Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 6 (4.2.1868)
- Date
- 1868-02-04
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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38. Jahrgang Allgemeine M 6. Zeitung -cs Zudenthnms Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 4. Februar 1868. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal Dienstags, in 2 bis 2*/^ Bogen. Preis des Jahrgangs I Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Vierteljährig 1 Thlr. Inserate werden mit ill2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehrnen Bestellungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich das Königl. Sächs. Haupt-Zeitungs-Burea u hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Aufruf. — Zur Angelegenheit der UnterstützugSvereine für jüdische Cultusbeamte. — Literarischer Wochenbericht: Bonn, Aus Dänemark. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Naugard, Aus Bayern. Oesterreichischer Kaiser staut: Lemberg, Krakau. D o n aufü rste nth ü mer: Bonn. Dänemark: Horsens. Nachträge. Eorrespondenz: Monatsbericht aus Ungarn. VI. Feuilleton-Beilage: Gallerte von Abgeordneten jüdischen Glaubens nebst einem Nachtrag zu Nr. 24. — Nekrolog. — Die drei Vorhänge. — Korrespondenz. — Bemerkung. Leitende Artikel. Aus Memel, im Januar. Wir werden ersucht, folgenden Ausruf nebst Bericht zu veröffentlichen: Aufruf. Mitbrüder! Das schwere Geschick, welches die Provinz Ostpreußen betroffen, ist jedermann hinlänglich bekannt. Wo nur ein deutsches Herz schlägt, hat man zur Abhilfe unseres Nothstandes sich bereit gefunden. Kein Ort aber leidet unter demselben so empfindlich wie der hiesige. Memel mit seinen Arbeiter-Vororten Schmelz- und Bommels-Bitte umfaßt eine Bevölkerung von ca. 30,000 Seelen. Vielleicht die Hälfte davon ist gegenwärtig beschäftigungslos und hungernd. — Unsere einzigen Verkehrsadern, die Gewässer, gerathen mit November in's Stocken. Durch sechs Monate gänzlich fehlenden Verkehrs leidet besonders der Arbeiter-Stand unsäglich. Trotz des beim Mangel einer Eisenbahnverbindung stetig abnehmenden Sommer-Verkehrs nach Außen, wird doch auch jetzt noch unser Hafen mit einigen Ausnahmen jährlich in der Zeit vom Mai bis November von ca. 1000 Seeschiffen und 3000 bis 4000 Binnenfahrzeugen besucht. Seitdem die Industrie sich anderwärts der Eisenbahn zu ihrem Verkehre bedient, ist der Nothstand bei uns in den Wintermonaten ein regelmäßiger unliebsamer Gast geworden und es habe» im verflossenen Jahr Mißernte, Arbeitslosigkeit, Vertranensmangel die Noth bis zum höchsten Grade anwachsen lassen. Schon als wir diese noch in weiter Ferne erblickten, haben wir unsere Vorkehrungen getroffen. Wir sind zu einem ganz unabhängigen Verein zusammengetreten, und von unfern wohlhabenden Mitbürgern unterstützt, und selbst vom Magistrate, der die städtischen Armeu-Vorstcher gemeinsame Sache mit uns machen ließ, mit einer Beisteuer von 700 Thlr. versehen, haben wir Vorräthe an Kartoffeln, Erbsen, Reis und Graupen herbeischasfen lassen, welche wir theils an die Bedürftigsten 20 bis 50"/« unter dem Kostenpreis verkaufen, theils zu Suppen verkochen, und gegenwärtig täglich fast 2000 Portionen » 1/2 Quart, i/s umsonst und '-/* zu 4 Pfg. die Portion, zur Vertheilung gelangen lassen. Auch haben wir 1000 Thlr. zur Beschaffung häuslicher Arbeit vom Berliner Hilfsverein für Ostpreußen erhalten. Aber alles dieses ist bei der Höhe der Ansprüche nicht ausreichend. Noth verlangt vor Allem nach Brod