Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 10 (3.3.1868)
- Date
- 1868-03-03
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3226635-3226646--25842-3261356- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
M 10. 38. Jahrgang. Allgemeine Zeitung des Zudcuthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner vr Ludwig Philippson in Bonn. Leipzigs den 3. März 1868. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal Dienstags, in 2 bis 2>/z Bogen. zPreis des Jahrgangs l Thlr. Halbjährig2 Thlr. Vierteljährig l Thlr. Inserate werden mit 1 */2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich das Königs. Sachs. Haupt-Zeitungs-Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Die israelitische Krise in Frankreich im Jahre 1867. — Abermalige Verhandlungen über Schulangelegenheiten im preußischen Ageordnetenhause. — Ungarischjüdische Notablen Versammlung. II. Zeitungsnachrichtenr Deutschland: Berlin. Oesterreich i sch er Kaiserstaat: Pest,Wadowiee. Amerika: New-Uork, Bonn. Feuilleton-Beilage: Aus den Papieren eines jüdischen Seelsorgers. — Juden-Ordnung aus dem Jahre 1686. — Notiz. Leitende Artikel. Bonn, 23. Februar. „Die israelitische Krise in Frankreich im Jahre 1867." «Schluß.) Herr Michaud verläßt nun die Parteien, und wendet sich zu den „Fragen", wie er sich ausdrückt. Er findet hier, daß die französischen Israeliten den Monotheismus unbedingt annchmen und vertheidigen, und giebt zu, daß „dieses Dogma im Judenthume niemals einen Verfall oder eine Wiederherstellung" erfahren habe. Drei andere Dogmen dagegen „sind heftig erschüttert und zwei scheinen sich wieder zu erheben." Die ersteren drei sind ihin der Glaube an das Uebernatürliche, das sind die biblischen Wunder, an die biblische Inspiration und „der priesterliche Charakter". Er führt eine Reihe von Definitionen des Judenthums an, welche französische Juden gegeben, und in welchen das Uebernatürliche fehlt, oder doch nur schwach betont ist. Nur Herr Rodrigues sjmcht sich geradezu dagegen aus, und Rodrigues ist ihn mal der bedeutendste Repräsentant des französischen^ denthmns. Ebenso geht Herr M. bezüglich der JnsD ration der heil. Schrift zu Wege, und findet schon in der verschiedenen Exegese, z. B. in der allegorischen Deutung der Geschichte im Paradiese, eine Häresie gegen das Dogma der Inspiration. Damit zeigt er aber nur, daß er nicht weiß, wie überaus alt im Judenthume die verschiedenartige Exegese der h. Schrift ist, und ihm entgeht, daß schon alte und anerkannte jüdische Exegeten, z. B. Aben Esra, noch mehr aber -moderne Bibelerklärer und Theologen einen Unterschied machen zwischen dem Dogma von der göttlichen Offenbarung und dem Dogma, daß jedes Wort, jeder Buchstabe der heil. Schrift ans der göttlichen Offenbarung hervorgegangen, daß nicht wenige jenem vollständig anhängen, während sie dieses nicht anerkennen, daß sie sagen, die heil. Schrift enthält die göttliche Offenbarung aber nicht Alles in der Schrift besonders alle historischen Stücke, ist göttliche Offenbarung. Wäre Herr Michaud wirklich mit den im Juden, thume früher und jetzt vorhandenen Ansichten bekannt, so mußte er diesen außerordentlich bedeutenden Unterschied gekannt haben, aus welchem heraus selbst die meisten von ihm citirten Stellen französischer Schriftsteller einen ganz anderen Sinn haben. — Diese völlige Unwissenheit zeigt sich aber am meisten hinsichtlich des dritten von ihin angeführten Dogmas, „des priesterlichen Charakters." Er meint nämlich, daß es ein Erzeugniß des jüngsten Judenthums fei, die Rabbinen nur als Gesetzeslehrer anznsehen,