rühmlichst bekannte Rev. Jsaac Leeser, Herausgeber des „Occideni“ und Bibel Übersetzer. Er war der Sprecher der Orthodoxen in Amerika, zeichnete sich aber rühmlich vor seinen transatlantischen Collegen durch Urbanität und Aufrichtigkeit aus. Sein Tod weckt bei Allen, die ihn kannten, innige Theilnahme. Bonn, 31. Januar. Wir haben in vor. Nr. die Warnung des llebrew Uesiler mitgetheilt. Heute erhalten wir aus Detroit eine Zuschrift, in welcher es heißt: „Warnen Sie in Ihrer Zeitung alle Lehrer, daß sie nicht nach hier wandern sollen ohne genügende Mittel, lange Zeit auszuharren. Hunderte von brodlosen Lehrern erbetteln sich das Geld zur Rückreise; alle Geschäfte liegen total darnieder und es ist noch nicht vorauszusehen, wann diese Depression aufhört." Wir theilen dies mit, um zu zeigen, daß jener Warnungsruf kein einseitiger sei. *) Aus allem Dem scheint doch hervorzugehen, daß das Faktum wahr ist. So schmerzlich dies uns ist, so dürfen wir ihm die Veröffentlichung unsererseits nicht versagen, denn die Schäden müssen geheilt, nicht verheimlicht werden. Der Gesammtheit fällt nie zur Last, was Einzelne sündigen; man kann jener nur dann einen Vorwurf daraus machen, wenn sie sich durch Stillschweigen zum Genoffen macht. Redakt.

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