Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 8 (18.2.1868)
- Date
- 1868-02-18
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M 8. 38, Jchrgang. Allgemeine Zeitung des Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippfon in Bonn. Leipzig, den 18. Februar 1868. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal Dienstags, in 2 bis 2>/z Bogen. Preis des Jahrgangs 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Vierteljährig 1 Thlr. Inserate werden mit l*/2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen uehlnen Bestellungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere-hat sich das Königl. Sächs. Haupt-Zeitung s-Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Des österreichischen Kaiserstaates Aufschwung. — Die israelitische Krise in Frankreich vom Jahre 1867. — Literarischer Wochenbericht: Bonn. Zeitungsnachrichtenr Deutschland: Berlin, Bonn, Königsberg, Schwerin. Oesterreichischer Kaiserstaat: Wien, Pest, Aus österr. Schlesien. Donaufürsten thü me r: Bukarest. Feuilleton-Beilage: Frank und die Frankiften. — Das TariHkränzchen des israelitischen Frauenvereins in Pest. — Kuriosum. L eiten de Artikel. Bonn, 9. Februar. Des österreichischen Kaiserstaates Aufschwung. Jeder Tag bringt jetzt eine Meldung aus der cis- und transleithanischen Reichshälfte, welche einen Fortschritt, welche die Verwirklichung eines liberalen Grundsatzes verkündet. Nachdem das neue Staatsgrundgesetz sanktionier und ein liberales Ministerium aus der Majorität des Reichstages eingesetzt worden, wird die gänzliche Umgestaltung der inneren Regierungseinrichtungen und Regierungsweise rasch und bestimmt durchgeführt. Und hierbei wird nicht bloß negativ verfahren und die alten Uebelstände beseitigt, sondern man geht auch an positive Schöpfungen, und dies ist der kräftigste Nerv in der ganzen Erscheinung. In Ungarn wird eine jüdische Notablenversammkung berufen, um die Gemeindehältnisse und das Schulwesen zu ordnen, ebenso wie man bedacht ist, den Eid more jntlsioo zu beseitigen. Im cisleithanischen Reiche begnügt man sich nicht, die Judenbezirke der galizischen Städte und die Beschränkungen des Grunderwerbes aufzuheben, sondern man will auch Rabbinerschulen gründen. Mit einer raschen Erhebung also geht man sofort weit über das Maß dessen hinaus, was in den übrigen deutschen Staaten, Preußen nicht ausgenommen, noch lange nicht erreicht ist. Es handelt sich hierbei nicht etwa um die fieberhafte Erregung einzelner Männer, einer extremen Cotterie, die durch Zufälligkeiten auf eine kurze Zeit zur Herrschaft gelangt ist. Denn bei alledem gilt es doch nur Dinge, welche, das preußische Abgeordnetenhaus in seiner Mehrheit immer wieder gefordert, aber noch nicht erlangt hat. Man denke z. B. an das neue Schulgesetz, welches nach den schon vom Reichstage berathenen Grundsätzen jetzt vorgelegt werden soll, und wo in der Anstellung von Lehrern — außer dem Religionsunterricht — von aller Confession abgesehen werden wird. Es versteht sich, daß wir diese Bemerkung hier auf unser Gebiet beschränken; bei Ausdehnung derselben auch auf andere Felder bietet sich eine Menge freisinniger Maßnahmen dar, so daß in diesem Augenblicke Oesterreich auf dem Continente der einzige aufrichtig und konsequent konstitutionelle Groß-Staat ist. Weise Männer schütteln das Haupt und weissagen ein nahes Ende, und wie es dann immer ist, wenn es von einem Extrem zum andern geht, ein Ende mit Schrecken. . . Wir sind anderer Meinung und wollen dieselbe begründen. Der jetzige Kaiser bestieg den Thron unter den Kräm-