Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 7 (11.2.1868)
- Date
- 1868-02-11
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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32. Jahrgang /Allgemeine _*• , Zeitung des Iudcntbums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner vr Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 11. Februar 1868. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal Dienstags, in 2 bis 21/2 Bogen. Preis des Jahrgangs 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Vierteljährig 1 Thlr. Inserate werden mit 1 ll2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestel- » lungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich das Königl. Sachs. Haupt-Zeitungs-Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Dtvtikel r Ter Bekehrungseifer, in Kurland. — Die Anstellung jüdischer Lehrer an offen tilgen Lehranstalten in Preußen. — Literarischer Wochenbericht: Leipzig. Zeitungsnachrichtenr Deutschland: Berlin, Potsdam, Breslau, Königsberg, Gollub, Hannover. Oe st erreich ischer Kaiserstaat: Aus Ungarn. Frankreich: Paris. Amerika: Chicago. Nachträge. Feuilleton-Beilage r Die jüdische Armenpflege. — Die drei Vorhänge. — Eine gutgemeinte Warnung. — Correspondenz. Leitende Artikel. Bonn, 2. Februar. Wer Sekehrungseifer in Kurland. «Schluß.*) Trotzdem der Artikel des Pastors W. Müller zu Sauken der längere ist, haben wir uns dennoch weniger mit ihm zu beschäftigen, weil er in der That mehr Salbaderei und breiten, wohlgefälligen Bericht, als Grüklde und Beweise enthält, wenn er auch nicht verfehlt, die Verfahrungsweise und Ansichten dieser ganzen Klaffe von Missionseiferern durchleuchten zu lassen. Echt jesuitisch, beschuldigt er diesen unter den in Kurland obwaltenden Verhältnissen bedauerlichen Conflikt hervorgernfen zu haben — den Rabbiner Pucher! Derjenige also, welcher sich gegen faktische Ein- und Angriffe vertheidigt, der ist Ursache des Conflikts, der Angreifende dagegen ein harmloses Lämmlein! Er spreizt sich auch, daß der Redakteur der „Baltischen Monatsschrift" ausdrücklich „das Recht der Kirche, Mission an Israel zu treiben, anerkannt habe," verschweigt aber, daß dieser es nur unter der Bedingung that, daß auch der Ueber- und Rücktritt zum Judenthum gesetzlich erlaubt sei. Pastor Müller ist ein gar bescheidener Mann; aber diese Bescheidenheit hält ihn nicht ab, sich und seine Missionäre mit den Aposteln und Märtyrern des ChristenthumS gleich und seine Arbeit mit der der letzteren auf eine Linie zu stellen, und erklärt, daß diese.Arbeit „auf dem Wege des Kampfes geschehen müsse," ünd beruft sich dabei auf Matth. 10.: „Wer Vater oder Mgtter mehr liebt denn mich, der ist meiner nicht werth, und Wbjn nicht gekommen den Frieden zu bringen, sondern dal^Wchwert" — und sagt: „Kummer und Thränen 'können dabei nicht immer in Betracht kommen, denn dieselben können ja aus verschiedenen Quellen entspringen, so ■ auch aus dem zähen Festhalten an das Ueberlieferte und deßhalb Wahre." Nun Kummer, Schwert und Thränen haben denn, auch auf dem religiösen Gebiete in den letzten siebzehn Jahrhunderten des Menschengeschlechtes eine große Rolle gespielt und haben noch heute ihre Rolle nicht aus ge-.. spielt, gewiß in unermeßlich größerem Maße als in allen Jahrtausenden vorher. Welche Signatur hierdurch der religiösen Bewegung in allen Welttheilen während dieser Zeit aufgedrückt wurde, mag sich der Leser selbst beantworten. Jndeß so gewiß wie das richtige Urtheil über die Heroen der Schlachtfelder dereinst in der Menschheit sich Bahn brechen wird, so gewiß auch über „Schwert, Kummer und Thränen" im Dienste der *) S. Nr. 4.